Amselsterben nun auch bei uns

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Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit untersucht von am Usutu-Virus verendeten Amseln unter dem Mikroskop.

Region Rhein-Main – Das Usutu-Virus ist mittlerweile bis ins Rhein-Main-Gebiet vorgedrungen. Denn auch hier werden seit einigen Tagen vermehrt tote Amseln entdeckt, die den Krankheitserreger in sich tragen. Nun hat der Nabu Hessen die Bürger aufgerufen, die toten Vögel zu melden. Von Dirk Beutel

Der sezierte Kadaver einer am Usutu-Virus verendeten Amsel.

Noch vor ein paar Wochen war es Problem, das sich vornehmlich im Rhein-Neckar-Raum abgespielt hat: Verendete Amseln, die an dem tropischen Usutu-Virus gestorben sind. Die Vogelkrankheit, die von Stechmücken übertragen wird, kann in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragen werden. Hautausschlag, Fieber und Kopfschmerzen sind mögliche Symptome. Auf EXTRA TIPP Nachfrage bestätigt der NABU Hessen, dass nun auch vereinzelt im Rhein-Main Gebiet tote Amseln gefunden wurden, die mit dem Usutu-Virus infiziert waren. „Mittlerweile wurden uns etliche Tiere gemeldet und positiv untersucht“, bestätigt Gerhard Eppler, Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes Hessen.

Vergangene Woche hat der Nabu Hessen bundesweit dazu aufgerufen, tote Amseln zu melden. Grund dafür ist eine bessere Übersicht über die Ausbreitung und Entwicklung des sogenannten Usutu-Virus, den die Vögel in sich tragen. Zumal jetzt auch Umweltschützer Alarm schlagen, weil sie seltene Arten zusätzlich gefährdet sehen.

Erstmals auch Haustiere betroffen

Dass sich das Virus nicht nur auf Amseln beschränkt, hat vor einigen Tagen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg nachgewiesen, indem der Usutu-Nachweis bei einem toten Star positiv ausfiel. Und: Das Virus wurde in zwei toten Kanarienvögeln, die in einer Außenvoliere gehalten wurden, nachgewiesen. Damit sind zum ersten Mal Haustiere betroffen. Allerdings: „Hunde- und Katzenbesitzer müssen keine Angst haben, dass sich ihre freilaufenden Tiere bei den infizierten Kadavern anstecken können“, sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Tropeninstitut in Hamburg.

Im Falle der Amseln hofft Gerhard Eppler, dass die Vögel im Laufe der Zeit Resistenzen gegen das Virus entwickeln. „Dies wäre wünschenswert, da wir bereits jetzt Meldungen darüber haben, dass der Amselbestand in einigen Gegenden nahezu zusammengebrochen ist“, sagt Eppler. Er gehe ohnehin davon aus, dass sich die Epidemie bis ins nächste Jahr fortsetzen wird.

Wer eine tote Amsel findet, kann diese im Internet auf der Seite www.nabu-hessen.de melden.

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