Alles hört wieder auf sein Kommando

+
Christian Walliser in der Manege mit seinen Tigern.

Frankfurt – Vor einem Jahr ist Raubtier-Dompteur Christian Walliser bei einem Auftritt in Hamburg von seinen Tigern angefallen und lebensgefährlich verletzt worden. Jetzt steht er mit genau diesen Tieren wieder erstmals in der Manege – beim Zirkus Barelli in Frankfurt. Von Norman Körtge

Ein Feuerlöscher steht griffbereit neben Jan Birk. Er will damit kein Feuer löschen, sondern notfalls mit dem Versprühen des Löschschaums die vier Tiger in Schach halten mit denen sein Ehemann Christian Walliser gerade in der Manege des Zirkuszeltes am Frankfurter Honsell-Dreieck steht.

Christian Walliser (rechts) und sein Ehemann Jan Birk.

Immer noch hat Birk die Bilder vom 8. Dezember 2009 in Hamburg vor Augen als Radja, India und Jaipur über seinen Lebensgefährten herfallen, sich in Kopf, Hand und Hüfte verbeißen. Nur weil Birk und andere Helfer schnell reagieren und mit Feuerlöschern und einem Wasserschlauch die Tiger zurück in die Käfige scheuchen, können Ärzte sein Leben retten. „Ausreden kann ich es ihm nicht. Es ist sein Leben“, seufzt ein sichtlich angespannter Birk.
Nervös ist auch Walliser selbst. Aber er lässt es sich kaum anmerken. „Die Tiger waren nicht schuld. Es war mein Fehler“, redet er sich stark. An den Unfall in Hamburg kann sich der 29-Jährige kaum erinnern. „Ich bin gestolpert und nach vorne gefallen. Dann habe ich nur noch ein Knacken im Kopf gehört“, erzählt Walliser von den dramatischen Sekunden.

Einen kritischen Moment gab es dann auch am Donnerstagnachmittag bei der ersten Probe. „Als ich hinter den Tigern stand war für einen kurzen Moment nicht klar, wer Herr in der Manege ist“, erzählt er. Aber routiniert und mit der Peitsche in der Hand brachte Walliser die Lage unter Kontrolle. „Ich fühle mich sicher“, sagt er. Durchatmen bei Walliser und Birk. „Vorher war mir kalt. Aber ich habe soviel gezittert, dass mir jetzt warm ist. Ich schwitze richtig“, meint Birk und nimmt seinen Mann in den Arm.

Auch Zirkusdirektor Harry Barelli fällt ein Stein vom Herzen. Er ist froh, dass er Walliser mit den Auftritten in seinem Zirkus wieder eine Perspektive bieten kann.

Der Zirkus Barelli gastiert noch bis 9. Januar an der Hanauer Landstraße 108 / Honsell Dreieck.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare