Tansania oder Kenia: Die Afrika-Klassiker im Vergleich

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Ein Traum von Afrika: Elefanten als Bilderbuchkulisse vor dem Kilimandjaro.

Das Auswärtige Amt rät von derzeit Reisen nach Kenia ab. Vom Nachbarland Tansania dagegen hört man überhaupt nichts Besorgniserregendes. Ist das Land eine sichere Alternative?

Arusha, 24. November 2012

Die Veranstalter haben schnell reagiert. „Lamu ist derzeit nicht buchbar“, heißt es beispielsweise bei Dertour. Dabei war das exklusive Fünf-Sterne-Hotel The Majlis auf der kenianischen Insel fürs Winterprogramm 2011/12 gerade neu ins Programm genommen worden. Doch die Nähe zur somalischen Grenze und die Entführung und Ermordung einer auf dem Archipel lebenden Französin haben das Auswärtige Amt dazu veranlasst, von Reisen in diese Region abzuraten.

In den anderen kenianischen Urlaubsorten werden die Gäste bei der Anreise und via Aushang im Hotel sowie von den Reiseleitern informiert. „Verunsicherungen seitens unserer Urlauber sind kaum bemerkbar“, heißt es bei Rewe Touristik mit den Marken ITS und Jahn Reisen. Auch die TUI meldet „keine Änderungen im Programm, keine Reaktionen von Gästen“.

Fürs Nachbarland Tansania findet man vom Auswärtigen Amt auf seiner Internetseite einen Sicherheitshinweis mit Warnungen vor Piraten. Ansonsten scheint es hier relativ ruhig zu sein. „Bei uns ist die Sicherheitslage in Ordnung“, sagt Horst Bachmann, der seit sieben Jahren in Tansania lebt und in Arusha, in Sichtweite des Kilimandscharo, sowie auf der Insel Sansibar Gästelodges betreibt. Man müsse eher auf regionale Unterschiede achten als auf Staatsgrenzen. „Man kann in Mombasa einen ganz entspannten Strandurlaub verbringen“, sagt der 42-Jährige, der aus dem unterfränkischen Mespelbrunn stammt, während es einige hundert Kilometer weiter nördlich an der Grenze zu Somalia schon ganz anders aussehe.

Er selbst sei gerade aus Uganda zurückgekehrt. „Ich habe dort vollkommen problemlos wunderbare Safarifahrten und Wanderungen zu den Berggorillas unternommen“, sagt Horst Bachmann, obwohl im Norden des Landes stellenweise bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen würden. Das sei wie zu Zeiten des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien, sagt er, „da konnte man ja auch in Österreich Urlaub machen“.

Und so dürfte Tansania erneut von der unsicheren Situation in Kenia profitieren. Wie bereits vor zwei, drei Jahren, als vor und während der Wahlen Unruhen herrschten, von denen aber Touristen nicht betroffen waren. Beide ostafrikanische Länder haben Safari und Strand zu bieten, man kann wilde Tiere anschauen und im Indischen Ozean baden. Allerdings sei Tansania eindeutig das teurere Land, sagt Horst Bachmann. Unterkünfte und Safaris kosten mehr als im Nachbarland. Während jedoch in Kenia einige Reiseveranstalter durch Billigpreise die Massen ins Land holen wollten, hat Tansania immer das Preisniveau höher gehalten. Kenias Tourismusindustrie war dadurch in eine ungute Abhängigkeit geraten und wird von Krisen härter getroffen.

Tansania gelang es, sich sein Profil zu erhalten. „Das Land ist zu teuer für diejenigen Urlauber, die austauschbaren Strandurlaub suchen“, sagt Horst Bachmann. All inclusive gibt es so gut wie nicht, Schnäppchenjäger sind hier fehl am Platz. „Tansania sortiert sich die Kundschaft.“ Auch er kann und will die Rabattschlacht nicht mitmachen: „Bei uns haben alle Veranstalter den gleichen Preis. Ich will nicht, dass sich die Gäste bei uns treffen und vergleichen, wie viel sie gezahlt haben.“

Wer möglichst viele Tiere sehen will, ist in Tansania richtig. Die Serengeti ist eines von Afrikas komplexesten und am wenigsten gestörten Ökosystemen. „Man kann hier fast schon Leoparden und Löwen versprechen“, sagt Horst Bachmann. Auf den Vergleich mit dem Nachbarland Kenia angesprochen, das er auch bestens kennt, sagt er diplomatisch: „Es gibt dort weniger Nationalparks, in denen man diese Fülle an Tieren sehen kann.“ Der Amboseli-Nationalpark, der direkt an der Grenze zu Tansania liegt, ist bekannt für seine Elefantenpopulation, das Naturschutzgebiet Masai Mara schließt sich direkt an den Serengeti- Nationalpark an, umfasst aber nur etwa ein Zehntel dessen Fläche.

Wer Klettern will, schaut natürlich auch bevorzugt nach Tansania: Der 5895 Meter hohe Kilimanjaro ist schließlich der höchste Berg Afrikas. Doch da rät Horst Bachmann, dessen Frau Debbie gerade mit elf Stunden und 51 Minuten einen Frauen-Weltrekord für die Besteigung aufgestellt hat, doch lieber jenseits der Grenze zu klettern, rund 140 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Nairobi, am 5199 Meter hohen Mount Kenia. „Der ist schöner als der Kilimanjaro“, sagt er, „der ist spektakulärer und ist ein echter Kletter-Berg.“ Zudem seien die Kosten für geführte Touren günstiger, „der Mount Kenia kostet nur die Hälfte“. Wenigstens hier gibt es einen Punkt fürs Nachbarland.

Volker Pfau

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL - Tansania ist mit rund 945 000 Quadratkilometern das größte Land ostafrikas (etwa zweieinhalb mal so groß wie Deutschland) und hat etwa 33 Millionen einwohner. Zu dem staat gehört auch die Insel sansibar. Tansania ist vor allem bekannt wegen seiner Nationalparks (v. a. Serengeti, Ngorongo-Krater) und dem Kilimandscharo, mit 5892 Metern der höchste Berg Afrikas. Kenia grenzt im Südwesten an Tansania. Es ist rund 580.000 Quadratkilometer groß und hat etwa 38 Millionen Einwohner. Wichtigste Ziele des Tourismus sind die langen Strände am Indischen Ozean und die Nationalparks (Tsavo, Amboseli, Lake Nakuru und Meru).

ANREISE - Mombasa in Kenia wird von München aus mit Air Berlin immer dienstags nonstop angeflogen (ab rund 750 euro). Nach Kilimanjaro/Arusha in Tansania fliegt Condor immer dienstags nonstop, Rückflug mit Zwischenstop in Mombasa (ab rund 630 euro).

EINREISE - Zur einreise nach Tansania ist ein Reisepass notwendig, der noch mindestens sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein muss. Deutsche Staatsangehörige benötigen ein Visum, das am Flughafen ausgestellt wird, Gebühr: 50 US-Dollar oder 50 Euro. Zur Einreise nach Kenia ist ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass notwendig. Deutsche Staatsangehörige benötigen ein Visum, das am Flughafen ausgestellt wird, Gebühr: 50 US-Dollar.

KLIMA - Die beiden Länder liegen in den Tropen, deswegen muss mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad und intensiver Sonne gerechnet werden. Im Nordosten Tansanias (rund 1400 Meter) bzw. Südwesten Kenias (Hochland über 1800 Meter) ist das Klima wegen der Höhenlage deutlich angenehmer.

REISEZEIT - März bis Juni ist die Zeit der großen Regenfälle, Haupt-Reisezeit sind Juni bis oktober und Dezember bis März. In der kleinen Regenzeit (November und Dezember) regnet es immer wieder kurz, dafür sind die Temperaturen angenehm, die Luft ist klar (ideal zum fotografieren) und die Nationalparks sind fast leer.

ANGEBOTE

TANSANIA - Zum Programm der 14-tägigen Reise „Löwen, Land & Leute“ des spezialveranstalters Diamir gehören u. a. Safaris in drei Nationalparks, Übernachtung im Massai-Dorf und Strandtage auf Sansibar. Mit Flügen, Transfers und Verpflegung kostet die Reise ab 2290 Euro pro Person (im DZ). Info und Buchung bei Diamir, Tel. 03 51/31 20 77, www.diamir.de.

KENIA - Eine Woche Masai-Mara-Safari und eine Woche Aufenthalt im Vier-Sterne- Hotel Voyager Resort am Nyali Beach kostet mit All-inclusive-Verpflegung und Flügen ab/bis Frankfurt bei Jahn Reisen ab 2702 Euro pro Person (im DZ).

AUSKUNFT - Tansania und Kenia haben keine touristische Vertretung in Deutschland. Informationen gibt es im Internet unter www.tansania.de und www.magical-kenya.de.

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