Mit Hollywood-Besetzung

"Move on": Dieser Thriller läuft nur im Netz

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Einer von den Guten darf Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen im ersten Internet-Spielfilm „Move on“ sein.

Bislang hat sich die Filmindustrie durch das Internet bedroht gefühlt. Mit „Move on“ gibt es jetzt den ersten Agententhriller mit Hollywood-Besetzung, der ausschließlich fürs Netz gedreht wurde.

Ein geheimnisvoller silberner Koffer, ein Agent, der ihn durch ganz Europa jagt und eine Schwäche für gut aussehende Frauen hat, ein paar Schießereien: Was nach James Bond und großer Leinwand klingt, läuft derzeit nicht im Kino, sondern im Internet. Filme im Netz waren bislang meist mit wackliger Handkamera gedrehte Amateurstreifen mit Laiendarstellern. Davon ist „Move on“ weit entfernt. Regisseur Asger Leth ist kein Amateur, sondern hat in diesem Jahr schon den Film „Ein riskanter Plan“ mit Sam Worthington („Avatar“) in die Kinos gebracht. Für „Move on“ setzte er ebenfalls auf eine Starbesetzung – und auf die Ideen der Filmfans im Netz.

Denn schon bevor die Dreharbeiten begannen, konnten sich die späteren Zuschauer beteiligen. Welche unerwartete Wendung könnte man noch ins Drehbuch einbauen? An welchem Ort sollte unbedingt einmal ein Film gedreht werden? Mehr als 9000 Vorschläge gingen über die Internetseite www.move-on-film.de ein, wo jetzt nach der Fertigstellung auch der komplette Film kostenlos zu sehen ist. Regisseur Leth nahm rund 400 Anregungen in den Film auf.

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Umsetzen musste sie Mads Mikkelsen, der sich vor allem als Bösewicht im Bond-Film „Casino Royale“ einen Namen gemacht hat. Er spielt in „Move on“ den Agenten, der im Auftrag einer mysteriösen Organisation erst den Inhalt des silbernen Koffers bewachen und ihn später zurückholen muss. Seine Chefin spielt die deutsche Schauspielerin Alexandra Maria Lara. Die Jagd führt durch halb Europa, gedreht wurde unter anderem in Rotterdam, Berlin, Wien und Bratislava. Entstanden ist ein durchaus spannender, sehenswerter Thriller.

Doch wie bringt man Hollywoodstars dazu, in einem Film nur für das Internet mitzuspielen? Und wer finanziert ein solches Projekt mit Dreharbeiten in acht Ländern. Statt eines brüllenden Löwen leuchtet zu Beginn von „Move on“ das magentafarbene Telekom-Logo auf. Der Konzern habe „einen einstelligen Millionenbetrag“ in das Filmprojekt investiert, sagt Sprecher Christian Fischer. Doch davon merkt man nach dem Vorspann nichts mehr. Mads Mikkelsen telefoniert zwar und verfolgt einen Sender im Koffer mit seinem Smartphone, doch vom Telekom-Logo ist nichts zu sehen. Auch VW hat sich an der Produktion beteiligt, dafür fährt der Hauptdarsteller weite Strecken mit einem Volkswagen. Doch das sogenannte Productplacement ist nicht penetranter als in Bond-Filmen, wo auch meist Autos einer Marke gefahren werden und Laptops mit dem Logo des Herstellers auffällig oft im Bild stehen.

„Der Film passt in unsere Werbetradition“, erklärt Fischer. „Wir haben schon häufiger Werbung mit partizipatorischem Ansatz gemacht.“ Vor allem die Identifikation mit Film und Marke sei wichtig. Fischer glaubt, dass das Beispiel durchaus Schule machen könnte und künftig nicht nur große Hollywood-Studios, sondern zunehmend auch Unternehmen in die Filmproduktion einsteigen könnten. „Wir hatten Glück, weil wir Pionierarbeit geleistet haben, Regisseur und Hauptdarsteller hatten Lust auf das Experiment.“

Von Philipp Vetter

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