Expertin schlägt Alarm

Jugendliche: Castingshow als Lebenschance

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Sind die Vorbilder der Stars: Dieter Bohlen und Heidi Klum

München - Castingshows machen Träume wahr - so sehen das viele Jugendliche. 72 Prozent glauben laut einer Umfrage, dass TV-Shows für die Teilnehmer die Chance des Lebens sei. Eine Expertin schlägt Alarm.

Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen hält die Teilnahme an einer Castingshow im Fernsehen für die größte Chance im Leben. Bei einer Umfrage räumten 72 Prozent der 6- bis 17-Jährigen dem beliebten Showformat eine derart große Bedeutung ein. Knapp zwei Drittel glauben bei den Geschichten und Ereignissen rund um die Kandidaten nicht an eine Inszenierung und meinten: „In den Sendungen sieht man immer genau, was beim Casting und den Workshops wirklich passiert ist“.

Passend dazu halten viele Jugendliche Moderatoren wie Model Heidi Klum oder Dieter Bohlen für Vorbilder. Selbst teilnehmen wollen allerdings nur einige: 20,5 Prozent äußerten diesen Wunsch. Für die am Mittwoch in München vorgestellte Studie wurden 1230 Kinder und Jugendliche befragt.

Medienexpertin Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) findet diese Zahlen alarmierend. Immerhin sehen 80 Prozent der Mädchen Casting-Shows im Fernsehen, etwa die Hälfte von ihnen regelmäßig. „Diese Castingshows sind keine Dokumentationen, sie inszenieren die Menschen“, sagte Götz, deren Institut die Studie mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben hatte. „Es ist wichtig, dass die Kinder das erkennen.“ Ihre Forderung: Die Kinder im Umgang mit diesen Formaten zu schulen und sie zu kritischeren Zuschauern zu machen.

Götz stört sich auch an dem rosigen Bild, das sich viele von den Fernsehshows machen. 57 Prozent waren der Ansicht, den Kandidaten ginge es nach ihrer Teilnahme richtig gut. Ähnlich viele glaubten, dass alle Teilnehmer gerecht behandelt würden.

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Die Realität sehe aber anders aus, erläuterte die IZI-Leiterin. Nur wenige profitierten von ihren Erfahrungen. „Es gibt auch welche, die richtig lange leiden, gerade wenn sie abgewertet wurden.“ Belastend sei für die Teilnehmer aber nicht nur eine harte Kritik der Juroren, sondern auch der plötzliche Ruhm. „Sie wachsen nicht wie beim Sport in Erfolg und Misserfolg hinein“, sagte Götz. Viele seien damit überfordert. „Was soll in einem jungen Leben danach noch kommen? Es kann ja nichts mehr dieses Erlebnis toppen.

dpa

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