Bald in jedem dritten Haushalt

Pay-TV im Trend

München - Pay-TV erlebt derzeit einen Boom. Rund jeder dritte deutsche Haushalt wird nach Einschätzung der Anbieter mittelfristig einen Bezahlsender abonnieren.

Private Fernsehsender setzen zunehmend auch auf kostenpflichtige Angebote. „Alle Marktteilnehmer besetzen das Thema Pay-TV mit und sehen großes Potenzial“, sagte Frank Giersberg vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) am Donnerstag in München. Damit könnte nach langen Jahren mit einem eher überschaubaren Erfolg des Pay-TV in Deutschland Bezahlfernsehen eine immer wichtigere Rolle spielen. Der VPRT glaubt an den Erfolg des Modells, mittelfristig dürfte nach seiner Schätzung fast ein Drittel der Haushalte Kunde bei einem Bezahlangebot sein. Derzeit haben 17 Prozent Pay-TV abonniert.

RTL, aber auch ProSiebenSat.1 bauen ihre Bezahlangebote seit einiger Zeit kontinuierlich aus und nehmen etwa für Spartenkanäle Geld. Nach Angaben des VPRT gab es 2011 36 kostenpflichtige HD-Programme, inzwischen seien es 57. Doch auch auf Umwegen fließt Geld für Programme: Zuschauer, die über Satellit das hochauflösende Programm (HD) der Privaten schauen wollen, müssen nach einem Jahr kostenlosen Empfang eine Jahresgebühr an den Satelliten-Betreiber HD-Plus überweisen.

Der Umsatz von Pay-TV und Abrufdiensten wie Video-on-Demand hat sich nach Angaben des VPRT in den letzten zehn Jahren auf rund 1,8 Milliarden Euro verdoppelt. Treiber der Entwicklung sei vor allem die Digitalisierung, die Zusatzleistungen wie HD, 3D oder Abrufdienste via Internet erst ermöglicht - und damit auch Bezahlmodelle. Das führe dazu, dass sich Pay-TV allmählich in Deutschland als dritte Säule neben dem öffentlich-rechtlichen Programm und dem Privatfernsehen etabliere, sagte Giersberg. Die Sender können sich zudem unabhängiger von konjunkturanfälligen Werbeeinnahmen machen.

Insgesamt tut sich das Bezahlfernsehen in Deutschland eher schwer. Während in Ländern wie den Niederlanden oder den USA fast alle Haushalte für private Fernsehprogramme bezahlen, ist in Deutschland noch Luft nach oben - vor allem der starke öffentliche-rechtliche Rundfunk, aber auch die breitaufgestellten Privatsender sorgten bisher dafür, dass es Bezahlsendern schwer fiel, Argumente für Gebühren zu finden und Kunden zu werben.

Der Branchenführer Sky Deutschland hat auch früher noch unter dem Namen Premiere nie Geld verdient. In diesem Jahr könnte zumindest operativ erstmals eine schwarze Zahl in der Bilanz stehen. Seit 2010 steigt die Zahl der Pay-TV-Abonnenten insgesamt kontinuierlich von 4,8 auf 6,1 Millionen. Neben Sky tummeln sich auf dem Markt auch andere Betreiber wie Kabel Deutschland, die Deutsche Telekom oder Vodafone.

dpa

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