Experten warnen: Die listigen Allesfresser kommen

Waschbären dringen in Städte des Rhein-Main Gebiets vor

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Waschbär auf der Suche nach Essensresten in der Mülltonne

Region Rhein-Main – Durchwühlte Mülltonnen, Getapse auf dem Dachboden und beißender Uringestank – die Waschbären kommen zu uns! Die listigen Allesfresser arbeiten sich unaufhaltsam von Norden ins Rhein-Main-Gebiet vor. Vereinzelte Tiere gab es hier schon länger. Von Christian Reinartz

Jetzt ist die Population aber offenbar so angestiegen, dass die Bären zum Problem werden könnten.

60.000 – das ist die Zahl der Waschbären von denen der Landesjagdverband Hessen ausgeht. Die meisten davon leben in Nordhessen rund um Kassel, das als Waschbären-Hauptstadt der Republik gilt.

Aber nicht mehr lange. Denn Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes Hessen, ist sicher: „Schon bald wird der Waschbär hier genauso häufig vorkommen, wie in Kassel.“ Das heißt: Gescharre auf dem Dachboden, Durchwühlte Mülltonnen und Urin, der durch die Decke tropft.

Waschbären dringen in Städte ein

Die pelzigen Tiere haben längst Kurs auf das Rhein-Main-Gebiet genommen. Immer südlicher werden sie gesichtet. Allein die untere Jagdbehörde des Kreises Offenbach hat auf ihrer Jagdstrecke sechs Waschbären registriert. Laut den Fachleuten lassen diese Zahlen nur einen Schluss zu: Steigende Population in Rhein-Main. Mittlerweile sogar südlich des Mains. Aufhalten kann man die Tiere nicht. Der Kasseler Waschbär-Jäger Frank Becker: „Der Zug ist abgefahren.“ Rüdiger Werner vom Naturschutzbund in Rödermark hat selbst schon einen Waschbären-Kadaver zwischen Eppertshausen und Rödermark gefunden. Der Naturschützer sieht die Situation aber differenziert. „Im Moment freut man sicher eher, dass noch ein weiterer Geselle die Landschaft besiedelt. Aber ich weiß auch, wie schnell das umschlagen kann und der Waschbär zur Plage wird.“

Diese Tierarten sind nach Deutschland eingewandert

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Wie nah diese schon ist, weiß Langenhorst: „Die Zahl der Waschbären hat jetzt eine Grenze durchbrochen.“ Eine Grenze, die verhindert, das die Tiere länger unentdeckt bleiben. „Die Leute fangen an, die Tiere wahrzunehmen“, sagt Langenhorst. Noch sind die Waschbären hauptsächlich im Freien. Doch bis sie auch die Häuser entern, dauere es gewiss nicht mehr lange. „Die Tiere haben keine große Scheu vor dem Menschen“, sagt Langenhorst. Ein Gegenmittel gibt es nicht. „Wir müssen uns in Frankfurt und Umgebung mit dem Waschbären abfinden und lernen damit zu leben.“

Bedrohung für die heimischen Tierarten

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Warum sich der Allesfresser hier wohl fühlt, weiß der Naturschützer: „Die Tiere finden optimale Bedingungen vor. Auf der einen Seite viel Müll mit Essensresten, aber auch große Gärten.“ Vor allem in der Umgegend und den Randbezirken Frankfurts seien diese zu finden. „Da hat er alles, was er braucht“, sagt Langenhorst.

Während der Waschbär für den Menschen nur lästig ist, kann er für heimische Tierarten zur Bedrohung werden: Er räumt reihenweise die Nester brütender Vögel aus. Zudem haben die Tiere eine Strategie entwickelt, um jetzt zu Beginn der Krötenwanderung bequem an Futter zu kommen: Sie setzen sich an die Eimer, die entlang der Krötenzäune aufgestellt sind. Dort hinein hüpfen die Kröten und werden normalerweise von einem Naturschützer über die Straße gebracht. Langenhorst: „Stattdessen bedient sich der Waschbär direkt aus dem Eimer und frisst die Kröten.“

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