Beten mit Bello!

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In Ahrensburg sind Gottesdienste für Herrchen samt Haustier schon lange üblich.

Region Rhein-Main – Beten mit Bello – das ist ein aktueller Trend aus der Schweiz. Dort werden seit neuestem regelmäßig Tierhalter-Gottesdienste angeboten. Die Kirchen sehen solche Messen offenbar kritisch. In Frankfurt gibt es deswegen kein solches Angebot. Jetzt plant der Frankfurter Tierschutzverein selbst einen Gottesdienst für Herrchen mit ihren Tieren. Von Christian Reinartz

Eines ist klar: Viele Gläubige sehen Tierhaltergottesdienste kritisch. Den Kirchen ist deshalb offenbar nicht wohl bei diesem Thema. Auf katholischer wie evangelischer Seite geben sich die Verantwortlichen wachsweich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bedarf an solchen Gottesdiensten besonders groß ist“, sagt Dekan Michael Kunze als Chef der katholischen Gemeinden in Offenbach. Von einer aktuellen Nachfrage, innerhalb seiner Pfarreien wisse er auch nichts.

Sein evangelischer Kollege, Stephan Krebs, Pressesprecher der evangelischen Kirche Hessen Nassau, ist offener: „Segnung von Menschen, die Tiere halten, ist gut. Eine direkte Segnung beurteilen wir skeptisch.“ Das heiße aber nicht, dass es keinen speziellen Gottesdienst für Tierhalter geben dürfe, bei dem Tiere anwesend sind. Diese dürften aber nicht gesegnet werden. Krebs: „Offiziell gibt es bei uns aber so etwas nicht.“ Dass es in Deutschland auch anders geht zeigt ein Beispiel aus Ahrensburg. Dort sind solche Gottesdienst, laut Freia Quaß vom Verein für Tierrechte, schon lange üblich.

"Tiere gehören zur Schöpfung"

In Ahrensburg sind Gottesdienste für Herrchen samt Haustier schon lange üblich.

Auch aus theologischer Sicht der Katholiken spricht nichts gegen Gottesdienste für Frauchen, Herrchen und ihre Haustiere. „Die Tiere gehören zur Schöpfung, warum sollten sie also in einem Gottesdienst nichts verloren haben“, fragt Pater Stephan Kessler. Er ist Leiter des Priesterseminars Sankt Georgen in Frankfurt und für die Ausbildung der katholischen Geistlichen zuständig. „In der Bibel steht zwar, dass Tiere nicht die Botschaft des Herrn empfangen können“, erklärt Kessler weiter. Doch bei solchen Gottesdiensten gehe es um die Besitzer. „Und jedes Thema, das Menschen berührt und ihnen wichtig ist, darf auch Teil des Gottesdienstes sein“, so der Theologe.

Den Frankfurter Tierschützern stößt die ablehnende Haltung der Frankfurter Kirchenoberen offenbar sauer auf. Sie wollen nun in Eigeninitiative einen Gottesdienst für Herrchen und Haustiere organisieren. Walter Rotter, Vorsitzender des Frankfurter Tierschutzvereins: „Wir planen einen Freiluftgottesdienst auf dem Gelände unseres Tierheims, denn wir sind überzeugt, dass es da einen großen Bedarf gibt.“

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