Wall Street - Geld schläft nicht

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Shia LaBoef (l.) kämpft mit und gegen Michael Douglas (r.) in dem Film „Wall Street: Geld schläft nicht“

Nach mehr als 20 Jahren geht die Geschichte von Wallstreet-Spekulant Gordon Gekko (Michael Douglas) weiter. Hier die Filmkritik zur Fortsetzung von Regisseur Oliver Stone sowie der Kinotrailer.

Ob Polit-Poet Franz Müntefering das Werk des Filmprovokateurs Oliver Stone kennt, ist nicht bekannt. Aber Müntefering sollte sich auf jeden Fall Stones neuen Film ansehen, denn es wird ihm eine gewisse Genugtuung verschaffen zu sehen, dass der Hedgefonds des skrupellosen Bösewichts doch „Locust“ heißt, also Heuschrecke.

Ähnlich wie Münte warnt auch Stone in der Fortsetzung seines Welterfolges vor rücksichtslosen Spekulanten, die für Profit Volkswirtschaften aufs Spiel setzen. Der Zeitpunkt dafür scheint ideal, schließlich hat sich die Finanzbranche in den letzten beiden Jahren selbst demontiert. Und mit der wenig subtilen Botschaft will Stone wohl auch Sühne leisten. Dafür, dass sein Wall Street, sein Anti-Held Gordon Gekko und dessen Mantra „Gier ist gut“ 1987 ausgerechnet unter den Yuppies der echten Wall Street Kultstatus erreichte.

So ein Missverständnis soll Stone nicht noch einmal unterlaufen. Also predigt er gegen den Irrsinn des entfesselten Finanzmarktes und das hat Charme, solange Michael Douglas als Gordon Gekko, nach verbüßter Haft scheinbar geläutert, gegen die Auswüchse des Kapitalismus wettert. Wie schon im ersten Film wird ein junger Idealist eingeführt, der am Finanzmarkt reich werden und anständig bleiben möchte – was zeitweise für unfreiwillige Komik sorgt.

Stone verheddert sich im Versuch die Geschichte von Wall Street aktualisiert neu zu erzählen und gleichzeitig die aktuelle Finanzkrise zu erklären. Der jugendliche Held, den Shia LaBoef mit angezogener Handbremse spielen muss, irrlichtert dazwischen herum und muss auch noch in einen Rachefeldzug gegen die Hochfinanz ziehen, die seinen Mentor in den Selbstmord und dessen Firma in den Ruin getrieben haben. Zwischendrin gibt es alberne Gastauftritte von Prominenten, unter anderem von Charlie Sheen, der im ersten Teil der junge Wilde war. Das Treffen zwischen Douglas und Sheen bleibt ein harmloser Gag.

Ruhender Pol in diesem wirren Knäuel loser Handlungsstränge ist der alte Fuchs Gordon Gekko, der immer noch mitmischen will. „Es ist nicht so sehr das Geld, das Spiel fehlt mir“ erklärt er und Stone gibt sich so doch als Fan seiner Kunstfigur zu erkennen. In einem überflüssigen Epilog erscheint Gekko, nachdem er wieder einmal alle angeschmiert hat, noch einmal auf der Bildfläche und tut, was der alte Gekko nie getan hätte: Er rechtfertigt sich. Sicher, er ist gierig. Und skrupellos. Aber nicht verblödet wie die Jungspunde am Finanzmarkt, die sich selbst und das Land um Kopf und Kragen zocken. Gekko ist alte Schule, also gute Wall Street. Gut freilich nicht im Sinne von moralisch oder ethisch, sondern von intelligent.

Als Investor hätte er Stone vielleicht von diesem Film abgeraten – zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag.

Goran Zojic

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