Auf Humboldts Spuren: Reisen als Wissenschaft

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Auf den Spuren Alexander von Humboldts: Reisen als wissenschaftliche Exkursion begreifen.

Er reiste nach Südamerika und Zentralasien, zu einer Zeit, als die Mehrheit der Menschen ihr Leben lang nicht über die Grenzen ihres Dorfs hinauskam. Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) war Forschungsreisender...

Einer, den die Neugier trieb, immer auf der Suche nach Antworten auf die Fragen dieser Welt. In seinem Namen veranstaltet die Berliner Humboldt-Universität jetzt wieder Studienreisen in Begleitung von Wissenschaftlern. Ein Interview dazu mit dem Präsidenten der Humboldt-Universität, Professor Dr. Jan-Hendrik Olbertz.

Herr Professor Olbertz, was ist eine Humboldt-Exkursion?

Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz: Wir wollen damit die Tradition der Forschungsreisen aus dem 18. und 19. Jahrhundert wiederbeleben. Nicht ohne Grund wird hier ja Alexander von Humboldt als Namenspatron geführt. Man reiste damals vor allem zu Expeditionszwecken, also einerseits, um naturkundliches Wissen zu erwerben und Erkenntnisse zu gewinnen. Auf der anderen Seite stand das Erleben, den eigenen Horizont zu erweitern.

An wen richtet sich das Angebot dieser Reisen, und was bringen sie dem Teilnehmer?

Buenos Aires

Offen sind sie natürlich für Jedermann, besonders aber für das wissenschaftlich interessierte Publikum. Anders als klassische Länderreisen schlagen die Humboldt-Exkursionen eine Brücke in die Forschung, in erster Linie in die naturwissenschaftliche, zunehmend aber auch in die sozialwissenschaftliche, wenn es etwa um Stadtentwicklung geht und um Effekte der Globalisierung, zum Beispiel bei der Reise nach Buenos Aires. Was man bei diesen Reisen natürlich auch lernen kann, ist Kontemplation. Diese Reisen verlangsamen die Dinge, sie bieten genügend Muße, auch mal in die Tiefe zu gehen und gleichzeitig die eigenen Wahrnehmungen zu reflektieren und sich darüber auszutauschen. Das ist das Schöne daran.

Gibt es Zugangsbedingungen für die Forschungsreisen?

Nein, es kann jeder teilnehmen. Wir verlangen von den Mitreisenden ja nicht Leistung, sondern Neugier, Interesse und Mitwirkung – und keine Sorge: Es steht am Ende kein Examen.

Die Reisen, die angeboten werden, sind relativ teuer. Was passiert mit den Einnahmen, die durch die Reisen erzielt werden?

Bis jetzt ist dieser Fall meines Wissens noch nicht eingetreten. Wenn das aber passiert, fließen sie zurück in den betreffenden Forschungsbereich des Reiseleiters. Das wäre dann eine sehr vernünftige Regelung, die das Vergnügen der Teilnahme mit einer kleinen Unterstützung der wissenschaftlichen Initiativen verbinden könnte. Es geht ja auch darum, für die Universität Sympathisanten zu gewinnen.

Worin liegt die Motivation der Wissenschaftler, mit den Laien auf Reisen zu gehen?

Ich glaube, für die beteiligten Wissenschaftler, die das anbieten, ebenso wie für die Mitreisenden, gibt es vor allem ein ganz klassisches Motiv: Es ist die Neugier, die Lust am Erkunden und Entdecken. Für die Wissenschaft ist sicher auch der unbefangene Blickwinkel der „Laien“ eine Inspiration. Aber hauptsächlich geht es um das Verstehen der Welt, und damit auch um das Verstehen von sich selber. Ganz ehrlich: Wenn ich Zeit hätte, ich würde mit der allergrößten Lust mitreisen.

Für welche Reise würden Sie sich am ehesten entscheiden?

Ich würde wahrscheinlich nach Surinam mitfahren, oder nach Buenos Aires. An Surinam würde mich vor allem das Unbekannte reizen, das für mich Mitteleuropäer schlicht Exotische. Bei Buenos Aires wäre es das stadtsoziologische und städtebauliche Interesse, zum Beispiel an der Metropolenentwicklung im Kontext von Kultur. Von den Bauhaus- Forschungen in Dessau kenne ich das Interesse an der Fragestellung, was solche dichten Ballungszentren eigentlich im Inneren zusammenhält. Ich glaube, dass die Kultur hier eine Schlüsselrolle spielt.

DATEN & FAKTEN

BUENOS AIRES mit Dr. Dieter Ingenschay, Professor für romanische Literaturwissenschaft. Thema: Das „Paris Südamerikas“ als Erfolgsmodell für den Kunst- und Kulturbetrieb im Zeichen globaler Krisen. Termin: 23.2. – 4.3. Preis: 2990 Euro.

NORWEGEN mit Skandinavistik- Professor Dr. Bernd Henningsen. Thema: Klima und Energie als politische Herausforderung. Termin: 2. bis 10. Juni. Preis: 5390 Euro.

ENGLAND mit Professor Dr. Jürgen Schlaeger, Professor für Literatur und Kultur Großbritanniens. Thema: Auf Shakespeares Spuren. Termin: 28. August bis 4. September. Preis: 2950 Euro.

SURINAM mit Geographie-Professor Dr. Hilmar Schröder. Thema: Kulturelle und ökologische Vielfalt des Tropenlandes am Äquator. Termin: 5. bis 19. September. Preis: 4990 Euro.

INDIEN mit Südasienwissenschaftlerin Dr. Nadja- Christina Schneider . Thema: Dem Zeitungswunder auf der Spur. Termin: 8 bis 17. September. Preis: 2695 Euro.

FRANKREICH/CAMARGUE mit dem Linguisten Xavier Buhan. Thema: Sprachwissenschaftliche Exkursion auf den Spuren von weißen Pferden, wilden Stieren und französischer Lebensart. Termin: 9. bis 17. September. Preis: 2690 Euro.

FRANKREICH/RHONETAL mit Xavier Bihan. Thema: Kulinarische Exkursion, die über den französischen Tellerrand hinausblickt. Termin: 2. bis 9. Oktober. Preis: 3790 Euro.

MEHR INFOS: Weitere Informationen zu dem Humboldt-Reisen und Kataloge unter Tel. 030/209370759, www.

humboldt-exkursionen.de

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