US-Show lässt Computer gegen Mensch antreten

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Mensch gegen Maschine: Garry Kasparow gibt 1997 gegen den Supercomputer "Deep Blue" auf

Washington - Natürliche gegen künstliche Intelligenz: Die US-Quizshow “Jeopardy“ soll ermitteln, wer die Oberhand behält - zwei Kandidaten oder Supercomputer “Watson“. Der Ausgang ist offen.

Es war eine der spektakulärsten Kraftproben zwischen Mensch und Maschine: 1996 spielte Schachgenie Gary Kasparov eine ganz besondere Partie. Keinen Gegner aus Fleisch und Blut hatte er zu bezwingen, sondern einen Computer der US-Firma IBM namens “Deep Blue“. Am Ende musste sich der Russe geschlagen geben.

Jetzt erlebt das Duell zwischen so unterschiedlichen Partnern eine Neuauflage. Wieder steht ein IBM-Computer im Raum, diesmal mit Namen “Watson“. Als sein Gegner lauert aber kein Schachzauberer - sondern erprobte Mitspieler der beliebten US-Quizshow “Jeopardy“.

Brad Rutter und Ken Jennings zählen zu den besten Kandidaten in der knapp 50-jährigen Geschichte der Sendung. Seit Montag versuchen sie, den Bits und Bytes ihres elektronischen Gegners Paroli zu bieten; an diesem Mittwoch soll der Sieger feststehen. Der Zwischenstand nach der ersten Runde lässt die Menschheit hoffen: unentschieden. Rutter und “Watson“ gewannen jeweils 5000 Dollar (3700 Euro), Jennings wurde Dritter und strich immerhin 2000 Dollar ein.

“Jeopardy“ dreht das Konzept der meisten Quizshows um. Den Kandidaten werden Antworten vorgelesen, zu denen sie die passende Frage finden müssen. Anders als damals “Deep Blue“ muss “Watson“ laut IBM also in der Lage sein, mehr als nur logisch zu denken und außerdem auch noch Sprache erkennen zu können.

Drei Jahre lang bastelte der US-Computergigant an “Watson“ und investierte nach Schätzungen von Experten etwa 100 Millionen Dollar (74 Millionen Euro). Wie viel der Computer wirklich gekostet hat, verrät die Firma allerdings nicht.

“Watson“ ist ein Technik-Herkules: Er verfügt über die Rechenleistung von 2800 durchschnittlichen Computern und 15 Terabyte RAM-Speicher (Random Access Memory). Das ergibt einen Zugang zu mehr als 200 Millionen Seiten Inhalt. Internet-Anschluss hat er nicht.

Wenn der Computer eine Frage beantworten soll, muss er, genau wie die menschlichen Kandidaten auch, einen Summer drücken. Das geschieht durch einen Roboterarm. Da “Watson“ so groß ist wie ein durchschnittliches Schlafzimmer, wird die Show ausnahmsweise in der IBM-Zentrale in Armonk (US-Staat New York) gedreht. Die Zuschauer können allerdings nur einen kleinen Teil des Mega-Computers sehen.

“Es war vor allem der gesellschaftliche Nutzen des Experiments, der uns interessierte“, sagte der Produzent der Show, Harry Friedman, dem US-Magazin “Time“. Die Redaktion hatte sich einverstanden erklärt, den Computer als Kandidaten zuzulassen, nachdem sichergestellt wurde, dass es dabei völlig fair zugehen würde. “Ich hoffe, die nächste Idee ist es jetzt nicht, den Moderator durch einen Computer zu ersetzen“, scherzt derweil Moderator Alex Trebek.

Der Versuch mit “Deep Blue“ hatte damals einen Durchbruch in der Computertechnik gebracht: statt ein einziger großer, wurden damals mehrere Prozessoren zugleich eingesetzt. So konnte die Rechenleistung erheblich erhöht und der Energieverbrauch reduziert werden.

Der Hersteller denkt derweil schon über “Jeopardy“ hinaus. “IBM geht es ganz sicher nicht nur ums Spielen“, sagte die Vizepräsidentin für Forschung, Katherine Frase, dem Fernsehsender CNN. “Wir werden die besten Wege finden, Watsons Technologie zur Lösung von realen Problemen einzusetzen.“

Man könne den Computer beispielsweise als Frage-und-Antwort-Anwendung für die Kundenbetreuung nutzen oder aber als Analysewerkzeug für Finanzunternehmen. “IBM war schon immer sehr effizient, wenn es darum ging, Profit aus seinen vorangegangenen Investitionen zu schlagen“, weiß Charles King, Präsident des Instituts für Technologie-Analyse “Pund-IT“.

dpa 

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