Predator: Wiederbelebung mit Würde

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Feuriges Spannungskino: Adrien Brody in der "Predator"-Fortsetzung.

1987 spielte Arnold Schwarzenegger in "Predator". Seither gab es einige Fortsetzungen. Ob die Neuverfilmung von Regisseur Nimród Antal mit dem Original des Action-Klassikers mithalten kann?

Das Gute vorweg: Nach den kaum erträglichen Fortsetzungen des Original-Predator von 1987 mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle ist „Predators“ endlich eine würdige Neu-Aufbereitung des Stoffes. Der Ungar Nimród Antal, der sich in Hollywood binnen kürzester Zeit als Horror-Fachmann etablieren konnte, ist als Regisseur ein Glücksgriff.

In düsteren Bildern greift er die Ausgangsidee des Originals auf und stellt sie sozusagen auf den Kopf. Diesmal streift kein blutrünstiger Alien auf Menschenjagd durch die Wälder der Erde. Nein, man holt sich stattdessen die potenzielle Beute auf einen Planeten, der ausschließlich der Jagd dient. Und weil es sich bei den Menschen, die da im außerirdischen Dschungel aufwachen, samt und sonders um Handwerker des professionellen Tötens, Soldaten und Söldner also, handelt, wird aus einem simplen Action-Reißer beiläufig auch noch eine nachdenkliche Abhandlung über den Krieg.

Kein anderes Genre spiegelt – bewusst oder unbewusst – die aktuelle gesellschaftliche Befindlichkeit so unmittelbar wider, wie der Horrorfilm.

So ist bei „Predators“ das eigentliche Thema im Grunde nicht die Hatz der Aliens auf die Menschen, sondern eher die Suche nach der Antwort auf die Frage, wie man in unmenschlichen Situationen menschlich bleiben kann – oder ob dies überhaupt ratenswert ist.

Denn die perfekt ausgebildeten und skrupellosen Söldner werden plötzlich von Tätern zu Opfern – all die perfiden Strategien des Krieges werden gegen sie selbst angewandt. Und sie verstehen es schnell, schließlich ist es ihr tägliches Brot. Antals Kunst ist es, diesen Punkt präsent wirken zu lassen, ohne das Erzählen zu vergessen. Er inszeniert sehr funktional, ohne überflüssige Spielereien oder schwelgerische Exzesse der Gewalt – auch wenn es selbstverständlich sehr grob und blutig zur Sache geht.

Umso stärker wirken die atmosphärischen Bilder, die Antal gelegentlich einstreut, um dem Zuschauer ein wenig Zeit zum Luftholen zu verschaffen. Es sind traumhafte Sequenzen, in ihrer Ruhe irritierend. Sie huldigen der Poesie des Untergangs – denn untergehen werden in diesem Film alle, auch wenn das Ende offen bleibt, um sich die Möglichkeit einer Fortsetzung zu sichern: Ein Mann und eine Frau, die klassische Konstellation, überleben. Aber mehr als das nackte Leben ist ihnen nicht geblieben – sie sind alleine, irgendwo am Ende des Universums und: nach der Jagd ist vor der Jagd. Für Genre-Fans ein sehenswerter Blick in Abgründe des Menschen.

Zoran Gojic

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