Ein Land für alle Sinne

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Naturpark im Wüstenstaat: Das Flusstal von Dana ist einer von sechs Nationalparks in Jordanien. Sanfter Tourismus soll hier mit Wandertouren und Öko-Lodges gefördert werden.

Schmecken, riechen und fühlen - mit festen Schuhen, Wasserflasche – und niemals ohne Kopfbedeckung! Genug Equipment um Jordanien mit allen Sinnen zu erleben.   

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Länderinfo zu Jordanien

Wer Jordanien erwandern will, braucht eigentlich nur Begeisterung für grandiose Landschaften, Interesse an Historie und eine durchschnittliche Kondition. Von Vorteil ist sicher auch etwas Bibelkenntnis, denn im Tal des Jordan stößt man ständig auf das Personal aus den Evangelien.

Es ist heiß und trocken, und der Weg ist steinig. Zudem führt er ständig bergauf. Hamzi Nwafla, unser Führer, zählt auf, was es alles für Tiere hier im Wadi Dana (Wadis sind ausgetrocknete Flusstäler) gibt: Wölfe, Schakale, Hyänen, Stachelschweine, Adler und zwölf verschiedene Schlangenarten.

Die verlassene Felsenstadt Petra war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer.

Unterwegs weist er immer mal wieder auf Löcher in der harten Erde. Die kleinen seien von den Schlangen, die großen von den Stachelschweinen, erklärt er: „Und weil die mit ihren langen Stacheln nicht in die Erde kommen, stecken sie zum Schlafen nur den Kopf in den Boden.“ Hamzi (27) ist ein gedrungener, kräftiger Typ, der leichtfüßig bergan marschiert. Er stammt aus dem alten Dana, einem Dorf aus jahrhundertealten Steinhäusern, das wie ein Adlerhorst am Hang aufsitzt. Viele sind hier weggezogen, in neue Häuser aus Beton jenseits des Berges. Nur zehn Familien sind geblieben. Hamzi hat zwölf Geschwister und die ganze Familie lebt von seinem Einkommen. Nach Jobs in Hotels und als Fremdenführer ist er froh, wieder in der Region, die er schon als Kind durchstreifte, Arbeit zu haben. „Hier ist meine Heimat, mein Blut“, sagt er und legt eine Hand aufs Herz. Mittlerweile sind wir auf der Anhöhe angekommen und vor uns liegt ein spektakulärer Blick auf das Wadi, eine weite Felslandschaft, deren Ausmaße im Dunst verschwimmen.

Felsenstadt Petra in Jordanien. Dem Kulturdenkmal mit seinen Monumentalfassaden machen heute die Zeichen der Neuzeit massiv zu schaffen. Mit erhöhten Eintrittsgeldern von umgerechnet 32,50 Euro will die Regierung nun unter anderem in Elektrofahrzeuge und Öko-Toiletten investieren.

Es ist Herbst und die Vegetation dürr. Doch unvermittelt bohren sich am Wegesrand grüne Stängel aus dem Geröll, an deren Spitze sich eine lilienähnliche Blüte öffnet. Das Dana Naturreservat nördlich der berühmten Felsenstadt Petra umfasst gut 300 Quadratkilometer. Wer will, kann von hier aus durch die Wüste bis nach Petra wandern, eine Tour von drei Tagen und zwei Nächten. Da sei natürlich ein Pferd oder Kamel für das Gepäck dabei, sagt Hamzi zuvorkommend, aber sieben Stunden würde man täglich laufen. Alle Wege führen nach Petra. Die antike Stadt, die von außerhalb nicht sichtbar in ausgewaschenen Felssformationen versteckt ist, gehört zum absoluten Pflichtprogramm eines jeden Jordanien- Urlaubers.

Nur Aarons Grab kann man schon von weitem auf einer Anhöhe sehen. Der ältere Bruder von Moses soll im Alter von 123 Jahren auf dem Berg Hor gestorben und hier bestattet sein. Petra selbst liegt in einer durch tektonische Bewegungen entstandenen leicht abfallenden Schlucht. Nachdem hier 1963 bei starkem Regen 28 französische Touristen in den von allen Seiten hereinstürzenden Wassermassen ertranken, wird das Wasser heute vor der Schlucht abgeleitet.

Wer den Busladungen von Touristen, den penetranten Andenkenverkäufern, Kamelführern und Kutschenfahrern entkommen will, muss das ausgewaschene Pflaster, in dem stellenweise noch Räderspuren aus der Römerzeit erkennbar sind, verlassen und hoch hinaus. Hinter einer Teestube geht eine Treppe steil hinauf auf den Opferplatz.

Der Weg besteht im wesentlichen aus Stufen, 800 oder 850 sollen es sein. Zwischendurch fühlt es sich an wie 8000, insbesondere wenn der Vormittag schon fortgeschritten ist und die Sonne erbarmungslos brennt. Oben auf dem Plateau kann man beim Anblick der Blutrinne nur hoffen, dass die hier einmal Geopferten – angeblich nur Tiere – ähnlich benommen waren.

Da das Opfer die Götter schnell erreichen sollte, ist das Hochplateau der dem Himmel naheste Platz. Von hier aus kann man Petras Dimensionen und die riesigen Portale der nabatäischen Felsgräber am ehesten erfassen.

Der Weg zu einem zweiten Naturreservat im Norden Jordaniens führt über die King’s Road, eine vierspurig ausgebaute Schnellstraße durch die Wüste. Kuriosum am Straßenrand: Ein Schild weist den Weg zu einer „Broiler-Farm“. Ein Thüringer züchtet hier Geflügel und hat dafür den in der DDR üblichen Begriff für Hendl mit nach Jordanien gebracht.

Königstrasse zum Reservat

Nordwestlich der Hauptstadt Amman liegt das Ajloun Forest Reservat, ein mediterranes Hügelland, 1600 Meter über dem Meer, wo Steineichen, wilde Pistazien und Erdbeerbäume wachsen, und es im Winter auch mal Schnee gibt. In diesem Naturstück liegt ein Camp mit Zeltbungalows auf Stelzen und Holzhäusern. In den Zelten kann man von April bis Ende Oktober übernachten, in den mit Öfen ausgestatten Häusern das ganze Jahr über.

Jordanien

Die Nächte hier sind Abenteuer für die Ohren. Als der Morgen dämmert, trappeln kleine Füße übers Dach. Die Schwingung der Zeltplane verstärkt das Geräusch zu einem Wecklaut: Zwei Eichhörnchen turnen umeinander. Auf dem Dach des Nachbarbungalows sitzt ein junger Adler. Den Fotoapparat im Anschlag beginnt eine vorsichtige Pirsch, um das attraktive Motiv nicht aufzuschrecken. Doch der Vogel lässt sich wie eine Diva von allen Seiten fotografieren, ohne eine Spur von Nervosität. Später erfahren wir, dass er verletzt ins Camp kam und hier aufgepäppelt wurde. Wer dagegen Tiere in ihrer angestammten Umgebung beobachten will, muss zeitig aufstehen und sich einer geführten Wanderung anschließen.

 „Wir gehen in den frühen Morgenstunden an die Wasserstellen, da kann man immer Tiere sehen“, versichert unser Führer. In dem bislang erst 13 Quadratkilometer großen Reservat in den Highlands wird das Konzept von Naturschutz und sanftem Tourismus besonders deutlich. Da Naturschutz nicht ohne Akzeptanz der Anwohner funktioniert, wurde versucht, ihnen neue Einnahmequellen zu verschaffen. Was im Restaurant des Visitor Centers auf den Tisch kommt, stammt aus den umliegenden Dörfern.

Die Frauen verdienen sich ein Zubrot durch den Verkauf von Kunsthandwerk, Olivenöl und lokalen Gewürzen, die Männer wurden als Ranger und Touristenführer ausgebildet. In einem Land, das zu 80 Prozent aus Wüste besteht, ist der sorgliche Umgang mit der Natur eine Investition in die Zukunft. Gut ausgebaute Highways durch die Wüste machen den Zugang zu den Reservaten einfacher. Der Einstieg ins Land beginnt mit dem Ausstieg aus dem klimatisierten Bus. Aber wer Jordanien wirklich riechen, schmecken und fühlen will, muss sich zu Fuß aufmachen, das Land und seine Naturschönheit zu entdecken.

Monika  Reuter

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Jordanien grenzt (von Westen im Uhrzeigersinn) an Israel, das Westjordanland, Syrien, den Irak und Saudi-Arabien. Das 90 000 Quadratkilometer große Land (vgl Bayern: 70 000 Quadratkilometer) besteht zu 80 Prozent aus Wüste.

ANREISE Royal Jordanian Airlines fliegt zweimal in der Woche von München nach Amman. Preis ab etwa 400 Euro. Im Reisebüro oder unter www.jordanian.airline- direct.de

REISEZEIT Bevorzugt im Frühling, dann blüht es in den bewachsenen Regionen. Wegen der kühlen Temperaturen sind Übernachtungen in einigen Eco-Lodges in Jordanien von November bis 15. März nicht möglich.

REISETYP Für sportliche Genussmenschen mit Interesse an Natur und Geschichte.

NATURPARKS In den Reservaten trifft man immer wieder auf den Begriff RSCN. Die Buchstaben stehen für Royal Society for the Conservation of Nature, eine nichtstaatliche Organisation, die sich für Naturschutz und Öko-Tourismus einsetzt. Sie verwaltet die sechs Nationalparks Jordaniens. Unternehmen der Gesellschaft firmieren unter dem Markennamen Wild Jordan.

SEHENSWERT

  • AMMAN Die Zitadelle, eine Befestigunganlage aus griechisch-römischer Zeit mit Resten von Herkules-Tempel und Omayaden-Palast.
  • JERASH Jordaniens Attraktion Nummer zwei nach Petra ist eine selten gut erhaltene römische Provinzstadt. Nach dem sechs Meter Schutt aus 2000 Jahren abgetragen waren, kamen das originale Pflaster sowie gigantische Tempel, Bäder, Brunnen, Theater und ein ovaler, von Säulen umrundeter Platz zum Vorschein.

VERANSTALTER Wanderreisen in die Nationalparks von Jordanien können bei verschiedenen Reiseveranstaltern gebucht werden. In die Parks führt u.a. auch die zehntägige Rundreise „Jordanien mit Kindern“, die Djoser Reisen zum Preis ab 1295 Euro anbietet (Tel. 0221-9201580, www.djoser. de).

Die 17-tägige Reise des DAV Summit Club „Trekking und Spurensuche im Reich der Nabatäer“ kostet ab 2795 Euro (Tel. 089/642400), www.dav-summit-club.de).

WEITERE INFOS Fremdenverkehrsamt für Jordanien, Frankfurt, Tel. 069/719136-62, www.visitjordan.com

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