20 Jahre "RTL Nachtjournal"

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Ilka Eßmüller und Christof Lang morderieren das "Nachtjournal".

Berlin - Das „RTL Nachtjournal“ hat an unseren Gewohnheiten gerüttelt: Wer die Sendung sehen will, kommt erst nach Mitternacht ins Bett. Oder lässt andere nächtliche Tätigkeiten bleiben, wie Gregor Gysi sagt.

Vor 20 Jahren gelangte ein Stück USA nach Deutschland und änderte die gelernten Zubettgehzeiten: Am 3. Januar 1994 gab das „RTL Nachtjournal“ exakt um Mitternacht seinen Einstand, ganz im Stil einer amerikanischen Nachrichtensendung, bis dahin in Deutschland noch nicht verbreitet. Nur kurze Zeit nach RTL zogen auch die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem ARD-„Nachtmagazin“ und „heute nacht“ im ZDF nach.

RTL hat beschlossen, die Festivitäten zum runden Jubiläum um zwei Wochen hach hinten zu legen. Der Zuschauer wird erst in der Ausgabe an diesem Freitagabend nach der Dschungelcamp-Eröffnungsshow auf den 20. Geburtstag hingewiesen - mit den schönsten Szenen aus zwei Jahrzehnten. Zur Begründung heißt es vom Sender, dass das Jubiläum arg mit dem 30. Jahrestag des RTL-Bestehens kollidierte, den der Kölner Sender am 3. und 4. Januar ausgiebig im TV feierte.

1,37 Millionen Zuschauer - jede Nacht

Auf dem Bildschirm 1994: Der Prototyp des Anchormans, der silberhaarige Heiner Bremer. Zehn Jahre hielt der ehemalige „Stern“-Chefredakteur der Sendung die Treue, bevor er den Talk „Das Duell bei n-tv“ übernahm. „Mit 300 000 Zuschauern hat unser Geschäftsführer Helmut Thoma damals gerechnet“, erinnert sich der 72-Jährige heute. „800 000 wurden es auf Anhieb.“ Ein bemerkenswerter Einstieg für eine Sendung, an der viele zweifelten. Heute sind laut RTL durchschnittlich 1,37 Millionen regelmäßig dabei.

Auf Urgestein Bremer folgten Moderatoren wie Christof Lang (53) und seit 2008 Ilka Eßmüller (49). Sie ist nicht mehr wie Bremer oder Lang gleichzeitig Redaktionsleiterin, sondern konzentriert sich auf ihre Rolle als „Anchorwoman“. Die Mutter eines vierjährigen Jungen ist ganz froh, nicht dermaßen eingespannt zu sein wie ihre Vorgänger. „Dass die Last auf mehrere Köpfe verteilt ist, ist gut so. Ich habe somit nichts mit Personalverantwortung zu tun, sondern ausschließlich mit Inhalten. Und das ist völlig richtig.“

Soziale Kontakte leiden unter der Moderation

Aber ein anderes Dilemma schiebt sie auch vor sich her. Eßmüller ist eine Nachteule. „Die abendlichen Aktivitäten beschränken sich auf die Arbeit in der Redaktion. Die Moderation des "Nachtjournals" lässt nur wenig Raum für neue Freundschaften. Aber nach drei Wochen habe ich ja eine Woche frei.“ Auch Bremer erinnert sich: „Den Verlust an sozialen Kontakten kann man nicht am Wochenende aufholen. Und wenn ich am Vormittag Tennis spielen wollte, mussten die anderen arbeiten.“

Warum wird das „Nachtjournal“ eigentlich nicht auch am Wochenende ausgestrahlt? Heute finde dazu keine Diskussion statt, sagt Eßmüller. Früher schon: „Helmut Thomas Wunsch war es, ein Gesicht auf dem Bildschirm zu haben“, erinnert sich Bremer. „Das ließ sich aber nicht über sieben Tage die Woche durchhalten. Also blieb es bei fünf Ausgaben.“ Immerhin sendet RTL nachts „News Flashs“ - ARD und ZDF bringen ebenfalls nur kompakte Nachrichtenausgaben.

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Anerkennende Worte hat RTL auch von der Konkurrenz gesammelt: „Das "Nachtjournal" ist ein Erfolgsprodukt in unseren Augen“, sagte ZDF-Anchorman Claus Kleber dem Sender RTL in einer Art Grußnote. „Es ist ein ganz wichtiger Grund, um RTL zu sehen. Auch für uns ist es ein ganz wichtiger Bezugspunkt. Wir gucken jeden Tag darauf, was die Kollegen beim "Nachtjournal" machen.“ Und Linken-Politiker Gregor Gysi lieferte sogar ein kleines Eingeständnis: „Wenn man in meine Jahre kommt und andere Tätigkeiten in der Nacht immer seltener werden, schaut man immer häufiger das "Nachtjournal".“

dpa

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