Eine Lehrerin auf vier Pfoten

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Aufmerksam verfolgen die Teilnehmerinnen das Mensch-Hund-Training. Hund Kira kennt die Übungen schon.

Frankfurt – Berufsvorbereitung mal anders: In einem Kurs mit Hunden werden junge Frauen für die Arbeitswelt fit gemacht. Die haarige Lehrstunde mit Hütehündin Kira und ihrer Tochter Kaalotta soll die Mädels Verantwortung und Entschlossenheit lehren. Von Mareike Palmy

„Tunnel durch“, sagt Cynthia Stolz energisch zu Hündin Kaalotta und macht eine lockende Handbewegung in Richtung des hellblauen Plastiktunnels. Artig läuft der Australian-Shepherd-Mischling hindurch und erntet dafür ein Leckerli. „Prima, du hast Kaalotta mit deiner resoluten Stimme und deiner Körpersprache überzeugt“, lobt Frauchen und Tierhomöopathin Renée Herrnkind. Sie leitet das einmalige Mensch-Tier-Training der Frankfurter Berufsvorbereitung FaPrik und zeigt 14 jungen Frauen, die auf den Hauptschulabschluss oder die Suche nach einem Ausbildungsplatz vorbereitet werden, wie man seine Autorität richtig einsetzen kann.

Hündin Kaalotta hört auf das Wort ihres Frauchens Renée Herrnkind (rechts). Die ängstliche Denisa traut sich nach kurzer Gewöhnungsphase dann auch eine Übung mit der Hündin zu.

Selbstständig Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen. Das fällt vielen jungen Mädchen schwer. Laut den Machern des tierischen Projekts könnten gerade deshalb Berufseinsteiger in der Arbeit mit Hunden lernen, wie man verantwortungsvoll handelt und klar kommuniziert: „Das Konzept hat mir Kira geschenkt“, sagt Herrnkind, die ihre Hündinnen daheim aufmerksam beobachtet. Bei jedem Ausflug mit den Vierbeinern kommen ihr dazu neue Ideen für Übungen. Seit drei Jahren hilft sie so jungen Menschen, an deren Ausstrahlung und Motivation zu arbeiten. „Das Verhalten der Hunde spiegelt sofort wider, wie ein Mensch auftritt und nach jeder Übung spürt man die Erfolge“, erklärt die Hundetrainerin.

Lehrer mit kalter Schnauze

Das zeigt sich auch gleich in der nächsten Übung. Die ist schon etwas komplizierter: Sicher führt die 17-jährige Josy Hündin Kaalotta durch den aufgebauten Parcours. Dann bleibt die Hündin brav vor der jungen Frau sitzen und schaut sie fragend an: Das Leckerli vor ihr nimmt sie erst auf, als Josy es ihr erlaubt.

Die 18-jährige Denisa hatte am Morgen noch furchtbare Angst vor den beiden Hunden. Jetzt, nachdem sie die anderen ein bisschen beim Training mit den Hunden beobachtet hat, ist sie entspannter und traut sich selber eine Übung zu. Sie führt Kira langsam durch den Parcours, lässt sie auf eine Kiste steigen, in einem Reifen Sitz machen und schafft es sogar zu verhindern, dass ein liegen gebliebenes Leckerli heimlich von Kira verspeist wird. 

„Die Erfahrungen, die die jungen Frauen hier mit den Hunden machen, können sie dann auch auf ihren Alltag übertragen“, sagt Renée Herrnkind. So könnten sie, wenn es darauf ankomme, ihrem menschlichen Gegenüber klar und selbstbewusst sagen, was sie von ihm wollten. Im Sommer starten wieder neue Kurse zur Berufsvorbereitung und Hilfe bei der Ausbildungsplatzsuche in der FaPrik. Weitere Informationen und Auskünfte zu den diversen Projekten und Maßnahmen gibt‘s telefonisch unter (069) 91397379.

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