Mit Kindern in die Berge 

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Die Berge können für Kinder wie ein großer Abenteuerspielplatz sein - aber Eltern sollten sie nicht mit zu strammen Wanderungen überfordern.

Das erste Mal mit den Kindern in die Berge?! Das kann leicht schief gehen, wenn immer nur strammes Wandern auf dem Programm steht. Dabei gibt es viele Wege, um den Nachwuchs zu begeistern.

Die Sonne strahlt, der Wildbach rauscht entlang des Wegs, in der Ferne liegen schneebedeckte Gipfel. Das Panorama könnte so schön sein, wenn da nicht die quengelnden Kinder wären, die keinen Schritt mehr gehen wollen. Dabei fahren viele Familien gerade in die Berge, um den Stress des Alltags hinter sich zu lassen. Doch einige Eltern vergessen: Kinder sehen die Welt mit anderen Augen. Auf Wanderungen wollen sie die Natur um sie herum entdecken und erforschen.

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“Am allerwichtigsten ist ein ausreichender Sonnenschutz“, erklärt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. “Die Strahlung im Gebirge ist intensiver, die Sonne brennt stärker.“ Als Faustregel gilt “abdecken statt eincremen“ - durch lange Kleidung seien die Kinder am besten geschützt. Sie brauchen außerdem mehr zu trinken, weil sie in der Höhe schneller atmen.

Um den Nachwuchs beim ersten Bergurlaub nicht gleich auf ewig zu vergraulen, sollten die Touren vor allem aus Sicht der Kinder interessant sein - und nicht nur für die Eltern. “Kindern ist die schöne Aussicht ganz schön wurscht. Sie wollen viel lieber Tiere sehen“, erklärt Markus Hartmann, der in Deutschlands erster Bergwanderschule in Oberaudorf Kurse gibt. Ein Murmeltier ist zehnmal aufregender als die Fernsicht auf einen Gletscher. “Und Kinder dürfen auch ruhig mal in einen Bachlauf hinein. Sie können einen Damm bauen oder nach Krebsen suchen.“

Eltern sollten deshalb genügend Zeit einplanen, in der die Kinder die Umgebung ausgiebig erforschen können. Dazu gehören auch Pausen an besonders schönen Wegpunkten. “Nur sollten die Kinder da nicht nur herumsitzen. So erholen sie sich auch nicht“, sagt Hellmeier.

“Wir versuchen gleichzeitig immer auch, Verständnis für die Natur zu wecken“, berichtet Hartmann. Es sei wichtig, den Kindern zu erklären, dass sie keinen Müll wegwerfen und kein Feuer machen dürfen. “Wir wollen ihnen auch beibringen, sich richtig im Gebirge zu bewegen. Aber nicht nach dem Motto: Jetzt tritt nicht schon wieder falsch auf, sondern auf eine spielerische Art.“ Im besten Fall merken die Kinder gar nicht, dass sie etwas lernen. 

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“Geh weiter, geh schneller!“ - mit solchen Befehlen verdirbt man Kindern mit Sicherheit die Freude an den Bergen. “Es ist entsetzlich, was manche Eltern für ein Leistungsdenken haben“, erzählt Hartmann. “Da heißt es dann: Der Ameisenhaufen hat uns nicht zu interessieren, wir müssen in einer Stunde auf der Hütte sein. Sowas ist der größte Schmarrn.“ 

Übertriebener Ehrgeiz bewirkt eher das Gegenteil von dem, was die Eltern möchten. “Kinder kriegen schnell die Wut. Da baut sich direkt eine innere Wand auf.“ Schließlich sehen sie die Wanderung als ein Spiel und nicht als einen Sport.

Das heißt allerdings nicht, dass die Bergtour kein Abenteuer sein darf. Ganz im Gegenteil: Kleine Herausforderungen können ungemein motivieren. “Wenn die Kinder nicht mehr ganz so klein sind, kann ich ihnen Karte und Kompass in die Hand geben und sagen: Jetzt müsst ihr den Weg finden“, sagt Caroline Hellmeier vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München.

Und schließlich muss die Bergwanderung auch dem Leistungsniveau der Kinder entsprechen. “Natürlich kann man mit Kindern keine Tour machen, die man sich gerade so als Erwachsener zutraut“, erklärt Hellmeier. Kinder könnten im Alter von fünf bis sechs Jahren aber ohne Probleme in einem gemäßigten Tempo zwei, drei Stunden gehen, sagt Hartmann. Klettersteige und ausgesetzte Pfade sind aber nichts für Kinder. Ein wildes Rudel Gämse gibt es schließlich auch in harmloserem Gelände zu bestaunen.

Philipp Laage, dpa

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