Wundersame Armbänder - Einbildung hilft

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"Power Balance"-Armbänder sollten den Niederländern und auch Arjen Robben zum Sieg bei der W M verhelfen.

Was verbindet Felix Neureuther mit dem Kicker David Beckham, Rennfahrer Rubens Barrichello und Schauspieler Robert de Niro? Sie tragen angeblich das mysteriösen Power-Balance-Armbändern.

Der deutsche Skifahrer wirbt sogar auf der Internetseite des Herstellers als “Markenbotschafter“ für den Plastikschmuck. Ebenso wie US-Basketball-Star Shaquille O'Neal. Das Band, so versichert der schwarze Hüne, verhelfe ihm zu besonders starker Form. “Es wirkt“, betont der Athlet auf der Internetseite von Power Balance.

Sportler dürfen ihrem Enthusiasmus über die Armbänder freien Lauf lassen. Der kalifornische Hersteller dagegen muss seine Angaben sorgsam abwägen. Erst kürzlich untersagte die australische Verbraucherbehörde dem Unternehmen die Behauptung, die Produkte würden Flexibilität, Balance und Stärke ihrer Träger steigern.

Seit dem Jahr 2007 verkauft Power Balance die bunten Silikonbänder mit jenem patentgeschützten Hologramm, das angeblich die natürlichen Energieströme des Körpers anregt. Die Plastikprodukte kosten in den USA 30 Dollar, in Deutschland liegt der Preis mit fast 40 Euro noch deutlich höher.  

Wundersame Macht der Einbildung

Ein unscheinbares Silikonarmband mit Hologramm soll den natürlichen Energiefluss des Körpers anregen und die Leistung etwa im Sport verbessern. Die Herstellerfirma verdient Millionen mit den Plastikprodukten - auch wenn sie einräumen musste, dass eine wissenschaftliche Basis für den Nutzen der Bänder fehlt.

Anfangs lief der Verkauf schleppend, aber seit sich immer mehr Prominente mit dem Artikel schmücken und ihr bereiftes Handgelenk in Kameras halten, boomt das Geschäft: Der Umsatz des Unternehmens kletterte von 8.000 Dollar im Anfangsjahr auf über 35 Millionen Dollar im Jahr 2010. Inzwischen wurde das Sortiment erweitert um Halsketten und um Aufkleber, die man direkt auf den Körper haften soll - “möglichst auf Akupunkturpunkte“, wie die Firma rät.

Man behaupte nicht, dass sich der Effekt der Bänder wissenschaftlich belegen lasse, sagt Firmensprecher Adam Selwyn, und Firmenmitgründer Josh Rodarmel erklärt: “Wir versuchen nicht, jeden Menschen auf der Welt zu überzeugen.“ Wichtiger als Studienresultate sind ohnehin die Zeugnisse prominenter Sportler, von denen zumindest einige für ihre Aussagen bezahlt werden.

“Unsere Trainer schwören drauf“, teilte Basketballer Jared Dudley von den Phoenix Suns seinen Fans über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Solche Behauptungen überzeugen viele Menschen mehr als die sorgfältigste Studie. Ralph Reiff, Leiter eines großen Trainingszentrums in Indianapolis, schätzt, dass etwa jeder dritte der bei ihm trainierenden Profi- und Amateursportler entweder das Originalband trägt oder aber eines der vielen Imitate. Der Sporttrainer erwog sogar, selbst solche Produkte mit eigenem Logo an seine Klienten auszugeben, verwarf die Idee dann aber als unseriös.

“Das passiert nur in den Köpfen der Leute“

“Ich könnte nicht in den Spiegel schauen und mich mit meinem Ruf voll hinter dieses Produkt stellen“, sagt Reiff. Denn an einen biologischen Nutzen der Bänder glaubt er nicht. “Das ist wie mit Glückssocken“, sagt er. “Wenn man daran glaubt, dann hilft es auch.“

Die australische Verbraucherbehörde sah das nicht so locker. Nach ihrer Auffassung widersprachen die Behauptungen der Firma den Werberegeln für therapeutische Produkte. Power Balance musste die Aussage zurücknehmen, dass die Bänder, Flexibilität, Gleichgewicht und Stärke fördern. Mehr noch: Auf Druck der Behörde relativierte die Firma sogar ihre frühere Werbung: “Wir geben zu, dass es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege für unsere Behauptungen gibt“, erklärte sie und willigte zudem ein, jene Käufer zu entschädigen, die sich getäuscht fühlen.

Rückendeckung liefert den Australiern eine wissenschaftliche Studie der Universität von Wisconsin. Darin verteilte Sportwissenschaftler John Porcari an 42 Sportler entweder Original-Bänder oder aber Armbänder der Supermarktkette Wal-Mart. Einen Unterschied in der Leistung der Träger fand er nicht. “Ich halte das für einen Schwindel“, sagt er. “Das hat nichts mit den Armbändern zu tun, sondern passiert nur in den Köpfen der Leute.“

dapd

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