"Chroniken von Narnia": Reise zu den eigenen Ängsten

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Magische Spezialeffekte: Lucy, Edmund und ihre Begleiter begeben sich auf einen gefährlichen Trip.

Schnörkellos und spannend: Der dritte Teil der „Chroniken von Narnia“ ist ein klassischer Abenteuerfilm. Den Filmtrailer und die Film-Kritik zu „Die Reise auf der Morgenröte" gibt es hier:

Es war ein Unwetter, wie es jetzt die Helden der Geschichte auf der Leinwand überstehen müssen: Der Streit um die Höhe des Budgets, das die Verfilmung des dritten Teils von „Die Chroniken von Narnia“ haben durfte, sorgte im vergangenen Jahr für mächtigen Wirbel vor Beginn der Dreharbeiten. Die Folge war, dass „Die Reise auf der Morgenröte“ nicht mehr von Walt Disney, sondern von 20th Century Fox produziert wurde. Michael Apted („James Bond – Die Welt ist nicht genug“) löste Andrew Adamson auf dem Regie-Stuhl ab.

Die Fans der Saga nach den Romanen des Autors C. S. Lewis dürfte dies indes kaum stören: Wem die ersten beiden Filme aus den Jahren 2005 und 2008 gefielen, wird auch bei „Die Reise auf der Morgenröte“ Vergnügen haben. Mehr noch: Verglichen mit der Vorgänger-Produktion „Prinz Kaspian von Narnia“ verzichtet Apted darauf, die Geschichte allzu missionarisch-martialisch zu inszenieren. Er besinnt sich stattdessen auf Tugenden und Zutaten eines klassischen Abenteuerfilms.

„Die Reise auf der Morgenröte“ ist die erste Geschichte, die Edmund (Skandar Keynes) und Lucy (Georgie Henley) ohne ihre Geschwister bestehen müssen. Peter und Susan sind zu alt und dürfen daher Narnia nicht mehr betreten. Ein Schicksal, das am Ende auch Edmund und Lucy treffen wird. Dieses Mal begleitet sie ihr Cousin Eustachius – unfreiwillig. Will Poulter spielt den Stöpsel herrlich neunmalklug und blasiert. Und kurz bevor die Figur anfängt zu nerven, wird Eustachius glücklicherweise in einen Drachen verwandelt. Zunächst aber werden die drei Kinder aus ihrem Zimmer im England während des Zweiten Weltkriegs in die fantastische Parallelwelt Narnia gespült. Sie landen an Bord der „Morgenröte“, dem Schiff König Kaspians, der sich aufgemacht hat, sieben verbannte Lords aufzuspüren und nach Narnia zurückzuholen. Das ist der Ausgangspunkt einer Heldenreise, wie wir sie aus zahlreichen Abenteuerfilmen kennen. Diese Fahrt wird für die Protagonisten natürlich zur Reise in ihr Inneres, zu ihren Gefühlen und Ängsten. Denn – um in der Sprache des Films zu bleiben: „Um das Dunkel in der Welt zu besiegen, muss man zunächst das Dunkel in sich besiegen.“

Es wäre jedoch allzu einfach, dem Regisseur vorzuwerfen, dass sein Film selten überrascht. Denn Michael Apted erzählt die klassische Geschichte schnörkellos, solide und unterhaltsam. Er hat Gefühl für Dramaturgie und weiß, wann er etwa ein Schlachtengetümmel unterbrechen muss, um Augenblicke der Komik einzustreuen, oder wann es Zeit für etwas züchtige Romantik ist. „Die Reise auf der Morgenröte“ ist ein spannend gemachtes Leinwandabenteuer, das die Fans glücklich macht, und all jene, denen die Welt von „Narnia“ fremd ist, dennoch unterhält.

Störend ist dagegen, dass Apted sich offenbar zu sehr in die Möglichkeiten der Computeranimation verliebt hat. Klar, dass ein Film, in dem etwa ein Löwe, eine Maus und ein Faun auftreten, nicht ohne die Tricks der Programmierer auskommt. Doch gerade deshalb hätte der Regisseur an jenen Stellen, an denen es die Geschichte nicht zwingend erfordert, auf manch dräuenden Nebel verzichten können. Das gilt auch für die 3D-Fassung des Films.

Michael Schleicher

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