Onkel Hos Vermächtnis

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Asiatisches Bilderbuchland: Vietnam fasziniert durch seine Natur: die Halong-Bucht.

In diesem Land gibt es keinen Blick zurück im Zorn, sondern nur ein Zukunftsdenken voll Optimismus. Und das ist wohl der entscheidende Faktor, der Vietnam derzeit zu einem, vielleicht sogar dem spannendsten Reiseland Asiens macht.

Im Mekong-Delta werden Touristen oft zu den Herstellungsstätten von Kokosbonbons geschippert.

Von Hanoi im Norden, der Stadt an der Schleife des Roten Flusses, über die Drachenbucht Halong und die Traumstrände von Da­nang und Hoi An bis Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden – eine Rundreise durch ein Land im Aufbruch. Gründungsvater Ho Chi Minh steht als Wachspuppe im Mausoleum in Hanoi, statt seinem Kommunismus ist der Kapitalismus das Credo der Stunde. Für die Jugend Vietnams ist Ho Chi Minh heute weniger Revolutionär und Volksheld, als schlicht der Name einer Stadt im Süden (die früher Saigon hieß). Mit Riesenschritten ist Vietnam in Richtung Zukunft unterwegs. Frau Hang, die in der Altstadt von Hanoi einen Andenkenladen betreibt, aber ist sich sicher: „Würde Onkel Ho noch leben, er würde die Entwicklung unterstützen.“

Stadt der 36 Straßen

Vietnam: Durch seine Menschen, die positiv in die Zukunft blicken.

Der Mittelpunkt von Hanoi ist der Ho-Hoan-Kiem-See, an dessen Ufern sich Einheimische jeden Morgen zum Tai Chi treffen. Am südlichen Ufer erstreckt sich das alte Geschäfts- und Regierungsviertel der Franzosen mit Oper, Kirchen und Villen, von denen heute viele als Botschaften dienen. Oberhalb des Sees liegt die Altstadt mit ihren engen Gassen. Ihr Grundriss geht auf das 15. Jahrhundert zurück, als Hanoi die „Stadt der 36 Straßen“ war. Sie wurden nach den Waren benannt, die dort produziert wurden. Zwar gibt es die Salz-, die Schuh- oder die Seidengasse noch immer, aber viele der alten zweistöckigen Häuserzeilen mussten inzwischen modernen Zweckbauten weichen. Wer sich von der Hektik auf den Straßen Hanois erholen will, kann im „Literaturtempel“ zu innerer Einkehr finden. Er wurde im Jahr 1070 zu Ehren des chinesischen Philosophen Konfuzius errichtet.

In der Drachenbucht

Zwei Stunden Autofahrt durch ein Reisfelder-Mosaik zu beiden Straßenseiten sind es von Hanoi an die Küste. In der von den Vietnamesen als „achtes Weltwunder“ betrachteten Halong-Bucht recken sich insgesamt 1969 Kalksteinfelsen aus dem grün schimmernden Meer. Auf einem Holzboot gleiten die Besucher durch eine Welt mit bizarren Felsformationen und dunklen Grotten. In der schaurig-schönen Höhle „Himmelsplatz“ können sie mit etwas Phantasie einen versteinerten Wasserfall oder einen Drachenkopf entdecken.

Ein Drache hatte der Bucht auch ihren Namen gegeben: Der Legende nach hat sich ein Seedrache (ha long) einst ins Meer gestürzt, um den bedrohten Vietnamesen im Kampf gegen eine chinesische Invasionsflotte zu helfen. Dabei soll er mit seinem Schwanz wild um sich geschlagen und diese skurrile Landschaft geschaffen haben.

Die verwunschene Kaiserstadt

Eine Flugstunde südlich von Hanoi liegt Hue, die verwunschene Kaiserstadt mit ihren Purpurpalästen. „Wissen Sie, dass Sie hier auf kaiserlichen Spuren wandeln?“, fragt Lom, der durch die Palastanlage führt. „Der Weg über die Brücke des Sees war früher dem Kaiser vorbehalten. Alle anderen mussten um den Teich herumgehen.“

Über den Wolkenpass

Kilometerlange Sandstrände locken auf der Fahrt nach Da­nang. Landschaftlicher Höhepunkt ist der Wolkenpass, der auch die Trennlinie zwischen dem Norden und dem Süden Vietnams markiert. Im Schneckentempo kriechen überladene Lastwagen auf der kurvenreichen Strecke bis auf die Passhöhe. Oben weht ein kühler Wind, der faszinierende Wolkengebirge vor sich hertreibt, die über die kahlen Berge, grünen Reisfelder, den türkis schimmernden Ozean und den tropischen Urwald ziehen.

Die Fahrt geht weiter nach Hoi An: Die Stadt war Jahrhunderte lang einer der wichtigsten Seehäfen Südostasiens. Im Thu-Bon-Fluss ankerten Segelschiffe aus China, Japan, Indien und Europa. Chinesische und japanische Händler siedelten sich an und ließen Tempel und Pagoden errichten.

Die kleinen Altstadthäuser verströmen einen morbiden Charme. In winzigen Läden, Galerien und Werkstätten werden Kunsthandwerk und Bilder angeboten. Fast mediterran wirkt Hoi An in der Abenddämmerung. Die Touristen nehmen in den einfachen Straßenrestaurants Platz und lassen sich gegrillten Fisch schmecken. Dazu gibt es „Saigon“, ein vietnamesisches Bier. Vorgeschmack auf das letzte Ziel einer Vietnam-Reise von Nord nach Süd.

Nur Touristen schauen zurück

Ho Chi Minh City, kurz HCMC, heißt die Großstadt am Westufer des Saigon-Flusses heute. Opernhaus, Rathaus, Kathedrale und Markt stehen auf dem Pflichtprogramm des Besuchers. Und auch ein Ausflug in die Cu-Chi-Provinz. wo ein 200 Kilometer langer unterirdischer Tunnelkomplex an ein grauenvolles Kapitel dieses Landes erinnert: den Vietnam-Krieg. Touristen tun das, Touristen schauen zurück, die Vietnamesen selbst aber blicken nur nach vorne, immer voller Optimismus und nie im Zorn.

gms/ch

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Vietnam zieht sich von der Grenze zu China die gesamte östliche Festlandsküste Südostasiens hinunter bis ins Mekong-Delta. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Landes beträgt 1650 Kilometer. Insgesamt entspricht die Landfläche Vietnams (331 000 Quadratkilometer) ungefähr der von Deutschland.
ANREISE Vietnam hat drei internationale Flughäfen in Hanoi, Danang und Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon). Die Lufthansa fliegt von Frankfurt aus nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, ab ca. 1100 Euro. REISEZEIT/KLIMA Nordvietnam hat ein gemäßigtes Klima mit einer kühlen (November bis April) und einer heißen Jahreszeit (Mai bis Oktober). Im Süden herrscht tropisches Klima mit verstärkt Regen zwischen Mai und Oktober. Die Wetterscheide bildet der Wolkenpass nördlich von Danang. WÄHRUNG Landeswährung ist der Vietnamesische Dong. Ein Euro entspricht etwa 26 500 Dong.

LESERREISE Besuchen Sie mit uns die Highlights Vietnams auf einer Leserreise vom 1. bis 11. April 2011. Auf dem Programm stehen Hanoi, die Stadt am Roten Fluss, die Halong-Bucht, Da­nang, Hoi An, die Kaiserstadt Hue und Ho-Chi-Minh-Stadt sowie im Anschluss ein zweitägiger Aufenthalt im Stadtstaat Singapur mit umfangreichem Besichtigungsprogramm.

REISEPREIS 2149 Euro pro Person im DZ (Einzelzimmer: plus 279 Euro) inklusive Flügen mit Singapore Airlines ab/bis München via Singapur, Inlandsflügen in Vietnam, Visum, deutschsprachiger Reiseleitung, Transfers und Eintrittsgeldern, Übernachtungen und Mahlzeiten.

HIGHLIGHTS Hauptstadt Hanoi, die malerische Halong Bay, Hoi Ans historische Altstadt, die Königsstadt Hue, die Fischer von Cua Dai, Hai-Van-Pass (Wolkenpass), die unterirdischen Tunnel von Cu Chi, Metropole Ho Chi Minh City, Stadtstaat Singapur mit Nachtsafari.

INFO/BUCHUNG Explorer Fernreisen, Büro München, Sonnenstraße 19, Tel.089/12 22 49 90, E-Mail: muenchen@explorer.de, www.explorer.de/vietnam.

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