Im Bett mit Paul

Im Hard Day’s Night Hotel schläft man unter der McCartney-Fototapete.

Die Beatles haben mit ihrer Musik die Welt verändert – ein bisschen zumindest. In ihrer Heimat Liverpool findet man die Spuren des Quartetts überall. Jetzt wurde sogar ein Beatles-Hotel eröffnet.

 „Nach der Reise werden Sie die Schnauze voll haben von den Beatles“, scherzt der Herr am Flughafen. Nicht falsch verstehen: Er liebe die „Fab Four“, beteuert er im rauen Kauderwelsch der „Liverpudlians“. Die Beatles-Hysterie, sagt der Mann, habe Liverpool halt nie verlassen. Er hat Recht: John, Paul, George und Ringo begegnen einem in der nordenglischen Hafenstadt an jeder Ecke. Man landet auf dem John Lennon International Airport (Motto: „Above Us Only Sky“). Man sieht entlang der roten Vorort- Häuschen ständig Plakate, auf denen McCartney Werbung macht. Und wenn man angekommen ist im Zentrum, begrüßen einen vor dem Hard Day’s Night Hotel die Beatles als Bronzestatuen.

Beatles im Hotel

Die erste Adresse für Fans liegt seit kurzem genau um die Ecke des legendären Cavern Clubs, in dem die Beatles Anfang der 60er Jahre 292 Konzerte gaben: Das Hard Day’s Night Hotel, benannt nach dem Song, dem Album und dem Film von 1964. In der Lobby beeindrucken Schwarzweiß-Fotos der frühen Beatles. Über der Rezeption hängen Notenblätter, im Treppenhaus lächelt das Quartett großformatig von der Wand und über Lautsprecher tönen tagaus, tagein ihre Klassiker.

Beatles auf der Straße

Vor mehr als 50 Jahren traf John Lennon Paul McCartney beim Pfarrfest im Gemeindehaus von St. Peter’s im Stadtteil Woolton. Die Kirche gibt’s noch. Auf der Penny Lane, jener Straße, der Paul Mc- Cartney einen Song widmete, fuhren Paul und George mit dem Bus zur Schule. Strawberry Field ist ein verwunschener Ort: Das Waisenhaus der Heilsarmee mit verwildertem Garten hinter einem roten Eisentor wurde zum Gegenstand von John Lennons Song „Strawberry Fields Forever“.

Auf der Paenny Lane fuhren Paul und Georg jeden Tag mit dem Bus in die Schule.

Die Häuser, in denen Paul und John aufwuchsen, gehören mittlerweile der Denkmalschutzbehörde. Paul McCartneys Elternhaus an der Forthlin Road hat einen hübschen Vorgarten. John Lennons Tante Mimi besaß an der Menlove Avenue eine Doppelhaushälfte. George Harrisons karges Geburtshaus zwängt sich in eine ärmliche Fassadenreihe. Das Viertel Dingle, in dem Ringo Starr aufwuchs, soll abgerissenwerden– seinGeburtshausaberwird neben dem Museum of Liverpool am Fluss wieder aufgebaut. Nicht weit davon entfernt ragt die Liverpool Cathedral empor, die fünftgrößte Kathedrale der Welt. Ihr Platz in der Beatles- Story? Ende der 50er Jahre lehnte der Leiter des Knabenchors dort Paul McCartney als Mitglied ab – dessen Stimme sei zu schwach. Im Jahr 1991 führte Paul dort sein klassisches Werk „Liverpool Oratorio“ auf.

Beatles im Museum

Das wichtigste Museum über die Beatles ist gar keines, es ist ein alter Backstein- Keller – der Cavern Club an der Mathew Street Nummer 10. Hier spielten die Beatles von 1960 bis 63 noch wilden Rock’n’Roll. Hier entdeckte sie auch ihr späterer Manager Brian Epstein. Um einen Entlüftungsschacht für die U-Bahn zu bauen, ließ die Stadt den Club im Jahr 1973 abreißen – ein touristisches Desaster. 1984 wurde der Club wieder aufgebaut. Heute spielen dort fast täglich Bands, und John steht in Bronze gegossen am Straßeneck. Die neue Beatles-Ausstellung „White Feather“ befindet sich gleich an der Ablege-Stelle der Fähre über den Fluss Mersey: Hier sieht man hinter Glas etwa das Cape, das John Lennon 1965 in dem Film „Help“ trug. Gestiftet wurde die Ausstellung von John Lennons erster Frau Cynthia und seinem Sohn Julian.

J. Löhr

DIE REISE-INFOS ZU LIVERPOOL

Liverpool

REISEZIEL Liverpool liegt im Nordwesten Englands an der Mündung des Flusses Mersey in der Grafschaft Lancashire. Die Stadt ist der zweitgrößte Exporthafen Großbritanniens (und leidet entsprechend unter der Wirtschaftskrise – man kann hier wegen der vielen Ausverkäufe und des guten Pfund-Kurses extrem günstig shoppen). 2004 wurde der historische Stadtkern zum Weltkulturerbe erklärt, 2008 war Liverpool Europas Kulturhauptstadt.

ANREISE Von München aus fliegt keine Airline direkt nach Liverpool. KlM Royal Dutch Airlines bietet Verbindungen Via Amsterdam für etwa 240 Euro an.

WOHNEN Im Hard day’s Night Hotel an der North John Street bekommt man für umgerechnet 110 Euro pro Nacht ein Doppelzimmer. Im fünften Stock kann man für knapp 700 Euro die Suiten „Lennon“ (mit weißem Piano) und „Mc- Cartney“ (mit McCartney-Fototapete) mieten.
Im Internet: www.harddaysnighthotel.com.

TOUREN Im Bus der „Magical Mystery Tour“ kann man die Orte besuchen, die sich in Beatles-Songs wieder finden. Das Ticket kostet umgerechnet 14 Éuro.
Infos im Internet: www. visitliverpool.com.

FÄHRE Über den Fluss Mersey führt die berühmte Fähre, von der aus man einen prima Blick auf die Skyline der Stadt hat.

SEHENSWERT Liverpool hat ein reiches, nicht immer glorreiches Erbe: So spielte die Stadt als Knotenpunkt im Sklavenhandel eine wichtige Rolle. („International Slavery Museum“). Andererseits: die Region besitzt mehr Museen und Galerien als jede andere Englands außer London – etwa die Walker Art Gallery oder die Liverpool Tate. Im Herbst 2010 eröffnet das 70 Millionen Euro teure Museum of Liverpool (Info: www.liverpoolmuseums.org.uk).

WEITERE INFOS Visit Britain, Britische Zentrale für Tourismus, Berlin, Info-tel. 01801/46 86 42, im Internet: www.visitbritain. com, www.visitliverpool.com.

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