Pizza kalt geliefert: Muss ich das Essen annehmen?

Kai-Oliver Kruske Foto: Verbraucherzentrale Hessen/nh

Gerade in der hektischen Vorweihnachtszeit kann es ein Segen sein, Essen einfach beim Lieferdienst zu bestellen. Aber was, wenn Pizza und Co. zu spät, kalt oder fehlerhaft ankommen? Ein Jurist klärt auf. Von Rebekka Farnbacher

Region Rhein-Main– Wer kennt das nicht? Wenn einen der Hunger quält und der Lieferdienst gefühlte Stunden braucht, kann die Stimmung schnell kippen. Doch welche Rechte haben Kunden? Kai-Oliver Kruske, Jurist und Sprecher bei der Verbraucherzentrale Hessen, gibt Auskunft.

Wenn das Essen zu spät kommt

Das Problem bei langem Warten ist, zu belegen, ob spät auch zu spät ist. Denn die meisten Lieferdienste machen nur eine ungefähre Zeitangabe, wann das Essen beim Kunden ankommt. „Wenn es mir sehr darauf ankommt, dass ich Pizza, Nudeln und Co. rechtzeitig bekomme, sollte ich das frühzeitig bei der Bestellung sagen, damit sich mein Gegenüber darauf einstellen kann“, sagt Kai-Oliver Kruske. „Wenn dann die Zusage vom Lieferant kommt, dass das Essen beispielsweise in einer Stunde bei mir ist, muss er sich dran halten.“ Tut er das nicht, können Kunden vom Vertrag zurücktreten oder einen Rabatt verlangen. Wenn keine Uhrzeit ausgemacht wurde, rät der Jurist, im Nachhinein eine Frist zu setzen. Da das meist am Telefon geschieht und schlecht bewiesen werden kann, ist es ratsam, das unter Zeugen zu tun. „Da der Streitwert aber sehr gering ist, wird in so einem Fall vermutlich niemand einen Rechtsstreit vom Zaun brechen.“

Wenn das Falsche kommt

Wer statt der Salami-Pizza eine mit Schinken geliefert bekommt, muss sie nicht annehmen und kann sein Geld zurück verlangen. Eine falsche Lieferung jedoch nach telefonischer Bestellung zu beweisen, kann schwierig werden. Einfacher ist es, wenn man die Bestellung online per App aufgibt.

Wenn die Pizza kalt ist

Wer Essen vom Lieferdienst bestellt, darf erwarten, dass es warm ist, sagt Kruske. Man sollte daher die Lieferung sofort prüfen, wenn sie ankommt, und gegebenenfalls ablehnen.

Der Experte rät im Fall der kalten Pizza nachzufragen, wie man sich einigen kann: Ob man eine neue Lieferung einfordert oder beispielsweise einen Gutschein oder eine Flasche Wein für die nächste Bestellung erhält. Die Androhung, online eine schlechte Bewertung abzugeben, sollte man dabei laut Kruske nur vorsichtig einsetzen. „In jedem Fall sollte man in einer Rezension nichts Unwahres behaupten.“ Das ist nämlich rechtswidrig.

Wenn das Essen nicht schmeckt

„Da man sich bei nicht schmeckendem Essen im subjektiven Bereich bewegt, kann man in einem solchen Fall keine Ansprüche geltend machen“, sagt der Jurist. Wenn allerdings die Ware verdorben ist und daraus etwa eine Lebensmittelvergiftung resultiert, kann der Lieferservice haftbar gemacht werden. Jedoch ist es auch hierbei schwer zu beweisen, dass die Ursache das schlechte Essen des Lieferdienstes war. „Die Ware müsste in ein Labor geschickt und ein Sachverständigengutachten erstellt werden. Damit sind hohe Kosten verbunden“, warnt der Jurist.

Wenn der Bote kein Wechselgeld hat

„Der Kunde ist nicht verpflichtet, bei einer Summe von 14 Euro mit einem 20-Euro-Schein zu zahlen“, sagt Kruske. Wenn der Bote auf einen großen Schein jedoch nicht herausgeben kann, gilt es, eine Lösung zu finden. „Der Lieferant kann eine Überweisung anbieten. Ich bin nicht verpflichtet, die Rechnung sofort zu zahlen.“

Wenn ein Treppenzuschlag verlangt wird

Wenn das Essen in ein hohes Stockwerk geliefert werden soll, verlangen einige Lieferdienste einen Zuschlag. „In so einem Fall muss der Kunde aber klar darauf hingewiesen werden“, sagt der Rechtsexperte. Wer die Zusatzkosten nicht bezahlen will, kann die Pizza an der Haustür entgegennehmen.

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