Kultur mit Samtpfoten

Kaffee mit Kater

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Mieze an Milchschaum: Wie und wie nah Katzen und Gäste im Katzencafe Neko Kontakt halten, entscheiden beide Parteien ganz individuell und nach gegenseitigem Gefallen.

Nein, dieser Urlaubstipp ist nichts für Menschen mit Tierhaar-Allergie. Aber alle, die Katzen und ihre Gesellschaft lieben, sollten bei ihrer nächsten Wien-Reise einen Besuch im Café Neko beim Stephansdom einplanen.

Im kleinen Café Neko beim Wiener Stephansdom ist alles ein bisschen anders. Es gibt zwar, wie in allen Wiener Kaffeehäusern, Zeitungen und verschiedene Sorten Kaffee. Ja, damit kann man einen Kater bekämpfen, wenn das Wiener Nachtleben am Vorabend physische Spuren hinterlassen hat. Man kann aber auch einen Kater streicheln. Moritz zum Beipiel, einen von fünf Katzen, die im Neko Dienst am Gast tun. Die Stubentiger sind die Stars des Kaffeehauses.

Wiens Kaffeehauskultur ist legendär. Lokale, in denen die Zeit stehen geblieben scheint, Oasen der Ruhe, in denen livrierte Ober eine Schale Gold, eine Melange, einen Einspänner oder andere Spezialitäten servieren. Hier kann man stundenlang Zeitung lesen und beim Ober noch ein viertes (kostenloses) Glas Wasser zur (längst getrunkenen) Melange nachbestellen. Jetzt bereichert ein Katzencafé die Wiener Kaffee¬hausszene. Im Café Neko in der Ballgasse leisten fünf Hauskatzen den Gästen bei Kaffee bzw. Tee und Kuchen Gesellschaft. Bezahlen lassen sie sich für ihre Dienste mit Streicheleinheiten.

Dabei entscheiden die schnurrenden Persönlichkeiten selbst, wann und ob sie dem Kaffeehaus-Besucher ihre Gunst zuwenden. Die Stars des Katzen-Cafés werden auf der Speise- und Getränkekarte ausführlich beschrieben. Da wäre der rothaarige Thomas, zwei ungestüme Jahre jung, der sich laut Charakterisierung gerne auf Spielzeug stürzt. In seinen faulen Phasen hockt er sich einfach in einen Sessel, rollt sich zusammen und schnurrt.

Katzen-Café-Inhaberin Takado Ishimitsu mit Maine-Coon Moritz.

Maine-Coon-Kater Moritz ist ein richtiges Schwergewicht, das sich gerne bewundern lässt und Spielbälle liebt. Moritz ist die Idealbesetzung: Er ist eitel. Sogar sehr eitel. Lässt sich huldvoll streicheln und auf den Arm nehmen, nur wenn es ihm gefällt. Sein Bruder Lucas, ebenfalls ein stattlicher Maine-Coon-Kater, ist dagegen immer lustig, anschmiegsam und sehr neugierig. Momo, das zierliche Mädchen, das wie alle anderen Katzen aus dem Tierheim stammt, ist ebenfalls anschmiegsam und sehr ruhig. Ganz im Gegenteil zur schwarzen Sonja. Sie ist die Zicke im Team, vor ihr wird auf der Speisekarte mit den Worten gewarnt: „Nichts für Anfänger. Zeigt genau, was sie nicht möchte. In diesem Fall kratzt oder beißt sie.“ Und weil die Warnung manchmal schon vergebens war, liegen wegen Sonja im Café Neko immer Desinfektionsmittel und Pflaster bereit, für alle Fälle.

Übrigens: Das Katzen-Café unterliegt strengen Auflagen, nicht nur, was die gastronomische Hygiene, sondern auch den Tierschutz betrifft. Die Katzen haben ihre Rückzugsbereiche. Besucher dürfen sie nicht mit Kuchen oder mitgebrachtem Essen füttern und nicht gegen ihren Willen streicheln. Das Rauchen (sonst z.T. erlaubt in Wiener Lokalen ) ist ebenso verboten wie das Fotografieren mit Blitzlicht.

Wobei wir bei der Frage sind: Wer kommt überhaupt auf die Idee, in Wien ein Katzen-Café aufzumachen? Eine Japanerin. Takado Ishimitsu (47) stammt aus der 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Nagoya. 1990 kam sie nach Wien, um hier Klavier zu studieren, arbeitete dann viele Jahre in einem japanischen Reisebüro in Wien. Dann wollte sie sich selbstständig machen. Die Idee, ein Katzen-Café zu eröffnen, hat sie aus ihrer Heimat mitgebracht. Takado: „In Japan gibt es viele Katzenliebhaber. Aber in den Ballungsräumen mit den kleinen Wohnungen dürfen Menschen nur sehr selten Tiere halten. Daraus entstand die Idee, Lokale zu schaffen, in denen Katzen leben, die man streicheln kann.“

Das Café Neko gibt es inzwischen seit knapp einem Jahr, und es ist ein Erfolgsmodell. Das Lokal hat sich zum Geheimtipp vor allem unter jungen Frauen und Familien mit Kindern herumgesprochen. Eröffnet allerdings hatte es im Mai 2012 mit einem Jahr Verspätung. Das Genehmigungswirrwar der verschiedenen Magistratsabteilungen hätte das Projekt fast scheitern lassen: „Die Stadt Wien wollte zum Schluss sogar, dass ich als Nachweis des kompetenten Umgangs mit Tieren erst mal ein Jahr als Tierpflegerin im Tierpark arbeite.“ Der sehr mächtige Wiener Tierschutzverein legte ein Machtwort ein und baute auf Takados natürliches Gespür für Katzen.

Tierliebe kann man nicht lernen. Aber man kann sie ausleben – im ersten Wiener Katzen-Café.

Karl-Heinz Dix

DIE REISE-INFOS ZUM KATZEN-CAFÉ

LAGE Das Katzen-Café Neko liegt in der Blumenstock-/Ecke Ballgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk in einer Parallelstraße zur Kärntner Straße zwischen Burgtheater und Stephansplatz.

ANFAHRT Das Lokal ist mit der U-Bahnlinie 3 (Haltestelle Stephansplatz) sowie den Tramlinien D, 1, 2, 71 (Haltestelle Burgring) zu erreichen.

ÖFFNUNGSZEITEN Das Lokal ist täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

PREISE Hauskuchen 2,40 Euro, Großer Brauner 3,40 Euro. Der Kaffee kommt aus der seit 85 Jahren bestehenden Wiener Kaffeerösterei Mocca Brasil.

WEITERE INFOS im Internet unter www.cafe neko.at oder unter Tel. 00 43/1/512 14 66.

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