Alkoholismus, Einsamkeit, Gewalt

So düster wird der Weihnachts-Tatort

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Nina Kunzendorf als Kommissarin Conny Mey

Frankfurt - Der Weihnachts-"Tatort" ist in diesem Jahr eine düstere Milieustudie. Es geht um Alkoholismus, Einsamkeit, Gewalt und einem Leben am Rande der Gesellschaft. Auch ein Abschied steht ins Haus.

Ein Priester mit Alkoholproblemen und ein Kommissar mit Entzugserscheinungen: Im vierten hr-„Tatort“ der Ermittler Joachim Król und Nina Kunzendorf trinken fast alle viel zu viel. Ausgerechnet am Zweiten Weihnachtsfeiertag (Mittwoch, 20.15 Uhr) blickt die ARD-Krimi-Serie in die Abgründe von Alkoholismus, Einsamkeit, Gewalt und einem Leben am Rande der Gesellschaft. „Im Namen des Vaters“ beginnt mit einem Mord in der Silvesternacht - Kirche, Glauben und ein verschmähtes Weihnachtsgeschenk spielen aber wichtige Rollen.

Mit 2,7 Promille wird die Leiche von Agnes Brendel am Neujahresmorgen im Frankfurter Gallusviertel gefunden. Die 44 Jahre alte Alkoholikerin ist in dem Stadtteil gut bekannt, weil sie oft allein durch die Kneipen im benachbarten Bahnhofsviertel zog, sich voll laufen ließ und häufig ihre Liebhaber wechselte. So auch in der Nacht, in der sie umgebracht wird.

Ihr Lebensgefährte, der gewalttätige Ex-Knacki und Säufer Viktor - beeindruckend gespielt von Paulus Manker - gerät zunächst in Verdacht nimmt die Aufklärung des Falls dann aber auf für das Milieu typische Art selbst in die Hand. Er will Klarheit für sich und Agnes' Sohn Christian (Vincent Redetzki). Dieser macht sich und dem Freund seiner geliebten Mutter schwere Vorwürfe und sucht Trost bei dem undurchsichtigen Pater Markus (Florian Lukas).

Die 20 Tatort-Teams im Überblick

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Für Kunzendorf ist der vierte Einsatz als Kommissarin Conny Mey der Vorletzte. Die 41-Jährige steigt aus. Der „Tatort“ habe der Mutter zweier Kinder kaum noch Zeit für andere Filme gelassen. „Das war ihr auf die Dauer der Zeit einfach zu wenig an Ausdrucksmöglichkeiten“, sagte die Leiterin des hr-Fernsehspiels Liane Jessen nach Angaben des Senders, zur Begründung.

In der vierten Folge tritt Mey zwar erstmals mit Kurzhaarfrisur auf, sonst bietet die Rolle aber wenig Neues. Die attraktive Kommissarin trägt auch im Winter hautenge weiße Jeans, an deren Bund in Wild-West-Manier die Dienstwaffe baumelt. Sie tritt unverändert locker, forsch, jugendlich und laut auf. Zumindest ein Kontrast zu der weitgehend tristen Kulisse der teils langweiligen, teils monströs-schrillen Geschichte, die aber auf einer wahren Begebenheit beruht. Herausragendes stilistisches Element: Die Geschichte wird an zwei Stellen auf geteilten Bildschirmen aus mehreren Perspektiven und gleichzeitig erzählt.

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Deutlich mehr Entwicklungsmöglichkeiten hat die Rolle von Meys älteren Kompagnon Frank Steier (Joachim Król), der im Büro wohnt und sich vorgenommen hat, mit dem Trinken aufzuhören, was ihm sichtlich schwer fällt. Der 55-jährige Schauspieler macht auch nach dem Ausstieg seiner prominenten Kollegin weiter, eine neue Partnerin für ihn wird gesucht. Kunzendorf steigt mit der fünften Folge im April 2013 aus, es folgt Ende 2013/Anfang 2014 eine Solo-Folge mit Król. Im Dezember 2013 soll zudem der dritte hr-„Tatort“ mit dem LKA-Ermittler Ulrich Tukur als Felix Murot ausgestrahlt werden.

Ein „Tatort“ an Weihnachten wie 2012 sei keine Premiere, heißt es bei der ARD-Programmdirektion in München. Viele Zuschauer empfänden den Tag wie einen Sonntag, außerdem habe man eine andere Farbe zum „Traumschiff“ gewollt, das zur gleichen Zeit im ZDF ausgestrahlt werde. Und die Quote zeigt dem hr zufolge: „Die Leute sehen ab Heiligabend am liebsten nur noch Krimis und Action-Filme.“

dpa

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