Bellen, bis der Arzt kommt

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Noch etwas müde vom nächtlichen Einsatz: Uwe Lässig und Angela Kazmaier vor dem Rettungswagen.

Frankfurt – Ein verschluckter Gummiball, ein ausgerenkter Katzenkiefer oder ein Chinchilla mit Grippe – der medizinische Tierrettungsdienst „UNA – Union für das Leben“ leistet in jeder Notsituation Erste Hilfe am Tier. Ab Januar auch im Rhein-Main-Gebiet. Von Mareike Palmy

Spät war‘s gestern: Erst gegen 4.30 Uhr sind Uwe Lässig und Angela Kazmaier von der Tiernotrettung ins Bett gekommen. Zuvor waren sie noch in Aktion: Ein Lamm hatte sich in die Frankfurter Innenstadt verlaufen und musste eingesammelt werden. „Das gehört zu unseren leichtesten Aufgaben“, sagt Tierretter Uwe Lässig.

Der 54-Jährige aus Schleswig-Holstein hat den gemeinnützigen Verein 2007 mit neun weiteren Tierfreunden gegründet und fährt seitdem quer durch Deutschland, um im Notfall Hund,Katze, Maus und Co. zu retten. Rund 2500 Einsätze erledigt das Team der UNA Tierrettung im Jahr. „Tendenz steigend“, sagt der ehrenamtlich tätige Helfer. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind die 140 Fahrzeuge bundesweit im Einsatz. „Zu den unmöglichsten Uhrzeiten klingelt das Telefon, aber für die Tiere fahr ich überall hin“, sagt Lässig.

Für Frankfurter Tiere gab es bislang allerdings noch keine Tierretter. Doch seit Kurzem nimmt auch die Ortsgruppe Frankfurt/ Rhein-Main Gestalt an. Das seit November 2010 in Rosbach stationierte Einsatzfahrzeug deckt zwar zurzeit noch das gesamte Rhein-Main-Gebiet ab. „Im Januar werden dort dann aber drei Fahrzeuge unterwegs sein“, sagt Uwe Lässig. Immer zu zweit sind die Retter in einem voll ausgestatteten technischen Rettungswagen in Aktion. Ein durchschnittlicher Einsatz dauert etwa zwei Stunden. Darunter waren bereits spektakuläre Fälle, wie der Leguan in der Wetterau, zu dem der Notdienst ausrücken musste. Das Tier saß auf einem 30 Meter hohen Baum und wurde mit Hilfe der Feuerwehr behutsam vom Baum „geschüttelt“.

„Es gibt Einsätze, die wirklich an die Nieren gehen. Da muss man mit dem Leben und Sterben der Tiere umgehen können“, weiß Lässig. Damit die Retter wissen, was sie im Notfall zu tun haben, muss eine Ausbildung absolviert werden. Im September fand der erste Lehrgang in Erster Hilfe bei Haustieren im Rahmen der Schulungsreihe mit dem Ausbildungsziel Tiernotfallsanitäter statt. Fünf Frankfurter haben mitgemacht.

Wer die Hilfe der UNA Tiernotrettung benötigt wählt die 24-Stunden Notrufnummer S (01578) 4995295 oder (0700) 952952 95.

Weitere Infos zur Tierrettung gibt‘s im Internet unter http://www.tierrettungsdienst.eu.

  Foto: map

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