Sie holt Frankfurter raus aus den Miesen

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Jetzt wird‘s ernst: Marion Schmidt zeigt einem ihrer Kunden, der in Finanznot geratenen ist, wie sich dessen Schuldensumme zusammensetzt.

Frankfurt – Er hat etwa 23.000 Euro Schulden, ist 45 Jahre alt und verdient 1500 Euro netto: So sieht der durchschnittliche Schuldner in Frankfurt aus . Zumindest der, den die Verbraucherzentrale an der Konstablerwache berät. Auch wenn sich der Privatverschuldungsindex im aktuellen Schufa-Kompass verbessert hat, wächst der Bedarf an Schuldenberatung. Von Andreas Einbock

Marion Schmidt arbeitet seit zwölf Jahren als Schuldenberaterin. Die Juristin informiert jedes Jahr über 800 Kunden am Telefon und 400 in der Erstberatung, zudem betreut sie einhundert feste Kunden. „Die Leute kommen immer verwahrloster in die Sprechstunde und geben sie schneller auf“, stellt Schmidt fest. Dabei seien nicht nur Arbeitslose und Hartz-IV-Bezieher ihre Kunden. „Bei mir saßen schon Zahnärzte, Professoren, Beamte. Die sind oft weniger flexibel und erkennen nicht, dass ihr eigener Marktwert gesunken ist“, sagt Schmidt und ergänzt: „Dann wird jede Reserve aufgelöst, um die eigenen Statussymbole so lange wie möglich zu halten.“

Schulden treffen Arbeitslose wie auch Professoren und Rentner

Als weitere Schuldnergruppen hat Schmidt Migranten ausgemacht. „Hier kommt der Druck oft aus der Heimat. Für viele ausländische Bürger werden die familiären Verpflichtungen wie Hochzeit oder westliche Konsumgüter zum Stolperstein.“ Oft führe das zum Geschenkekauf auf Pump. Zunehmend kommen aber auch Rentner in ihre offene Sprechstunde montags von zehn bis 14 Uhr, bei der jeder ohne Namen vorsprechen kann. „Einige Renter leben mit der Illussion, ein Leben lang gearbeitet und nun entsprechend viel Rente zu bekommen“, so Schmidt, die ein weiteres Problem der Älteren nennt: „Sie rechnen oft ihre Einnahmen noch in D-Mark und ihre Ausgaben in Euro. Für diese Leute wäre eine längere Phase der doppelten Preisangaben sehr hilfreich gewesen.“

TV-Schuldenberatung ist realitätsfremd

Dem Image des prominenten TV-Schuldenberaters Peter Zwegat kann Schmidt nicht viel abgewinnen: „Das Bild, das im Fernsehen gezeigt wird, geht oft an der Realität vorbei und schürt falsche Hoffnungen. Wir bieten rechtliche und wirtschaftliche Beratung und sind keine Seelsorger. Wir können auch niemandem eine Wohnung oder eine Arbeit beschaffen.“

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