Star Wars Episode IX

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers - Zwei Lichtschwerter sind besser als eins

+
Rey (Daisy Ridley) wappnet sich in „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ zum Kampf. 
  • schließen

„Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers“: Zum krönenden Abschluss feiert J. J. Abrams die Star-Wars-Saga als großes Fest.

  • Neu im Kino: der neue und finale Teil der Skywalker-Saga, Star Wars: Episode IX
  • Star Wars: „Der Aufstieg Skywalkers“ überzeugt vor allem durch die Musik
  • George Lucas: Weitsicht bei Obi-Wan Kenobi

Man konnte erwarten, dass der neue – und nach offizieller Darstellung finale – Teil der Skywalker-Saga etliche Veteranen versammeln würde. Der älteste von ihnen ist zugleich der Aktivste: Mit 87 Jahren dirigierte John Williams persönlich seine neunte und letzte Star-Wars-Filmmusik. Viel Neues zu komponieren hatte er freilich nicht. Als treuer Verfechter Wagner’scher Leitmotiv-Technik ist er vollauf damit beschäftigt, die rückkehrenden Jedi-Ritter mit ihren weltbekannten Themen zu begrüßen. 

Und natürlich auch ihre dunklen Gegenspieler. Als Meister des Selbstzitats nimmt Williams auch das Wiedersehen früherer Spielorte zum Anlass für verschmitzte Variationen: Eine neuerliche Jagd mit dem verbeulten Wüstengleiter, die Ruine von Darth Vaders letztem Machtzentrum und dessen verkohlte Maske, die ihre Macht noch nicht ganz verloren hat.

Star Wars: „Der Aufstieg Skywalkers“ mit geschlossenen Augen

Man könnte „Der Aufstieg Skywalkers“ mit geschlossenen Augen besuchen – was zugegeben eine gewisse Verschwendung wäre – und hätte doch allein durch die Musik das meiste darin mitbekommen. Selbst eine überraschende Wendung zwischen den Seiten der Macht, die eine der Hauptfiguren vollzieht, ist nur eine Frage des Wechsels zwischen Moll und Dur.

Wer als Journalist die Kölner Deutschlandpremiere besuchte, bewacht von einem Sternjäger des Imperiums fast in Originalgröße, wurde wie bei solchen Medienereignissen üblich auf eine dem Berufsstand höchst hinderliche Verschwiegenheit und Sperrfrist für die Veröffentlichung eingeschworen . Aber wer würde auch für einen Scoop verraten, wie eine Geschichte ausgeht, die fast alle im Saal ihr Leben lang begleitet hat.

Star Wars: „Der Aufstieg Skywalkers“ - George Lucas beweist Weitsicht

Schon als George Lucas mit Alec Guinness in der Rolle des Ben Kenobi den Originalfilm drehte, war er weitsichtig genug, Extraszenen auf Vorrat zu drehen. Wie sich jetzt erweist, hat auch die verstorbene Carrie Fisher mehr Szenen abgedreht, als bislang von ihr zu sehen waren – auch wenn ihre und Mark Hamills Nennung an erster Stelle der Credits wohl eher als Hommage zu verstehen ist. Für eine Jugendaufnahme an späterer Stelle waren dann allerdings doch die Künste der Digitaltechnik vonnöten.

Die Hauptfigur ist freilich ihr längst zur besten Rebellenkriegerin gereifter Zögling, die Jedi-Ritterin Rey. Dies ist mehr als alles andere Daisy Ridleys Film, die in dieser Rolle ein solches Charisma entwickelt, dass sogar der wie gewohnt schillernd-unberechenbare Adam Driver als Kylo Ren das Nachsehen hat. Es ist mehr Disney als Lucas in diesem Teil, und dort macht man derzeit am liebsten Prinzessinnen zu Actionheldinnen: Wie in „Frozen 2“ ist auch hier eine Frau allen männlichen Actionhelden überlegen.

Star Wars im Kino: Das Pathos muss stets mit seiner Brechung rechnen

An einer Szene, wir verraten die näheren Umstände nicht, lässt sich der Zeitenwandel besonders gut ablesen. Da liegt sie, schwer getroffen da, und nach aller Märchenkonvention könnte sie wohl nur der Kuss eines Prinzen retten. Aber wie könnte man Schneewittchen heute wachküssen, ohne sie vorher nach dem vorgeschriebenen Einverständnis fragen zu können?

Wer nach dem furiosen Relaunch der Filmreihe mit „Episode VII: Das Erwachen der Macht“ vom Mittelteil der letzten Trilogie enttäuscht war, kann sich diesmal kaum beklagen. Man merkt, dass Regisseur J. J. Abrams, der sich beim letzten Mal eine Auszeit nahm, zurück ist, und die Macht ist mit ihm. Spätestens seit er für Steven Spielberg „Super 8“ inszenierte, weiß man, wie virtuos er dessen Stil beherrscht, die familiengerechte, aber doch nicht handzahme Melange von Horror und Romantik. 

Star Wars: Helden auf den Spuren von Steven Spielberg und George Lucas

Zwischendurch bewegen sich die Helden sogar auf den Spuren von Spielbergs und Lucas’ gemeinsamer Unternehmung, Indiana Jones, und erforschen eine dunkle Höhle. Souverän nutzt Rey ihr Lichtschwert als Taschenlampe und Mitstreiter Poe Dameron (Oscar Isaac) muss feststellen, dass seine echte längst nicht so gut leuchtet. Aber auch ein Lichtschwert ist im entscheidenden Augenblick nicht genug: Es ist hier nicht zu viel verraten, dass es sich mit diesem würdigen Kampfgerät nicht anders verhält als im bekannten Lied mit den Zylinderhüten: Zwei sind von besonderer Güte.

Adam Driver als Kylo Ren.

Wer schon bei früheren Teilen darüber ins Grübeln kam, wieso überhaupt das früher in Deutschland fälschlich als Laserschwert bekannte Kampfgerät unter der Telekinese fähigen Jedi-Rittern mehr als ein Statussymbol sein sollte, wird diesmal noch mehr staunen. Aber ist nicht Licht, selbst wenn es auf Knopfdruck strahlt, stets auch ein Symbol des Jenseitigen? Selbst Harrison Ford darf seine Rolle über den Tod seiner unsterblichen Filmfigur des Han Solo hinaus noch etwas weiterspielen.

Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers - ein leibhaftiger Lindwurm

Mehr noch als alle früheren Teile spielt „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ mit Wagner’schem Pathos, das freilich stets mit ironischer Brechung rechnen muss. Einmal muss sogar ein leibhaftiger Lindwurm bezwungen werden.

Leider scheut sich Abrams auch dann, wenn es die Handlung hergibt, zu wirklich tiefer Emotionalität aufzulaufen. Kaum ein Gefühlsmoment wird länger als ein paar Sekunden durchgehalten. Dafür erweist sich dann auch schon mal ein betrauerter Todesfall als glückliche Fehleinschätzung. Auch das ist ein alter Disney-Kniff: Nachdem man schon Bambis Mutter hatte sterben lassen, wollte man bei Balu im „Dschungelbuch“ nicht noch einmal den gleichen Fehler machen. Kaum zu glauben, dass irgendjemand ernsthaft den Tod der klassischen Star-Wars-Saga für endgültig hält.

Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers. USA 2019. Regie: J. J. Abrams. 141 Min.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare