Held oder Heuchler?

"The Program": Nach einer wahren Geschichte

In „The Program“ porträtiert Stephen Frears einfühlsam den Rad-Athleten Lance Armstrong. Verkörpert wird er von Schauspieler Ben Foster, der die Rolle perfekt einstudiert hat. 

Ganz ehrlich: Eigentlich wünschen wir uns doch, es wäre alles wahr. Weil wir an Helden glauben möchten. Lance Armstrong (Ben Foster), dieser radelnde Übermensch, war so ein Held. Der Mythos des Unbesiegbaren klebte an ihm wie das schweißnasse gelbe Trikot – jede gegen seine Siegserie geäußerte Verdächtigung prallte ab an Armstrongs steinharten Wadeln.

Wir sehen sie häufig in diesem Film, die athletischen Gliedmaßen des brillanten Hauptdarstellers Ben Foster. Er ähnelt Armstrong nicht nur optisch, sondern hat auch die Mimik perfekt einstudiert – das nonchalante, spitzbübische, aber immer auch etwas selbstgefällige, fast überhebliche Grinsen, das er von seinem Sattel aus den jubelnden Massen an der Rennstrecke zuwirft. Alle lieben sie ihn, den amerikanischen Super-Radler, der seine Sportart für viele Zuschauer erst interessant gemacht hat.

Doch wo Erfolg ist, sind auch die, die meinen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. David Walsh (Chris O’Dowd) ist einer der Zweifler. Als Journalist macht er sich auf Spurensuche, ob dieser vermeintlich lupenreine Athlet wirklich so ein Saubermann ist. Dass wir als Zuschauer die Wahrheit längst kennen, schadet nicht. Im Gegenteil: Noch skrupelloser, noch mehr vom Ehrgeiz getrieben wirkt dieser Armstrong durch die Tatsache, dass er schlichtweg lügt.

Stephen Frears („Die Queen“) ist mit „The Program“ einmal mehr ein berührendes Porträt gelungen, das seinen Protagonisten nicht vorführt, nicht anklagt – irgendwie bleibt nur: Mitleid. Mit dem Helden und denen, die ihn fallen sahen. Wir hätten doch so gern daran geglaubt.

„The Program“

Mit Ben Foster 

Regie: Stephen Frears

Laufzeit: 103 Minuten

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Von Katja Kraft

Rubriklistenbild: © 2015 StudioCanal Deutschland/dpa

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