Streit mit Handwerkern: Wenn kein Schlichter mehr hilft

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Brigitte Hildebrand zeigt das kaputte Abluftrohr.

Münster – Brigitte Hildebrand steht vor einem Dilemma. Soll die in Münster lebende Seniorin 600 Euro für ein Gutachten ausgeben, um eine ihrer Meinung nach mangelhafte Handwerkerleistung nachzuweisen, oder weniger Geld investieren, damit ein anderer Handwerker den Schaden behebt. Von Norman Körtge

Das völlig zerfledderte, rote Entlüftungsrohr hat sie aufgehoben. Zum Beweis. „Mir kann doch keiner erzählen, dass dies fachmännisch eingebaut worden ist“, meint Brigitte Hildebrand. Offensichtlich war das Rohr nicht für die im Sommer entstehenden Temperaturen auf einem unisolierten Dachboden ausgelegt. Der Kunststoff schmolz im Sommer 2007.

Für die Seniorin aus Münster war es nicht der erste Ärger, nachdem eine Dachdeckerfirma aus der Region im Dezember 2006 unter anderem auch ein neues Dachfenster eingebaut hatte. Da die Handwerker Material vergessen hatten, mussten sie während der Montage noch einmal in die Firma fahren. „Die haben das aber alles als Arbeitszeit berechnet. Auch ihre Frühstückspause“, berichtet Hildebrand entrüstet. Diese Zeiten wollte sie nicht bezahlen und überwies anstatt 1272,64 nur 1068,72 Euro. Das akzeptierte wiederum die Firma nicht, schickte Mahnungen. Der Ärger von Hildebrand steigerte sich noch, als Regenwasser eindrang. Als dann später auch noch das montierte Abluftrohr in der Hitze zerfloss, reicht es ihr. „Da wurde doch gepfuscht“, meint sie.

Letzte Hoffnung Schlichtungsstelle

Die Dachdeckerfirma reagierte auf Hildebrands Beschwerde nicht mehr. Sie wandte sich an den Innungsmeister. Doch auch der konnte nicht weiterhelfen. Die Zeit verstrich. Ihre letzte Hoffnung war die Schlichtungsstelle der Handwerkskammer Rhein-Main. Doch der Handwerkerbetrieb lehnte den Schlichtungsversuch ab. Auf EXTRA-TIPP-Nachfrage sagt der Firmenchef: „Es kann ja nicht sein, dass jemand seine Rechnung nicht bezahlt, aber dann noch Forderungen stellt. Für uns ist das Thema erledigt.“

Lars Bökenkröger von der Handwerkskammer Rhein-Main findet diesen Ausgang bedauerlich. Er stellt aber auch fest, dass es das gute Recht des Betriebes sei, nicht an dem Verfahren teilzunehmen. „Wir können niemanden zwingen, sondern treten nur als Mediator auf“, sagt er. In den meisten Fällen sind es Kommunikationsprobleme, die zu dem Ärger geführt haben. In den vergangenen anderthalb Jahren waren es 205 Vermittlungsverfahren. Bei gut der Hälfte davon einigten sich die streitenden Parteien.
Da Hildebrand zu den anderen knapp 50 Prozent gehört, bleiben ihr nun nur zwei Alternativen: 600 Euro für ein Gutachten ausgeben und vor Gericht ziehen. Oder gleich einen anderen Handwerker beauftragen, der das für weniger Geld behebt. „Das ist doch verrückt“, meint sie.

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