Huawei-Smartphones – Fallen nun die Preise?

+
Huawei steht vor richtungsweisenden Monaten.

Der Handelsstreit zwischen China und der USA trifft insbesondere das chinesische Telekommunikationsunternehmen Huawei, das in naher Zukunft auf die Android-Lizenzen von Google und auf wichtige Hardwarekomponenten verzichten muss.

Diese Marktentwicklung schlägt sich auf die Preisstruktur der Huawei-Smartphones nieder. Doch lohnt sich gerade jetzt die Anschaffung?

Huawei steht auf schwarzer Liste

Im Zuge des Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China hat US-Präsident Donald Trump den nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen. Daraufhin setzte das zuständige Handelsministerium in Washington Huawei auf eine schwarze Liste von Unternehmen, mit denen US-Firmen ohne eine entsprechende Genehmigung keinerlei Geschäfte machen dürfen.

Die gesetzliche Restriktion betrifft sowohl Chiphersteller wie Qualcomm und Intel, aber auch Software- und Dienstanbieter wie Facebook und Google. Letzter hatte im Rahmen des tobenden Handelsstreits angekündigt, die Zusammenarbeit mit Huawei zu beenden. Die Smartphones und Tablets des chinesischen Telekommunikationskonzerns laufen über das Google-Betriebssystem Android. Neue Huawei-Modelle wie das Mate 30 Pro werden nicht mehr mit einer Android-Lizenz ausgestattet und müssen auf ein anderes Betriebssystem zurückgreifen. Google-Dienste wie Gmail, YouTube und Maps sowie der Play Store fehlen daher gänzlich. Auf Komponenten-Partner wie Chip-Designer ARM muss Huawei in Zukunft ebenfalls verzichten.

Huawei-Smartphones stark reduziert

Die prekäre Marktsituation und die unklaren Zukunftsaussichten haben seit Bekanntwerden des Handelsstreits die Preise der aktuellen Huawei-Topseller zuweilen deutlich sinken lassen. Gründe für diese Preisentwicklung sind neben der undefinierten Sachlage die sinkende Nachfrage und das Update-Management. Huawei versuchte den Krisenherd zwar einzudämmen und stellte das Android-10-Update als Garantie in Aussicht, die Preise purzelten trotzdem.

Das Flaggschiff Huawei P30 Pro befindet sich preislich derzeit in einem freien Fall. Der unverbindliche Verkaufspreis (UVP) ist bei 999 Euro gelistet und wird aktuell mit bis zu 400 Euro von den unterschiedlichen Händlern unterboten. Das ruft natürlich Schnäppchenjäger auf den Plan, die vom Markt profitieren können. Wer auf spezielle Angebote aus ist und nicht die neusten Deals für Huawei-Smartphones verpassen möchte, bleibt auf Schnäppchen-Portalen wie Mein Deal immer auf dem neusten Stand.

Huawei beschwichtigt: Android 10 Q kommt

Dem chinesischen Telekommunikationsriesen ist die kritische Lage bewusst und versucht die Kunden mit regelmäßigen Wasserstandsmeldungen zu beruhigen. Westeuropa-Chef Walter Ji erklärte, dass unabhängig vom weiteren Verlauf des Embargos kein Grund zur Sorge bestehe. Es habe sich nichts geändert, gab Ji zu verstehen und versicherte weiterhin die Bereitstellung von Android-Updates. In den Versprechen für die Zukunft pocht das chinesische Unternehmen auf die zweijährige Garantie der eigenen Geräte, die Service und Dienstleistungen in vollem Umfang zur Verfügung stellen würden.

Das Inkrafttreten der verhängten Sanktionen wurde bis November verlängert, da laut den Ausführungen der US-Regierungen die Strukturen und Abläufe von vielen US-Firmen abhängig von Huawei seien. US-Handelsminister Wilbur Ross gab im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox Business Network die Verlängerung der Frist an. „Unternehmen brauchen mehr Zeit, sich zu entwöhnen“, erklärte der Minister.

Unabhängig von der Verlängerung verspricht Huawei, dass 17 aktuelle Smartphones das Update auf Android 10 Q erhalten werden. Die Gnadenfrist erlaubt zwar dem chinesischen Unternehmen weiterhin Komponenten von US-Herstellern zu beziehen und Android-Updates wie gehabt auszurollen, doch ein langfristiger Plan wurde nicht vorgestellt.

Der weitere Verlauf basiert auf den Entwicklungen des Handelskonflikts und stellt Huawei vor zwei potenzielle Szenarien. Entweder beendet US-Präsident Donald Trump den Handelskrieg und Huawei kann wieder auf Android-Lizenzen zurückgreifen oder die Chinesen setzen zukünftig auf die Open-Source von Android (AOSP). Die Methode kam bereits bei neuen Modellen wie dem Huawei Mate 30 Pro zum Einsatz.

Die quelloffene Android-Version 10 (AOSP) basiert zwar auf der Originalvariante, muss allerdings auf die üblichen Google-Dienste und den Play Store verzichten. Darüber hinaus werden Sicherheits- und Software-Updates mit AOPS in der Regel verspätet an die Kunden ausgerollt. Apps können nur noch in der App Gallery heruntergeladen werden, in der noch viele wichtige Anwendungen fehlen. Dieser unharmonischen Ergonomie versucht Huawei mit speziellen Services entgegenzuwirken, die eine Anpassung der Apps für die Huawei-Geräte vereinfachen sollen.

Plan B: Eigenes Betriebssystem

Obgleich der positiven Grundstimmung tritt Huawei der aktuellen Situation nicht blauäugig gegenüber und ist nach eigenen Angaben bereits jetzt schon in der Lage, den drohenden Wegfall des Android-Betriebssystems durch eine eigene Software zu ersetzen. Manager Richard Yu gab auf der Entwicklerkonferenz im südchinesischen Dongguan bekannt: „Wir können sofort vollständig auf HarmonyOS umstellen“.

Das HarmonyOS oder auch HongMeng genannte System werde „mehr Harmonie und Komfort in die Welt bringen“, versicherte Yu im Zuge seiner Ausführung. Die selbstentwickelte Software sei auf die Herausforderungen der Zukunft ausgerichtet und vereinbare Sicherheit und Innovativität. Zudem unterscheide sich HarmonyOS von Android sowie vom Apple-Betriebssystem iOS. Allerdings machte Huawei deutlich, dass die Nutzung von Android weiterhin die erste Option sei.

Verfalle allerdings das Nutzungsrecht auf das Google-Betriebssystem, sei der Konzern darauf vorbereitet. Im Mai hatte Yu selbstbewusst verkündet, dass Huawei für die drohenden Sanktionen gewappnet und mit dem eigenen Betriebssystem gut aufgestellt sei.

HarmonyOS: Revolutionäres Betriebssystem?

Die erste große Neuerung liefert die Basis von HarmonyOS, die im Gegensatz zu den meisten zeitgenössischen Plattformen nicht auf den bestehenden Betriebssystemen wie Unix oder Linux fußt. Huawei verfolgt mit dem Entwicklungsansatz die Vision, dass die Software auf dem Gerät selbst relativ wenig Speicherplatz benötigt, während ein erheblicher Anteil des Arbeitsprozesses über schnelle Netze an Rechenzentren ausgelagert wird.

Möglich macht es die Mikroarchitektur, die unabhängig von der RAM- und Speichergröße arbeitet. Der sogenannte Microkernel-Ansatz reduziert das Betriebssystem auf die wichtigsten Funktionen. Diese Methodik kommt auch bei Google zum Einsatz, die bei einer neuen Software mit dem Namen Fuchsia implementiert wird. Das System läuft darüber hinaus nicht nur auf Smartphones, sondern kann auch auf anderen Plattformen wie Tablets, in Autos oder auf Smart-TVs eingesetzt werden.

Der offiziellen Veröffentlichung von HarmonyOS im August soll noch in diesem Jahr die Markteinführung in China folgen. In Zukunft soll das Betriebssystem auf Produkten wie Smartwatches und intelligente Lautsprecher zugeschnitten werden und die Nutzung auf einer Vielzahl von Geräten erlauben. Huawei wolle laut Richard Yu ein internationales Betriebssystem kreieren, das nicht nur von Huawei genutzt wird.

Viele Experten schätzen die Erfolgschancen von HarmonyOS in der westlichen Welt als sehr gering ein, da schon andere große Smartphone-Hersteller wie Samsung den Versuch unternommen haben, Android mit einem eigenen Betriebssystem Konkurrenz zu machen. Sowohl Bada und Tizen scheiterten kläglich. Viel mehr wird das System von Huawei auf dem chinesischen Markt Anklang finden und dort seine Geräte damit ausstatten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare