Studie: Wie gastfreundlich ist Frankfurt wirklich?

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Welche deutschen sowie internationalen Städte sind in Zeiten des „Overtourism“ überhaupt noch gastfreundlich und wie ist die Lage in Frankfurt? Eine aktuelle Studie liefert jetzt die Antworten auf diese und mehr Fragen.

Die Tourismusindustrie befindet sich seit mehreren Jahrzehnten weltweit im Aufschwung. Immer mehr Menschen verreisen regelmäßig – Tendenz steigend. Laut einer Zählung der UNWTO wurden allein im Jahr 2017 weltweit mehr als 1,2 Milliarden grenzüberschreitende Reiseankünfte verzeichnet. Hinzu kommen natürlich zahlreiche Touristen, welche im eigenen Land Urlaub machen. Im Vergleich dazu lag die Zahl im Jahr 1950 erst bei rund 25 Millionen. Auch Deutschland verzeichnet diesbezüglich in regelmäßigen Abständen neue Rekordjahre. Dieser regelrechte Boom führt in vielen beliebten Destinationen zu einem Problem namens „Overtourism“.

„Overtourism“ mindert die Gastfreundschaft

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei der Problematik des „Overtourism“ um das Phänomen, dass mehr Touristen an den betreffenden Ort reisen als dieser Kapazitäten hat. Ausgebuchte Hotels, überfüllte Strände oder Müllberge sind davon nur einige mögliche Folgen, welche wohl jedem Menschen, der schon einmal zu beliebten Destinationen wie beispielsweise Mallorca oder Bali gereist ist, bekannt vorkommen dürften. Doch es sind nicht unbedingt die Touristen selbst, sondern vor allem die Einheimischen, welche in betroffenen Regionen unter dem „Overtourism“ leiden. Die Folge ist eine kategorische Abneigung gegen Touristen, wie sie in vielen Teilen Europas beobachtet werden kann. Für Reisende steht in diesem Zuge vermehrt die Frage im Raum: Wo bin ich eigentlich noch willkommen?

Studie untersucht Gastfreundlichkeit von Städten

Mit der Antwort auf diese Frage hat sich auch eine aktuelle Studie beschäftigt. In diesem Rahmen wurden die 100 bei Touristen beliebtesten Städte der Welt genauer unter die Lupe genommen. Ziel war es, jene Destinationen herauszufiltern, bei welchen Touristen sich noch auf einen angenehmen Urlaub und gastfreundlichen Empfang freuen dürfen. Dafür wurden drei verschiedene Faktoren berücksichtigt:

  1. Die Stadt als solche in puncto Einreise und Sicherheit. Wie einfach ist die Einreise also, wie gastfreundlich sind Bahnhöfe, Flughäfen & Co und wie sicher fühlen sich die Besucher in der Stadt?
  2. Die Bewohner in Bezug auf ihre generelle Zufriedenheit, denn diese schlägt sich auch unmittelbar auf die Atmosphäre in der Stadt nieder. Wo also herrscht eine gute Stimmung und Touristen werden offen empfangen – ohne Proteste oder fremdenfeindliche Graffiti an den Wänden? Berücksichtigt wurden zudem die Englischkenntnisse der Bewohner sowie ihre Bereitschaft, Besucher aus dem In- sowie Ausland zu beherbergen, beispielsweise im Rahmen von Couchsurfing.
  3. Zuletzt wurde in der Studie auch der „Overtourism“ in der jeweiligen Stadt untersucht. Ist sie also schon am Rande ihrer Kapazitäten oder bereits darüber hinaus? Oder ist die Stadt noch in der Lage, mehr Touristen zu empfangen?

Die gute Nachricht ist: Die Ergebnisse waren bei allen Städten durchweg positiv. Alles in allem präsentierten sich die Top 100 also gastfreundlich und selbst der Spitzenreiter Singapur kommt „nur“ auf einen Wert beim „Overtourism“ von 8.22 von möglichen 10 Punkten. Auch, wenn die Kapazitäten also zu großen Teilen ausgeschöpft sind, stoßen sie bislang noch nicht an ihre Grenzen. Erfreulich ist zudem, dass fast alle deutschen Städte im Ranking in den Top 30 landeten.

Frankfurt in Deutschland nur auf Platz fünf

Allerdings nur fast. Am Ranking teilgenommen haben nämlich fünf deutsche Städte, wovon Hamburg auf Platz elf, Berlin auf der 19, Stuttgart auf dem 24. und München auf dem 26. Rang landete. Lediglich Frankfurt folgt weit abgeschlagen auf Platz 67. Ist Frankfurt also „gastunfreundlich“? Nein, mahnt die Studie ausdrücklich. Die unteren Ränge der Liste sollen keinesfalls als unfreundlich aufgefasst werden, schließlich gehören sie nach wie vor zu den 100 beliebtesten Reisezielen der Welt und erreichten im Rahmen der Studie durchweg positive Ergebnisse. Ein direkter Vergleich macht zudem deutlich, dass die Resultate differenziert betrachtet werden müssen. Während Frankfurt nämlich in puncto Sicherheitsgefühl und Einreise noch Nachholbedarf gegenüber München hat, kann es bei den Englischkenntnissen der Bewohner und ihrer Bereitschaft, Touristen zu beherbergen, problemlos mithalten. Laut Expertenmeinung von 15.000 Reisejournalisten aus der ganzen Welt, hat Frankfurt sogar die Nase vorn.

Fazit: Frankfurter sind zufrieden und gastfreundlich

Alles in allem lässt sich somit ein positives Fazit ziehen: Frankfurt ist gastfreundlich, zumindest noch nicht vom „Overtourism“ betroffen und die Zufriedenheit der Bewohner liegt auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Spitzenreiter ist diesbezüglich übrigens das norwegische Oslo mit einer glatten 10. Dass Frankfurt noch kein Problem mit einer Touristenüberflutung hat, bedeutet allerdings keine Garantie für die Zukunft. Die Tourismusindustrie wächst weiter und so werden voraussichtlich auch in den kommenden Jahren immer mehr Besucher nach Frankfurt strömen. Ob und wann hier die Stimmung der Einwohner gegenüber den inländischen oder ausländischen Touristen zu kippen droht, ist momentan noch nicht abzusehen. Wichtig ist daher, dass das Problem des „Overtourism“ zunehmend auch in das Bewusstsein der Politiker dringt und frühzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden. Zudem liefert die Studie wichtige Anhaltspunkte, wo in den untersuchten Städten jeweils noch Verbesserungsbedarf herrscht. In Frankfurt wäre das in den Bereichen Sicherheitsgefühl, Einreise und eben der Tourismus-Aufnahmekapazität der Fall.

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