Bike statt Beach - Florida sattelt um

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Zwischenstopp am Traumstrand: Radler entdecken vieles, was Autofahrer auf der nur dreistündigen Tour über die Keys links liegenlassen.

Bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist Florida noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Die Bedrohung ihrer Küsten aber war Anlass genung für die Touristiker im Sunshine State...

...über Alternativ-Angebote zum reinen Badeurlaub nachzudenken. Radeln zum Beispiel. Radeln zum Beispiel. Autor Matthias Kristlbauer trat auf den Keys, der Inselkette im Süden Floridas, in die Pedale. Und hatte dabei eine berühmte Begleitung.

Schlüssel zu den Keys: Bubba, der radelnde Ex-Kriminaler (mit Freundin Lynn) hat sich die Tour über die Keys ausgedacht und begleitet seine Gruppen auch selbst. Mit dem Pedalsport kennt sich der 62-Jährige bestens aus. Immerhin hat er schon ganz Amerika auf dem Rad durchquert.

Bubba ist ein Mann wie ein Schrank. Zwei Meter misst er in der Höhe, und auch die Breite ist nicht unbeträchtlich. Wenn da nicht diese Bermuda-Shorts wären, hätte es fast schon etwas Bedrohliches, wie Bubba so dasteht auf der Seven Mile Bridge und den Autofahrern gelbe Warntafeln entgegenstreckt. „Share the road – Cycling Event“ steht darauf in großen schwarzen Buchstaben. Heißt: Achtung, es sind Radler unterwegs, mit denen sich der Autofahrer den Overseas Highway nach Key West gefälligst zu teilen hat! Dass es Bubba ernst ist, verrät sein grimmiger Blick.

Ganz ungefährlich ist es nicht, was auf die Radler zukommt. Fast elf Kilometer führt die Seven Mile Bridge, die längste der Keys, über das offene Meer – dort, wo sich der Golf von Mexiko und der Atlantik treffen. Einen Radweg gibt es nicht, nur einen Standstreifen für Autos. Mit 60 Meilen pro Stunde brettern Trucks vorbei, ihr Luftzug rüttelt am Lenker. Auch das Wetter hat an diesem Tag etwas gegen die Radfahrer. Der Wind kommt aus Südwest, bläst den Pedaleuren direkt ins Gesicht. Hinter der niedrigen Betonbrüstung und 30 Meter tiefer schlagen die Wellen gegen die Pfeiler der Brücke. Aber es wird schon gutgehen. Wir haben ja Bubba. „It’s all good“ lautet sein Motto, und er trägt es überall hinter sich her – als Tattoo auf dem Rücken.

Bubba heißt eigentlich Barron. Den Spitznamen hat er sich in seinem früheren Leben bei der Polizei eingehandelt. Dort jagte Bubba Verbrecher. Die ganz harten: Mörder und Geiselnehmer. Als als er mit 53 in den Ruhestand ging, stand er plötzlich vor der großen Leere. „Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll“, erzählt Bubba. Also fuhr er Rad. Quer durch die USA. Von West nach Ost. Von San Diego in Kalifornien nach St. Augustine in Florida. 4000 Meilen, rund 6500 Kilometer, in drei Monaten.

Heute verdient der Ex-Cop Geld mit dem Radfahren – auf den Florida Keys. „Bubba’s Pampered Pedalers“ nennt der heute 62-Jährige sein Unternehmen, was soviel heißt wie: Radtouren mit Verwöhnprogramm. Gute Unterkünfte, beste Verpflegung und vor allem gekühlte Getränke.

Fast elf Kilometer führt die Seven Mile Bridge, die längste der Keys, über das offene Meer – dort, wo sich der Golf von Mexiko und der Atlantik treffen.

Die sind nötig auf dem 90 Meilen langen Ritt über die Inselwelt von Key Largo bis Key West, dem südlichsten Punkt der USA, der ans Festland angebunden ist. Für Radfahrer ist es ein weiter Weg dorthin. Zwar gibt es auf der Strecke keine Berge, aber 42 Brücken, und auf einigen davon geht es durchaus mal rauf und runter.

Der eigentliche Gegner aber ist ein anderer: die tropische Schwüle mit Temperaturen um die 30 Grad. Nur der Fahrtwind und die Meeresbrise machen es erträglich. Orientierungshilfe auf dieser Radtour sind die Mile Markers. Bei Mile Marker 90 auf Key Largo geht Bubbas Tour los. Die 0 ist in Key West erreicht.

Noch sind Radler auf den Keys eine seltene Spezies – seltener als das Key Deer, ein kleines Reh, das auf den Lower Keys reihenweise überfahren wird. Bei Begegnungen mit den Radlern sind die Autofahrer rücksichtsvoller. Truck Driver hupen, wenn sie Bubbas Gruppe in den gelben Leuchtwesten sehen. Ein anerkennender Gruß an die schweißgebadeten Helden des Highways. Bei Mile Marker 80 halten ein paar Teenager aus einem weißen Van die Kamera auf uns, um die Begegnung der dritten Art zu dokumentieren.

Radfahren auf den Keys – „it’s beautiful“, sagt Bubba. Wunderschön sei es, binnen fünf Tagen die 90 Meilen nach Key West zu radeln, für die man mit dem Auto nur drei bis vier Stunden benötigt.

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Länderinfos: USA

In der Tat hat man auf der entschleunigten Pedaltour Augen für Schönes. Bei Mile Marker 74 versteckt sich hinter einer kleinen Grünanlage Ann’s Beach, einer von vielen Karibik-Stränden entlang der Strecke, die den verschwitzten Radler zum Baden geradezu nötigen. Man beobachtet Kite-Surfer, wie sie durchs türkisblaue Wasser pflügen. Oder sieht von der Brücke aus, wie sich einige Meter tiefer zwei Meere vereinigen und mal in diese, mal in jene Richtung wiegen. Auch die Key Lime Pie, eine Zitronenkuchen-Spezialität der Inseln, schmeckt nach dem Radfahren besonders gut.

Es ist einfach so: Der Radler macht auch mal das, was der Autofahrer nicht macht – er verlässt den Highway und entdeckt das Dahinter. Den Palmenstrand auf Islamorada, wo sonst Modeaufnahmen für Tommy Hilfiger oder Victoria’s Secret geschossen werden. Oder das grüne Meer der Mangroven auf den Lower Keys, das sich per Kajak erkunden lässt.

Die Keys liegen im äußersten Süden der USA. Von Key West aus sind es nur 145 Kilometer bis Kuba, aber rund 260 bis Miami Beach.

Der Weg ist das Ziel. „Ich mag diese entspannte Atmosphäre“, sagt Bubba. Und Lynn, seine Freundin, nickt dazu. Sie ist es, die die Radgruppen über den Highway lenkt – bewaffnet mit einer Pfeife um den Hals. Bubba selbst fährt den Radlern mit dem Auto hinterher, um notfalls einen schwächelnden Pedalritter aufpicken zu können. „Alles muss perfekt sein“, sagt der Hüne, der zu seinen Hemden und T-Shirts immer die farblich passenden Crocs an den Füßen trägt. Nein, Bubba, der Pedalritter, überlässt nichts dem Zufall.

DIE REISE-INFOS ZU FLORIDA

REISEZIEL Die Florida Keys sind eine Inselkette vor der Südküste des US-Bundesstaats. Zu erreichen sind die Keys von Miami aus mit dem Auto. Die wichtigsten Inseln sind Key Largo, Islamorada, Marathon, die Lower Keys und Key West. Sie sind durch insgesamt 42 Brücken miteinander verbunden.

ANREISE Air Berlin fliegt dreimal pro Woche von Düsseldorf nach Miami. Ab 239 Euro oneway. Buchungen unter www.airberlin.com oder im Reisebüro.

REISEZEIT/KLIMA Die beste Zeit, um in Florida aufs Fahrrad zu steigen, sind die Monate November bis April. Dann ist die Saison der Hurrikans vorüber, und die durchschnittlichen Tagestemperaturen betragen erträgliche 25 Grad. Die Wassertemperaturen laden auf den Keys auch im Winter zum Baden ein.

REISETYP Die Reise eignet sich für entdeckungsfreudige Genussradler, die körperlich fit sind und Schwüle vertragen.

RADTOUREN Die Fünf-Tages-Tour mit Bubba inklusive sechs Übernachtungen im Hotel kostet umgerechnet rund 1500 Euro. Infos unter www.bubbaspamperedpedalers.com.

HOTELTIPP Etwa auf halbem Weg, auf Duck Key, findet sich Hawks Cay Resort (www.hawkscay.com). Es gibt dort verschiedene Pools und die Möglichkeit, mit Delfinen zu schwimmen.

SEHENSWERT Turtle Hospital auf der Insel Marathon (Mile Marker 48,5): Hier kann man sehen, wie verletzte oder kranke Schildkröten wieder aufgepäppelt werden. Ein Hospital mit Krankenbecken statt Krankenbetten. www.turtlehospital.org.

Diving Museum auf Islamorada (Mile Marker 83): Zeigt alles über die Geschichte des Tauchsports; www.divingmuseum.org.

Die Welt der immergrünen Mangroven lässt sich am besten mit dem Kajak erkunden. Ein Startpunkt ist Big Pine Key (Mile Marker 30); www. floridakeyskayaktours.com.

WEITERE INFOS Get It Across Marketing in Köln, Tel. 02 21-233 64 51, Internet: www.fla-keys.de.

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