"Catching Fire": Aufstand gegen das Kapitol

Neue Gladiatorenkämpfe der "Tribute von Panem"

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Zurück in die Arena soll Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) – doch sie wehrt sich.

Kluge Sozialkritik und dramatische Actionszenen: Der zweite Teil von Suzanne Collins Bestseller-Trilogie, „Die Tribute von Panem – Catching Fire“,  trägt nicht so dick auf wie Folge eins.

Wer dem „Harry Potter“-Universum entwachsen ist und die schmachtenden Vampire der „Twilight“-Folgen kitschig fand, dürfte bei „Die Tribute von Panem“ mehr Nährwert finden. Suzanne Collins hat in ihrer gleichnamigen Bestseller-Trilogie (allein in den USA wurden über 24 Millionen Bücher verkauft) ein voyeuristisches Spektakel ersonnen. Ein Gladiatorenkampf in der Zukunft, deutlich inspiriert von „Rollerball“ aus den Siebzigerjahren, stand im Mittelpunkt des ersten Romans und der Adaption von Regisseur Gary Ross („Pleasantville“).

Ganz Panem, ein Staat, der sich nach einer Apokalypse aus den Ruinen Nordamerikas erhoben hat, sieht einmal jährlich 24 Menschen aus zwölf Distrikten dabei zu, wie sie sich zur Belustigung des Fernsehpublikums abschlachten. Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) haben die letzten Hungerspiele gemeinsam überlebt.

Zu Beginn des zweiten Buches wie Films befinden sie sich auf der Siegestour durchs Land. Nicht überall empfängt man sie mit Begeisterung, schließlich gelten sie als Vertreter der allmächtigen Regierung namens Kapitol. Auch beziehungstechnisch rumpelt es gehörig, denn zwischen ihnen steht nach wie vor Katniss’ Jugendfreund Gale (Liam Hemsworth). Doch durch ihr beherztes Auftreten in einigen geknechteten Distrikten avancieren Katniss und Peeta schnell zu Galionsfiguren der stärker werdenden Unruhen. Die Menschen rebellieren überall gegen das dekadente Kapitol. Um die Revolte in den Griff zu bekommen, setzt Präsident Snow (Donald Sutherland) neue Spiele an. Diesmal sollen die Sieger vergangener Wettkämpfe gegeneinander antreten. Snow spekuliert auf den Tod von Katniss und Peeta, doch die zwei bilden unerwartete Allianzen...

Premiere von "Tribute von Panem - Catching Fire" mit Jennifer Lawrence

Bilder: Premiere von "Tribute von Panem - Catching Fire" mit Jennifer Lawrence

Während sich Gary Ross im ersten Teil auf die starken Kontraste zwischen dem grellbunten Kapitol und der mausgrauen Armut von Distrikt 12, Katniss’ und Peetas Heimat, konzentrierte und die tödlichen Spiele den größten Raum einnahmen, akzentuiert Francis Lawrence in der zweiten Adaption anders. Er illustriert ausführlich, wie ein kleiner Funken einen Flächenbrand auslösen kann. So trägt „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ nicht so dick auf wie sein Vorgänger. Das Werk ist vielmehr, soweit sich das für eine straff und schnell erzählte, viele dramatische Actionszenen bietende Produktion sagen lässt, ein Film der leisen Töne geworden.

Die Ausstattung ist bemerkenswert fantasievoll, die Bilder sind erlesen. Doch dem früheren Musikvideo-Regisseur Lawrence ging es deutlich mehr um die Aussage, um die zwar leicht fassbare, aber trotzdem nicht platte Sozial- und Medienkritik. Was an Zeitdiagnose in den Büchern von Suzanne Collins oft zu weichgespült wird, dreht Lawrence zu einem durchdachten, scharf konturierten Planspiel über Kapitalismus, Krise und Werteverfall weiter.

von Ulrike Frick

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