Kinotrailer und Filmkritik

„Das Glück an meiner Seite“: Ziemlich beste Freundinnen

George C. Wolfes „Das Glück an meiner Seite“ findet erst nach zähem Beginn zu seinen Stärken. Sehen sie hier den Kinotrailer und die Filmkritik.

Kate (Hilary Swank) ist eine schöne, erfolgreiche Frau, die mit ihrem attraktiven Ehemann Evan (Josh Duhamel) ein beinahe perfektes Leben führt – bis eine unheilbare Krankheit ihr Glück bedroht: Kate leidet an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), deren Grausamkeit darin besteht, den Körper zu zerstören, den Geist aber nicht anzugreifen, sodass man das eigene Zugrundegehen voll und ganz mitbekommt.

Regisseur George C. Wolfe hat in „Das Glück an meiner Seite“ Michelle Wildgens Romanvorlage mit folgender Idee adaptiert: Kate bekommt eine neue Pflegerin – die konfuse Bec (Emmy Rossum), die ihr chaotisches Leben immer gerade so mit den Fingerspitzen zusammenhält. Bec hat zwar keine Ahnung von der Krankenpflege, es gelingt ihr aber, Kate durch ihre unverblümte Art neuen Lebensmut zu schenken.

Klingt bekannt? Obwohl Wildgens Roman schon 2006 erschienen ist, wirkt der Film über weite Strecken wie ein Abklatsch des französischen Kinohits „Ziemlich beste Freunde“ – nur völlig überzogen: So ist es eigentlich unverständlich, dass Bec nachdem auf geradezu groteske Weise danebengegangenen Probe-Arbeitstag überhaupt eingestellt wird. Dabei ist den Schauspielerinnen kein Vorwurf zu machen: Emmy Rossum spielt Bec so aufrichtig, wie es die Figur einer stereotyp gescheiterten Rebellin zulässt, und Hilary Swanks Darstellung der kranken Kate ist aller Ehren wert.

Zum Glück kommt dann auch die Wende: Sind die Figuren zu Genüge etabliert (ja, Kate ist ein Snob, ja, Evan ist überfordert, ja, Bec ist vollkommen übergeschnappt), bekommen die Schauspieler endlich Raum, ihre Charaktere zu entwickeln. Und das funktioniert. Plötzlich wirkt Bec echt, nicht mehr wie eine Parodie, und Kate und Evan schaffen es, Emotionen abseits vom Klischee zu zeigen.

„Das Glück an meiner Seite“ ähnelt in der Grundstruktur zwar „Ziemlich beste Freunde“. Der Unterschied ist jedoch: Kates Leiden ist nicht abgeschlossen wie Philippes Lähmung im französischen Film. Die Krankheit schreitet im Gegenteil unaufhaltsam fort und verlangt ihr und den Menschen um sie herum alles ab. Wie Oscar-Preisträgerin Hilary Swank ihre Kate entwickelt, wie Emmy Rossums Bec mit ihr interagiert, das rührt, beeindruckt, überzeugt. Für diese Glanzleistung, die am Ende des Films ihren Höhepunkt findet, lohnt sich der zähe Beginn.

von Johanna Popp

„Das Glück an meiner Seite“

mit Hilary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel

Regie: George C. Wolfe

Laufzeit: 102 Minuten

Rubriklistenbild: © Alan Markfield/Koch Media Films/dpa

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