Tatort-Kritik: Altbackene Geschichte

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Mit vollem Einsatz: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Gespräch mit dem Polizeischüler Torben Brandstetter (Matthias Ziesing).

Ludwigshafen - Irgendwie kommt einem das bekannt vor: Ein Mord im Umfeld einer Polizeischule, das Mordopfer eine ehrgeizige Schülerin, die sich durch ihre Privatermittlungen nicht nur Feinde im Drogenhandel-Milieu gemacht hat, sondern auch bei ihren Mitschülern.

Die Handlung dieses SWR-„Tatort“ erinnert doch sehr an die kürzlich wiederholte Folge „Dunkle Wege“ mit Ermittlerin Charlotte Lindholm (2005). Auch nicht wirklich neu ist, dass Täter und Kommissar sich von früher kennen: ehemalige Polizisten, Staatsanwälte oder eben Polizeilehrer, die in die Fälle verwickelt sind – ein offenbar immer beliebteres Motiv.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

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Das Arme-Leute-Milieu, das „Tödliche Ermittlungen“ nebenbei streift, bleibt nur angekratzt. Die Ghetto-Szenerie kann höchstens dazu beitragen, die Figur der ermordeten Polizeischülerin etwas näher zu beleuchten, die in ihrer Familie viel Verantwortung zu tragen hatte. Dennoch bleibt das Opfer konturlos und einfarbig, ebenso wie der ehrgeizige Verlobte und die anderen Beteiligten, die so manches Klischee bedienen.

Das Tatort-Quiz - Sind Sie ein Experte?

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Das sonst so sympathische, wenn auch nur latent vorhandene Privatleben der beiden WG-Bewohner Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) beschränkt sich auf ein peinliches Geplänkel Koppers mit einer blonden Politesse, die es auf sein regelmäßig falsch geparktes Auto abgesehen hat. Zumindest bleibt Drehbuchautor Andreas Schlüter den Charakteren treu: Lena Odenthal ist gewohnt hart und durchsetzungsfähig, wie sie bei verschiedenen Handgemengen unter Beweis stellt. Aber auch die sensible Seite, die sie in den jüngsten Folgen immer zeigen durfte, kristallisiert sich in einigen Szenen heraus.

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Elisa von Grafenstein

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