Tipps für gesunde Füße

Fersensporn: Wenn jeder Schritt zur Qual wird

+
Schmerzen in der Ferse machen das Gehen zur Qual. Barfußlaufen hilft vorzubeugen.

Wer unter Schmerzen in der Ferse leidet, sollte unbedingt zum Arzt gehen. Denn die Ursache der Beschwerden ist oft ein Fersensporn, der sich gut behandeln lässt.

Sie tragen uns durchs ganze Leben – und das etwa 160.000 Kilometer weit. Bei jedem Schritt lastet auf ihren Muskeln, Sehnen und Gelenken unser gesamtes Körpergewicht: Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, was ihre Füße Tag für Tag leisten müssen. Sie muten ihnen darum oft zu viel zu. Eine Pause gönnen sie ihnen erst, wenn Beschwerden sie schließlich dazu zwingen.

Was ist ein Fersensporn?

Prof. Dr. Volkmar Jansson leitet die Orthopädische Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München in Großhadern. Schwerpunkte seiner Arbeit sind unter anderem die spezielle orthopädische Chirurgie, physikalische Medizin und Chirotherapie.

Besonders häufig leiden Patienten unter Schmerzen in der Ferse. Der Fersensporn ist zur Volkskrankheit geworden: In Deutschland hat etwa jeder Zehnte im Alter zwischen 40 und 60 Jahren Schmerzen im Bereich der Ferse. Frauen sind dabei etwas häufiger betroffen als Männer. Viele vermuten dann einen Fersensporn als Ursache ihrer Beschwerden. Darunter versteht man einen knöchernen Fortsatz, der sich über der Fußsohle am Fersenbein bildet und in Richtung der Zehen zeigt. Doch bei weitem nicht alle Patienten mit Fersenschmerzen haben eine solche Veränderung am Knochen. Umgekehrt hat auch nicht jeder, der einen Fersensporn hat, Beschwerden. Denn solche Fersenschmerzen sind die Folge einer Reizung des knöchernen Ansatzes der Sehnenplatte (Plantarfascie), welche die Fußsohle bildet. Eine schmerzhafte Erkrankung dieser Sehnenplatte bezeichnet der Mediziner als Plantarfasciitis.

Was begünstigt die Entstehung?

Die häufigste Ursache für einen Fersensporn (Plantarfasciitis) ist eine Überlastung des Fußes. Dazu kann es kommen, wenn man oft auf harten Böden gehen und stehen muss, ungeeignete Schuhe trägt und/oder übergewichtig ist. Auch eine ungewohnte sportliche Belastung kann zu solchen Beschwerden führen, ebenso Fehlstellungen wie Knick-, Senk- oder Spreizfüße, die ihrerseits oft durch ungesunde Schuhe gefördert wurden. Die Überlastung kann zu winzigen Verletzungen am knöchernen Ansatz der Sehnenplatte führen. Als Reaktion darauf lagert der Körper Kalk an, womöglich um die Risse zu reparieren – ein knöcherner Fortsatz entsteht. Beschwerden, die typisch für einen Fersensporn sind, können aber auch andere Ursachen haben. Dazu gehören rheumatische Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Bechterew, Entzündungen, Ermüdungsbrüche oder Veränderungen des Fußes, die auf eine erbliche Veranlagung zurückzuführen sind.

Wie erkennt man einen Fersensporn?

Viele Patienten mit einem Fersensporn spüren bei jedem Schritt einen stechenden Schmerz in der Fußsohle. Diese sind beim Loslaufen oft besonders stark und lassen dann etwas nach. Manche Patienten haben hingegen dauerhafte dumpfe Schmerzen im Bereich der Ferse oder sie spüren einen brennenden Schmerz. Viele Betroffene berichten auch, dass sie besonders morgens nach dem Aufstehen Beschwerden haben, die dann wieder nachlassen. Sehr ähnliche Probleme im hinteren Bereich des Fersenbeins haben Patienten, bei denen der Ansatzpunkt der Achillessehne gereizt und entzündet ist. Auch dort kann ein knöcherner Fortsatz die Ursache sein.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Um die Ursache der Beschwerden zu finden, untersucht der Orthopäde den Fuß zunächst ohne Hilfsmittel. Dabei prüft er, ob und an welcher Stelle sich Schwielen gebildet haben. Zudem kontrolliert er, ob eine Fehlstellung des Fußes erkennbar ist. Die Untersuchung erfolgt dabei im Stehen und im Liegen. Der Arzt prüft aber auch, ob die Schuhe des Patienten ungeeignet und womöglich Ursache der Beschwerden sind. Wo der Schmerz sitzt, kann der Arzt nur feststellen, indem er an verschiedenen Stellen auf die Fußsohle drückt. Das bereitet dem Patienten zwar neuerliche Schmerzen, die man ihm aber leider nicht ersparen kann. Ob sich ein Sporn am Fersenbein gebildet hat, lässt sich in einem Röntgenbild (siehe rechte Abbildung) erkennen. Allerdings kann diese typische knöcherne Ausziehung, die der Erkrankung den Namen gegeben hat, auch fehlen. Im Einzelfall kann dann auch eine Kernspintomografie notwendig sein. Bei der Untersuchung konzentriert sich der Arzt aber nicht nur auf den Fersensporn selbst. Er prüft auch die anderen Knochen des Fußes und beurteilt sie hinsichtlich ihrer Struktur und Stellung.

Wie kann man zur Therapie beitragen?

Die Therapie ist zwar einfach, leider aber sehr langwierig. Es braucht darum etwas Geduld, bis ein Erfolg der Behandlung erkennbar wird. Dazu kann der Patient aber auch selbst beitragen, indem er den betroffenen Fuß vor einer Überlastung schützt. Solange er Beschwerden hat, sollte er den Fuß auf keinen Fall extremen Belastungen aussetzen. Übergewichtige sollten unbedingt versuchen abzunehmen – so schwer dies auch sein mag. Auch Bewegung hilft, die Beschwerden zu reduzieren. Besonders gut eignen sich dafür Sportarten, bei denen der Fuß nur wenig belastet wird. Betroffene sollten also lieber Rad fahren oder schwimmen als zu joggen. Empfehlenswert sind zudem spezielle Dehnungsübungen der Unterschenkel- und Fußmuskulatur. Diese kann man selbstständig zuhause durchführen, sollte sich die Übungen aber unbedingt zuerst von einem Orthopäden oder Physiotherapeuten zeigen lassen.

Warum sind spezielle Einlagen wichtig?

Zusätzlich zu diesen Anstrengungen des Patienten sollte dieser maßgefertigte Einlagen tragen. Mit dieser Kombination von Maßnahmen lassen sich die Beschwerden fast immer erfolgreich behandeln. Dabei ist allerdings die Qualität der Einlagen entscheidend: Diese sollen zum einen Fehlstellungen des Fußes korrigieren, um eine weitere Überlastung zu verhindern. Zum anderen müssen sie so angefertigt sein, dass sie die schmerzende Stelle an der Ferse entlasten. Dazu haben die Einlagen meist eine Aussparung im Bereich der Ferse, die oft mit weichem, dämpfendem Material gefüllt ist. Dabei ist es kein Problem, wenn die Einlage nicht sofort passt. Denn diese kann man auch nachträglich so bearbeiten, bis sie perfekt an die Bedürfnisse des Patienten angepasst ist. Bis diese Maßnahmen Wirkung zeigen, kann es helfen, die Beschwerden zeitweilig mit Schmerzmitteln zu lindern. Auch Wärme- und Kälteanwendungen empfinden viele Patienten als angenehm. Mit Eiswürfeln kann man so eine Behandlung zum Beispiel gut selbst daheim durchführen. Wie das geht und worauf man dabei achten muss, erklärt der Physiotherapeut oder Orthopäde.

Wann sind Spritzen sinnvoll?

Trotz aller Anstrengungen reichen diese Maßnahmen aber bei einem kleinen Teil der Patienten nicht aus, um die Beschwerden ausreichend zu lindern. Dann kann der Arzt gezielt ein lokal wirkendes Betäubungsmittel und etwas Kortison in den Bereich der schmerzenden Stelle spritzen (Infiltrations-Therapie). Allerdings sollte man von dieser Möglichkeit nicht zu oft Gebrauch machen. Denn bei häufiger Anwendung in kurzen Abständen können solche Spritzen unter Umständen auch zu unerwünschten Wirkungen führen. Zusätzlich zur Infiltrations-Therapie sollte der Patient unterstützend von einem Physiotherapeuten behandelt werden. Auch Ultraschall und Reizstrombehandlungen können helfen. Bei beiden Verfahren werden die Nerven stimuliert und die Durchblutung gefördert. Dadurch lassen sich die Schmerzen lindern.

Wann hilft die Stoßwellentherapie?

Haben auch diese Verfahren nicht ausreichend geholfen, gibt es noch die Möglichkeit der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT). Hierbei werden Schallwellen gezielt auf den schmerzenden Fersensporn gerichtet. Diese Behandlung ist zwar zunächst unangenehm. Doch viele Patienten berichten, dass ihre Schmerzen bald nach der Behandlung nachgelassen hätten. Auf welche Weise die Schallwellen die Beschwerden lindern, ist nur zum Teil geklärt. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Behandlung nicht. Wer die Stoßwellentherapie in Anspruch nehmen möchte, sollte darum unbedingt vorher bei seiner Krankenkasse nachfragen. Eine weitere Methode, die bisweilen angewendet wird, ist die Röntgentiefen-Bestrahlung. Dabei wird der schmerzende Bereich der Ferse mit einer relativ hohen Dosis an Röntgenstrahlen behandelt. Einige Anwender berichten von guten Ergebnissen. Da es sich hier um eine Behandlung mit Röntgenstrahlen handelt, ist die Indikation sehr sorgfältig abzuwägen. Hier in der Orthopädischen Klinik in Großhadern wenden wir diese Therapie nur sehr selten an, wenn alle anderen Therapiemethoden versagt haben.

Wann hilft nur eine Operation?

Eine Operation ist bei einem Fersensporn nur der letzte Ausweg. Sie lässt sich in den allermeisten Fällen mit etwas Geduld und den beschriebenen konservativen Maßnahmen vermeiden. Um den Zug auf die gereizten Sehnen zu mindern, löst der Arzt dabei die Sehnenplatte nahe am Knochen vom Fersenbein ab. Der Fersensporn selbst wird dagegen nur selten entfernt, vor allem dann, wenn die knöcherne Ausziehung sehr groß ist. Nach dem Eingriff muss der Patient einige Tage liegen und anschließend ein paar Wochen lang spezielle Schuhe mit entlastenden Einlagen tragen. Bei den meisten Patienten hilft diese Operation, die Schmerzen zu lindern.

Volkmar Jansson

Gute Schuhe und Gymnastik: Tipps für gesunde Füße

  • Wenn die Ferse schmerzt, ist meist eine Reizung der Sehnen im Fuß die Ursache. Auslöser ist häufig ein knöcherner Fortsatz, der sich am Fersenbein bilden kann und im Röntgenbild zu erkennen ist. Nicht immer lässt sich verhindern, dass so ein Fersensporn entsteht. Doch kann jeder selbst etwas dafür tun.
  • Schuhe sollten gut sitzen und nicht drücken. Wenn Sie neue kaufen, probieren Sie diese am besten abends, wenn der Fuß am breitesten ist. Im Bereich der Ferse sollten die Schuhe den Fuß stützen und eine weiche Sohle haben. Auf hohe Hacken sollten Sie möglichst verzichten.
  • Barfußlaufen trainiert die Muskulatur und hilft, Fehlstellungen vorzubeugen. Mit einem Igelball kann man zudem seine Fußsohle massieren. Das fördert die Durchblutung.
  • Fehlstellungen des Fußes sollte man auf keinen Fall ignorieren, sondern unbedingt zum Orthopäden gehen. Bestätigt sich der Verdacht, kann er maßgefertigte Einlagen verordnen, um die Fehlstellung zu korrigieren.
  • Übergewichtige sollten unbedingt versuchen abzunehmen. Denn jedes Gramm zu viel ist auch eine zusätzliche Last für die Füße. Überlastung fördert aber die Entstehung eines Fersensporns.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare