"Iron Man 3": Traum- und Trauma-Arbeit

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Iron Man (Robert Downey Jr) zusammen mit Gwyneth Paltrow als Pepper Potts.

München - Iron Man ohne Anzug - kaum vorstellbar. Doch in „Iron Man 3“ muss der Superheld immer wieder auf seine schützende Panzerhülle verzichten. Die Filmkritik zum Kinostart.

Erst die Dämonen machen die Helden. Iron Man war jahrzehntelang keine sonderlich wichtige Comicfigur. Und wenig schien dafür zu sprechen, dass eine Verfilmung daran viel ändert. Doch die USA hatten Afghanistan und ihr Irak-Debakel erlebt, und plötzlich war die Figur des arroganten Rüstungskonzernchefs und verantwortungslosen Playboys Tony Stark, der in die Gewissenskrise gerät, wieder relevant.

Doch zum Welt-Trauma kam das persönliche: Robert Downey jr. war in Hollywood durch seine Alkohol- und Drogenexzesse in Ungnade gefallen, als schwierig, subversiv verschrien, kaum besetzbar. Ausgerechnet in einer Blockbuster-Comicverfilmung fand er da eine seiner persönlichsten Rollen – und offizielle Läuterung.

Downey jr., einer der coolsten Männer des Planeten, ist in vieler Hinsicht Tony Stark. Er hat bei Bedarf das charmante Alpha-Ekel drauf, kennt die Verführungen von Ruhm und Macht, aber auch den Totalabsturz; er hat die Schlagfertigkeit, die Selbstironie, die Brüche und Verletzlichkeit, die Fassade und das Versteckte. Downey jr. ist der Mensch in der Action-Maschine.

Ging es im ersten Teil darum, Stark wieder ein Herz zu geben, muss er nun im dritten lernen, ohne seinen (zunehmend eigenwilligen) Schutzpanzer zurechtzukommen. In seiner Ehe mit Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) knirscht es, man ist uneins, wer die Metall-Hosen anhat. Zugleich holen Stark die Schatten seiner Vergangenheit ein – der größenwahnsinnige Biotech-Produzent Aldrich Killian (Guy Pearce) hat noch eine Rechnung offen und ein labiles Supermenschen-Serum im Labor.

Die Welt wird derweil bedroht vom phantomgleichen Terror-Fürst Mandarin (phänomenal: Ben Kingsley), halb Osama Bin Laden, halb Ming, the Merciless. Was der Film mit dieser Figur anstellt, wie er nicht nur ihre orientalistischen Klischees demontiert, ist zu genial, um’s zu verraten.

Rückblickend muss man froh sein über den fahrlässig verschenkten zweiten Teil: Hätte Regisseur Jon Favreau sich nicht mit dem Studio überworfen, wäre die Bahn nicht frei gewesen für Shane Black. Legendär als einer der besten Action-Drehbuchautoren Hollywoods („Lethal Weapon“), Downey jr. durch sein Regiedebut „Kiss Kiss Bang Bang“ verbunden – und das Beste, was der „Iron Man“-Franchise passieren konnte.

„Iron Man 3“ ist der Idealfall eines Blockbusters: schamlose Populärkultur, deren Macher einerseits den Reiz des bubengleichen Austobens mit der großen Spielzeugkiste verstehen und Sinn fürs Spektakel haben, bei dem Hubschrauber per Konzertflügel abgeschossen werden. Die sie andererseits aber auch verstehen als Mythologie, als kollektive Traum- und Trauma-Arbeit. Die den Spagat schaffen zwischen überlebensgroßem Getöse und persönlicher Wahrhaftigkeit.

„Iron Man 3“ ist als Abrechnung mit der Bush/Cheney-Ära und dem „Krieg gegen den Terror“ zugleich ungleich unterhaltsamer und gewitzter, komplexer, subversiver als der im neunten Monat bedeutungsschwangere Polit-Palaver in Christopher Nolans Batman-Filmen. Selten hat eine Dämonen-Austreibung so viel Spaß gemacht.

Thomas Willmann

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