Humorvoller Ensemblefilm

"Lügen und andere Wahrheiten": Selbsterkenntnisse 

München - Ohne feste Dialoge und mit viel Spontanität ist "Lügen und andere Wahrheiten" ein prominent besetzter Film von Vanessa Jopp über die Irrungen und Wirrungen des Alltags. Die Kritik:

Sich rausreden, etwas verschweigen, schwindeln, schummeln, Rücksicht nehmen, beschönigen. Alle wohl gesetzten Worte umschreiben nur eines – die Lüge. Egal ob man es böse meint oder gut, alle Menschen lügen. Mehrmals am Tag. Bewusst oder unbewusst. Diesen Gedanken verfolgt die preisgekrönte Berliner Filmemacherin Vanessa Jopp („Vergiss Amerika“) in ihrer aktuellen Produktion „Lügen und andere Wahrheiten“.

Sechs Menschen befinden sich auf der Suche nach der Wahrheit. Einige lügen, um zu überleben oder um sich das Dasein angenehmer gestalten zu können. Andere merken erst spät, was für eine verhängnisvolle Schieflage ihr Leben durch die ständigen Lügen erhalten hat. Manche wiederum halten sich für die Ehrlichkeit in Person und müssen am Ende erkennen, dass sie sich selbst am meisten belogen haben.

Die penible Zahnärztin Coco (Meret Becker) zum Beispiel zählt zur letzten Gruppe. Ihr künftiger Ehemann Carlos (Thomas Heinze), ein alkoholabhängiger Immobilienmakler, versucht, es allen recht zu machen. Das kann nicht gut gehen. Ebenso wenig wie Cocos Freundin Patti (Jeanette Hain) ihre Affäre mit dem gemeinsamen Yogalehrer Andi (Florian David Fitz) verbergen kann. Oder ihre Meinung zur bevorstehenden Hochzeit von Coco und Carlos. Die Zahnarzthelferin Vera (Alina Levshin) möchte gerne vertuschen, in welchen massiven Schwierigkeiten sie steckt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, und alle tun so, als wäre nichts.

Wie in „Komm näher“ ist Jopps Film auch diesmal wieder teilweise improvisiert. Das bedeutet, es gab zwar ein Drehbuch, dazu klar umrissene Charaktere, aber keine Dialoge. Die haben die Schauspieler nach einer vorherigen Probenphase selbst erdacht, ihre Figuren selbst akzentuiert. Mit wem sie eine bestimmte Szene zu bestreiten hatten, erfuhren sie jeden Tag erst am Set. Das Ergebnis ist erstaunlich, denn die einzelnen Szenen bieten eine ungewöhnliche Spannung und Intensität. Das Spiel der stimmig besetzten Darsteller wirkt zwar manchmal etwas unkonturiert, aber immer frisch und innovativ.

„Lügen und andere Wahrheiten“

mit Meret Becker, Florian David Fitz, Jeanette Hain, Alina Levshin,

Regie: Vanessa Jopp

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von Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © Wild Bunch Germany / dpa

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