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Waldbrände in Italien 2021: Diese Urlaubsorte sind betroffen

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Von: Franziska Kaindl

Waldbrände bei der Stadt Gravina in Puglia in der italienischen Region Apulien.
In zahlreichen italienischen Regionen wüten verheerende Waldbrände. © Davide Pischettola/Imago

Italien ist aktuell von zahlreichen Waldbränden betroffen – darunter auch Urlaubsgebiete. Karten der NASA zeigen, wo diese am schlimmsten wüten.

In zahlreichen Ländern Südeuropas – allen voran Italien, Griechenland* und die Türkei – halten seit einigen Tagen heftige Waldbrände die Bevölkerung und Touristen in Atem. In den kommenden Tagen ist zudem eine neue Hitzewelle im Anmarsch, die die Temperaturen vielerorts auf über 40 Grad steigen lässt.

Italien 2021: Auf dieser Karte sehen Sie, wo aktuell Waldbrände wüten

Italien ist ein beliebtes Urlaubsland der Deutschen, doch bei der aktuellen Lage fragen sich viele Touristen, ob ihr Reiseziel noch sicher ist. Wo genau die Waldbrände in Italien herrschen, zeigt eine Echtzeit-Satellitenkarte der NASA. Im sogenannten „Fire Information for Resource Management System“ (FIRMS) führt die Weltraumbehörde alle Satellitendaten zu Bränden und thermalen Anomalien aus dem Weltall zusammen und macht sie für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Satellitenaufnahmen der NASA zeigen die weltweiten Waldbrände am 8. August 2021.
Die Satellitenaufnahmen der NASA zeigen die weltweiten Waldbrände am 8. August 2021. © dpa/NASA/GSFC, MODIS Rapid Response.

Waldbrände in Italien: Welche Urlaubsorte sind betroffen?

Besonders die südlichen Regionen Italiens – Kalabrien, Apulien und Abruzzen – sowie die Inseln Sardinien und Sizilien sind von den Waldbränden betroffen. Am Freitagvormittag verkündete die Feuerwehr, dass Helfer in den vorhergehenden zwölf Stunden zu 395 Einsätzen ausgerückt waren. Zu den meisten Einsätzen kam es bisher auf Sizilien und in Kalabrien. Acht Löschflugzeuge seien im Einsatz, unter anderem in den Provinzen Reggio Calabria, Cosenza sowie Matera. Auf Sizilien wurde sogar für sechs Monate der Not- und Krisenfall ausgerufen, da es seit Ende Juli brenne und auch in den kommenden Wochen noch ein permanentes Risiko durch die außergewöhnliche Wetterlage gelte, so der Regionalpräsident Nello Musumeci in einem Facebook-Post. Vor allem Palermo und Catania könnten in den nächsten Tagen mit Temperaturen von bis zu 40 Grad betroffen sein. Die Zivilschutzbehörde stufte die gesamte Insel in die höchste Brandrisikokategorie ein.

Auf der beliebten Urlaubsinsel Sardinien ist vor allem die Westküste von zahlreichen Bränden betroffen. In der Provinz Oristano meldete die Feuerwehr am Samstagvormittag einen Brand in einer Touristenunterkunft. Verletzte gab es nicht. Die Einsatzkräfte konnten laut eigenen Angaben verhindern, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen. Italienische Medien berichten, dass ein großer Flächenbrand im Westen der Insel außerdem dazu geführt hat, dass 400 Menschen ihre Häuser verlassen mussten – auch Touristen waren betroffen. Die italienische Staatsanwaltschaft untersuche Medienberichten zufolge nun, ob es sich um schwere fahrlässige Brandstiftung handle.

Die Regionen an der Adria-Küste Italiens sind ebenfalls stark von Waldbränden betroffen. Die Region Molise hat aufgrund der Feuer an der Küste und im Landesinneren bereits den Notstand beantragt. Wegen Buschfeuern mussten teilweise Häuser evakuiert und Menschen in Sicherheit gebracht werden. In der Region Abbruzzen war am vergangenen Sonntag besonders die Küstenstadt Pescara und ein Naturreservat betroffen. Auch hier wurden Häuse evakuiert und Menschen in Sicherheit gebracht. Einsatzkräfte in der Region Apulien hatten vor allem in der Stadt Gravina in Puglia alle Hände voll zu tun.

Auch interessant: Italien, Spanien, Kroatien: Diese Corona-Regeln gelten aktuell im Urlaub.

Waldbrand an der Adria-Küste in Italien – Touristenort evakuiert

Am Wochenende gingen vor allem die Bilder aus der Gemeinde Campomarino in der italienischen Region Molise an der Adria-Küste durch die Medien. Die Behörden mussten Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser im Ortsteil Campomarino Lido am Meer evakuieren, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Gegend ist ein beliebter Ort für Touristen. Mehr als 400 Menschen mussten aus den Häusern geholt werden. Ein Video der örtlichen Feuerwehr zeigt Rauchschwaden, die durch die Straßen der Gemeinde ziehen. Demnach waren ein Löschflugzeug und ein Helikopter im Einsatz, die die Flammen aus der Luft bekämpften. Von Verletzten wurde zunächst nichts berichtet.

Woher kommen die Waldbrände in Italien?

Brandgefahr für Wälder herrscht in der Regel in Regionen, in denen es besonders heiß und trocken ist – so auch in den Ländern Südeuropas. In Griechenland, Italien und der Türkei kommt es deshalb jährlich zu Bränden. Allerdings haben laut der Umweltschutzorganisation WWF weltweit etwa nur vier Prozent aller Waldbrände eine natürliche Ursache, wie zum Beispiel Blitzeinschläge. Der Großteil – weit über 90 Prozent – ist hingegen durch Brandstiftung oder Unachtsamkeit von Menschen verursacht.

In Italien sind sogar 98 Prozent der Waldbrände auf den Menschen zurückzuführen, wie n-tv unter Berufung auf die Umweltorganisation Legambiente berichtet. Bei fast 60 Prozent davon handle es sich um vorsätzliche Brandstiftung. Hintergründe sind meist ökonomischer Natur: Die Brandstifter erhoffen sich eine Umwidmung der Flächen, zum Beispiel von Weide- oder Waldflächen zu Acker- oder Bauland. Manchmal ist es aber auch ein Racheakt oder ein Mittel um Druck auf die Gemeindeverwaltung auszuüben.

Der Klimawandel hat insofern mit den Waldbränden zu tun, als dass er die Waldbrandsaison erheblich verlängert. Die Brände entwickeln sich zu wahren „Feuerstürmen“, wie WWF berichtet, die kaum unter Kontrolle zu bringen sind. Sie können erst beendet werden, wenn sich die Wetterbedingungen ändern oder das Feuer keine Nahrung mehr hat. Immer längere Dürreperioden im Sommer in Kombination mit mehr Trockenheit in den anderen Jahreszeiten erschweren dies aber.

Waldbrände in Italien: Darf der Urlaub storniert werden?

„Wenn unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände die Reise erheblich beeinträchtigen, können Pauschalreisende von ihrem Vertrag zurücktreten oder die Reise vorzeitig beenden“, erklärt Jennifer Kaiser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Unvermeidbar und außergewöhnlich sind Umstände, wenn Reisende und Reiseveranstalter sie nicht kontrollieren können. Dies ist bei Naturkatstrophen wie Vulkanausbrüchen, Waldbränden, Erd- oder Seebeben im oder in unmittelbarer Nähe des Reisegebietes der Fall.“ Auch Hinweise und Warnungen des Auswärtigen Amtes oder der lokalen Behörden können Aufschluss darüber geben, ob außergewöhnliche Umstände vorliegen. Auch der Reiseveranstalter selbst kann die Reise absagen, wenn sie nur eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden kann. „Den Rücktritt muss er unverzüglich nach Kenntnis der Umstände erklären und den Reisepreis innerhalb von 14 Tagen erstatten.“

Individualreisende müssen in der Regel auf die Kulanz der einzelnen Anbieter hoffen – besonders wenn der Urlaubsort ohne Gesundheitsgefahr besucht werden kann. In diesem Fall kann eine Stornierungsgebühr fällig werden. Unterschiedliche Reiseleistungen müssen in der Regel dann nicht bezahlt werden, wenn sie nicht erbracht werden können. Zum Beispiel, wenn sich die Unterkunft in einem gesperrten Gebiet befindet. (fk) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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