Der Königin war's zu kalt

+
Imker Manfred Belz vom Bienenzuchtverein Obertaunus mit seiner Imkerpfeife und einer Wabe mit Bienen.

Region Rhein-Main – Für die Imker ist es kein süßes Jahr. Denn in Hessen ist der Honigertrag knapp 1000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Das kalte und nasse Frühjahr ist schuld. Weniger Bienen hat aber nicht nur weniger Honig zur Folge. Sondern auch die Landwirtschaft leidet unter der verringerten Bestäubungsleistung. Von Silke Gottaut

„Der Winterfrost im April war fatal“, berichtet Manfred Belz vom Bienenzuchtverein Obertaunus: „Wir haben zwischen 35 und 50 Prozent weniger Honig als im Vorjahr.“ Vergangenes Jahr produzierte Belz Bienenvolk 40 Gläser Honig. Dieses Jahr nur 20. Nicht nur der Frost ist schuld, sondern auch das feuchte und schlechte Wetter im Mai und Anfang Juni.

Walter Stejskal vom Frankfurter Imkerverein musste auch große Verluste in Kauf nehmen: „Ich hatte im Vergleich zum letzten Ertrag pro Volk zehn bis 15 Kilo weniger Honig. Das ergab anstatt 70 nur 30 Gläser Honig.“

Wenn Bienen mehr Nahrung in ihrenBienenstock tragen, als sie selbst verbrauchen, nennt man die überschüssige Nahrung Tracht. Die Tracht ist Voraussetzung für die Entstehung von Honig. Stejskal seine erste Tracht fehlte komplett. „Es war einfach zu kalt für die Frühjahrsblüten.“ Manfred Ritz vom Hessischen Imkerverband kann das bestätigen: „Das, was die Bienen gesammelt haben, haben sie für ihren eigenen Lebensunterhalt gebraucht.“

Doch nicht nur die Tracht fehlte, sondern auch die Bienen: „Ich hatte pro Volk etwa nur die Hälfte an Bienen. Der Königin war es zu kalt. Deswegen hat sie nur wenige Eier gelegt“, erklärt Stejskal. Zu wenig Bienen ist nicht nur tragisch für die Imker, sondern für die ganze Landwirtschaft. „Es ist das A und O, dass die Pflanzen bestäubt werden.“ Ist das nicht der Fall, ist die Artenvielfalt von Pflanzen in Gefahr. „Das wäre eine Katastrophe“, meint Matthias Ullmann vom Bieneninstitut Oberursel. „Bienen sind unser Handwerk. Die Landwirtschaft hängt von 80 bis 85 Prozent von Bienen ab.“ Neben dem schlechten Wetter ist jedoch der wahre Feind die Varroa-Milbe. „Sie legt im Bienenstock Eier. Die weiblichen Milben stechen die Bienen, so dass es zu Missbildungen oder zum Tod der Bienen führt.“

Weniger Bienen hatte auch Imkerin Verena Jakel vom Bienenzuchtverein Langen: „Meine Völker haben sich dieses Jahr wegen dem regnerischen Wetter schlechter entwickelt.“ Jakel hatte diese Saison über 50 Prozent weniger an Honig.

Eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Obwohl laut Manfred Ritz vom Hessischen Imkerverband die Honig-Preise um ein Drittel steigen sollen, werden sie von den meisten regionalen Hobby-Imkern im Rhein-Main-Gebiet nicht erhöht.

Kommentare