Rosa Roth quittiert Polizeidienst

Iris Berben: "Ich wollte nicht sterben"

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Nach 20 Jahren ermittelt Rosa Roth (Iris Berben) zum letzten Mal.

Berlin - Nach fast zwei Jahrzehnten im Berliner Morddezernat quittiert Rosa Roth am Samstag den Dienst. Den Serientod wollte Iris Berben ihre Figur aber nicht sterben lassen.

Seit fast 20 Jahren geht Iris Berben als Berliner Kommissarin Rosa Roth auf Verbrecherjagd. Mit ihren Auftritten im „Samstagskrimi“ des ZDF gehört sie zu den beliebtesten und dienstältesten Ermittlerinnen des deutschen Fernsehens. Jetzt hängt die 63-Jährige ihren Trenchcoat an den Nagel: Mit dem 105-Minüter „Der Schuss“ geht am Samstag um 20.15 Uhr im ZDF die Reihe „Rosa Roth“ nach 31 Folgen zu Ende.

„Ich habe schon sehr lange überlegt, wann der richtige Zeitpunkt ist. Man möchte ja am Schluss nicht unbedingt hören: Jetzt war's aber Zeit!“, sagt Berben in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Ich bin jetzt 20 Jahre mit dieser Figur durchs Leben gestapft und jetzt geh' ich mal meinen Weg allein weiter.“

Für den Abschluss setzen die Macher nochmals auf eine Mischung aus Spannung, Spürsinn und Psychologie. Rosa Roth begegnet dem russischen Waffenhändler Nikolai Raskow (Hans-Michael Rehberg) wieder, mit dem sie seit der ersten Folge 1994 noch eine Rechnung offen hat: Sie macht ihn für den Tod ihrer großen Liebe verantwortlich.

Diesmal ist Raskow in einen rätselhaften Entführungsfall verwickelt. Ein Unbekannter hat eine reiche Unternehmergattin in seine Gewalt gebracht. Die coole Kommissarin kommt mit ihrem Kollegen Markus Körber (Thomas Thieme) bei der Fahndung in eine dramatische Situation, in der sie den Fehler ihres Lebens machen wird.

Promifrauen und ihre jungen Hüpfer

Promifrauen und ihre jungen Hüpfer

„Das war genau das, was ich wollte“, sagt Iris Berben. „Ich wollte nicht erschossen werden, ich wollte nicht ertrinken, ich wollte nicht irgendwo runtergestoßen werden. (...) Dann kamen wir auf Scheitern. Scheitern ist gut. Das fand ich lebensnah.“

Nach fast zwei Jahrzehnten in Berlins härtestem Dezernat hat Rosa Roth am Schluss nur einen Karton mit wenigen Habseligkeiten in der Hand, als sie die Dienststelle am Alexanderplatz für immer verlässt. „Ein Abschied, ein Ende, das schmerzt“, sagt ZDF-Fernsehspielchef Reinhold Elschot. „Wir hätten uns noch viele "Rosa Roth" vorstellen können.“

Rosa Roth als Quotengarant

Für den Sender war die attraktive, nachdenkliche und doch immer zielstrebige Kommissarin eine feste Bank. Ihre „Samstagskrimis“ sorgten für hervorragende Einschaltquoten. Spitzenreiter war mit 7,25 Millionen Zuschauern die Kindermord-Folge „Die Gedanken sind frei“ vom März 2003.

Dabei war sich das ZDF seiner Sache anfangs gar nicht sicher, als es Iris Berben, bekannt aus der Comedy-Reihe „Sketchup“ und der Serie „Das Erbe der Guldenburgs“, als eine der ersten weiblichen Ermittlerinnen auf den Bildschirm schickte. „Es gab ja damals - außer beim "Tatort" - noch keine Frau als Kommissarin“, erzählt die Schauspielerin. „Das hat aber dazu geführt, dass wir erstmal ein Jahr auf Eis lagen, weil das ZDF sich dann doch nicht getraut hat.“

Am 5. November 1994 war es dann trotzdem so weit. Unter dem Titel „In Liebe und Tod“ hatte die frischgebackene TV-Kommissarin gleich einen besonders schwierigen Fall zu lösen. Seither liefen im Schnitt ein bis zwei Sendungen im Jahr. Höhepunkt war 2007 der aufwendige Terrorismus-Dreiteiler „Der Tag wird kommen“, in dem Stars wie Mario Adorf, Jasmin Tabatabai und Ulrich Tukur mitwirkten.

Von Anfang an war Iris Berbens Sohn Oliver als Produzent und treibende Kraft mit von der Partie. Und auch Berbens Mitstreiter auf der Leinwand blieben ungewöhnlich konstant: Schauspielkollegin Carmen-Maja Antoni etwa gehörte seit jeher zur Rosa-Roth-Familie, Thomas Thieme stieß als rauer, aber verlässlicher Kollege Körber 2009 hinzu.

Iris Berben ist deshalb mit ihrem freiwilligen Abschied im Reinen. „Für die Zuschauer ist das die Chance, sich auf Neues einzulassen“, sagt sie. „Und für mich ist es ein Stückchen Freiheit.“

dpa

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