Maut in Deutschland und Europa

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In fast jedem europäischen Land ist sie seit Jahren selbstverständlich, die Maut. Ob in Italien, Frankreich oder Griechenland, Autofahrer müssen für die Benutzung der Schnellstraßen oder Autobahnen eine Gebühr bezahlen.

Seit einigen Jahren ist nun auch eine deutsche Maut im Gespräch. Doch an ihr scheiden sich nach wie vor die Geister. Klar ist, die Maut soll kommen. Spätestens bis 2021 müssen sich deutsche Autofahrer auf eine Gebühr einstellen. Wie genau diese aussehen soll, ist jedoch noch offen. Wir haben uns das Mautsystem anderer EU-Länder angeschaut und wollen eine erste Prognose für die deutsche Maut wagen.

Maut in Europa

Maut wird zumeist als Pauschalbetrag, also mit einer Vignette, oder als entfernungsabhängige Gebühr erhoben. Besonders im Westen und Süden Europas werden die Fahrer zur Kasse gebeten. Aber auch einige osteuropäische Länder verlangen Mautgebühren. Je nach Land unterscheiden sich die Gebühren teilweise erheblich, wobei die spanischen Straßen im Durchschnitt die teuersten sind. Die streckenbezogene Maut gibt es in neun europäischen Ländern. In Frankreich, Spanien oder Portugal müssen Sie also nach absolvierter Strecke zahlen. Anders ist es in Ländern wie Österreich, der Schweiz oder Tschechien. Hier müssen Vignetten mit unterschiedlich langer Gültigkeit gekauft werden. Diese berechtigen schließlich für die Nutzung der Straßen. Für gewöhnlich müssen die Vignetten bei Tankstellen oder anderen Verkaufsstellen erworben werden. Österreich bietet seit diesem Jahr die Digitale Vignette, die als bequeme und zeitgemäße Alternative zur Klebevignette gilt und sich bereits großer Beliebtheit erfreut. In unseren Nachbarländern ist das Mautsystem also schon lange zum Alltag geworden. Was spricht also gegen die Einführung einer deutschen Maut? Und wie genau soll diese aussehen?

Wie soll die deutsche Maut funktionieren?

In Deutschland soll es keine streckenbezogene Maut geben. Diese sei politisch nicht gewollt, da die Klimaschutzziele der Bundesregierung auf diese Weise nicht zu schaffen seien. Damit bleibt nur noch eine PKW-Maut, die über eine Pauschale berechnet wird. Deutsche Staatsbürger sollen als Ausgleich für die neu entstehenden Kosten bei der Kfz-Steuer entlastet werden. So würden keine Mehrkosten entstehen. Dieses System würde daher hauptsächlich ausländische Autofahrer finanziell belasten. Eine deutsche Mautgebühr würde beispielsweise niederländische Autofahrer jährlich 60 bis 100 Millionen Euro kosten. Österreich und die Niederlande sehen in der deutschen Maut daher eine Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit und haben Klage beim Europäischen Gerichtshof eingelegt. Die Autobahngebühren sollten keine Bürger bevorzugen oder benachteiligen. Der ehemalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt ließ sich von diesen Anschuldigungen allerdings nicht beeindrucken und steht zur Maut. Seiner Meinung nach ist die Mautgebühr gerecht und europarechtskonform. Wie genau dieser Streit ausgeht, kann im Moment noch nicht abgesehen werden, womit auch noch keine endgültige Aussage darüber getroffen werden kann, wie die Maut in Deutschland funktionieren wird.

Vor und Nachteile einer Maut in Deutschland

Befürworter einer PKW-Maut weisen auf die Tatsache hin, dass eine Gebühr der Straßennutzung ökologisch sinnvoll ist. Es würden vermehrt Anreize geschaffen, das Auto stehen zu lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Die Einnahmen aus der Maut sollen ferner direkt dem Ausbau des Straßennetzes zugute kommen. So könnte sich der allgemeine Zustand der Straßen deutlich verbessern. Zudem wäre Schluss mit der Ungerechtigkeit, dass Ausländer kostenlos durch Deutschland fahren, Deutsche auf fremden Straßen aber tief in die Tasche greifen müssen. Dies ist eins der Hauptargumente für die PKW-Maut. Experten versprechen sich einen weiteren Vorteil von der Maut. Durch sie soll es möglich werden, den rasant zunehmenden Verkehr besser zu steuern. Zu Spitzenverkehrszeiten sollen die Fahrten auf Autobahnen automatisch teurer werden.

Kritiker bemerken, der Verkehr werde in diesem Fall auf die Landstraßen ausweichen, was schließlich Ortschaften belaste. Eine Entspannung der Verkehrslage wird damit also nicht erreicht. Da die CSU ein relativ kompliziertes Vignetten-System plant, würden die Mehreinnahmen schnell durch Verwaltung und Überprüfung aufgebraucht werden. So würde sich das Konzept gerade einmal selbst finanzieren, ein Mehrwert würde ausbleiben. Insgesamt bleibt es also spannend wenn es um das Thema Maut geht.

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