Der Schulter nicht die kalte Schulter zeigen

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Der Schulter nicht die kalte Schulter zeigen.

Viele Menschen aller Altersgruppen treiben heutzutage Sport. Und das ist gut so. Doch: Insbesondere Freizeitsportler handeln sich sehr oft Probleme mit der Schulter ein.

Lörke

„Neben akuten Verletzungen verursachen vor allem Über- beziehungsweise Fehlbelastungen Schulterschmerzen. In der Sportmedizin beobachten wir ganz besonders bei Überkopfsportarten wie Tennis oder Handball funktionelle Schulterprobleme. Verursacht werden diese gerade im Freizeitsport durch unzureichend oder einseitig auftrainierte Schultermuskulatur und unprofessionelle Bewegungstechnik“, weiß Dr. Christian Lörke, Leitender Oberarzt der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel.

Auch das viel gepriesene Nordic Walking kann durch falsche Rotation zwischen Schulter und Becken massive Schulterprobleme verursachen. Wie bei jeder anderen Sportart ist es auch beim Nordic Walking wichtig, unter professioneller Anleitung die richtige Technik zu trainieren.

Die Schulter nimmt vieles übel

Nicht nur falsch betriebenen Sport nimmt die hauptsächlich durch Muskulatur geführte Schulter übel. Sie reagiert genauso empfindlich auf einseitige Belastungen in Beruf und Alltag. Auch Bewegungsmangel und jahrelange Fehlhaltung etwa durch PC-Arbeit tun ihr Übriges. Es entstehen Störungen im Bewegungsablauf, die Muskulatur ermüdet und die Schulter kann sich verschieben. Dann kann es zu schmerzhaften Einklemmungserscheinungen von Sehnenansätzen unter dem Schulterdach kommen. Man spricht hier von einem Überlastungssyndrom, dem funktionellen Impingement-Syndrom. Neben aktuellen Schulterproblemen werden zudem im Laufe eines Lebens Muskulatur, Sehnen und Gelenk der Schulter ohnehin sehr strapaziert. Bei älteren Menschen sind die Sehnen der Schultermanschette oft dünn und rissig und der Gelenkknorpel ist durch Arthrose oder Rheuma stark abgenutzt.

Wenn die Schulter nicht mehr rund läuft

 Es gibt sehr viele Behandlungsmöglichkeiten, wenn die Schulter schmerzt. Zunächst sollten alle konservativen Therapiemethoden wie etwa Krankengymnastik und physikalische Medizin unterstützt von Injektionen zum Beispiel mit einem Kortisonpräparat ausgeschöpft werden. Sollten Kalkdepots und damit einhergehende Entzündungen für die Schulterschmerzen verantwortlich sein, hilft in vielen Fällen die Stoßwellentherapie. „Bei einem ausgeprägten Engstellensyndrom können wir mit einer Arthroskopie in vielen Fällen eine Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung erreichen. Die Engstelle kann geweitet, gerissene Sehnen genäht, Gelenkflächen geglättet oder stark entzündete Schleimhäute entfernt werden. Auch Muskelrisse oder Ausrenkungen der Schulter beheben wir möglichst minimal-invasiv, also durch kleine Schnitte“, so Dr. Christian Lörke, Leiter der Sportorthopädie und Gelenkchirurgie der Klinik. Wenn der Verschleiß allerdings so weit fortgeschritten ist, dass die Gelenkpartner keinen gleitfähigen Knorpel mehr besitzen, dann hilft nur noch ein künstliches Gelenk. „Es muss jedoch nicht immer das komplette Gelenk ersetzt werden“, erläutert der Facharzt. „So kann zum Beispiel die Überkronung der Oberarmkugel durch eine Metallkappe schon für Schmerzfreiheit und gute Beweglichkeit sorgen. Bei einem Totalverschleiß von Schulterpfanne und Oberarmkopf hilft allerdings nur ein komplettes künstliches Schultergelenk, um wieder schmerzfrei und mobil zu werden.“ Damit es gar nicht so weit kommt, rät Dr. Christian Lörke: „Zeigen Sie Ihrer Schulter nicht die kalte Schulter. Denn das Schultergelenk ist nicht nur das beweglichste, sondern auch das empfindlichste Gelenk.“

Von Dr. Gisela Heimbach

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