Funsportgerät aus den USA im Test

Asphalt-Carving auf drei Rollen: Kippen und nicht lenken

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EXTRA-TIPP-Redakteur Norman Körtge kommt so langsam in Schwung.

Region Rhein-Main - Trikke heißt das dreirädrige Funsportgerät aus den USA. Der EXTRA TIPP hat es ausprobiert. Von Norman Körtge

Ein Trikke-Fahrer fällt nicht vom Himmel. Das merke ich schnell. Zwar bezeichne ich mich selbstbewusst als sportlich, aber ein Trikke verlangt mehr als nur Kondition und Kraft, nämlich Koordination und eine geschmeidige Hüfte. Beides Dinge, die nicht unbedingt meine Stärken sind. Aber trotz dieser Schwächen: Nach etwa anderthalb Stunden des Verzweifelns, Fluchens und des Beinahe-Aufgebens bewege ich mich im Offenbacher Leonhard-Eißnert-Park schwungvolle S-Kurven fahrend auf dem Trikke vorwärts – und die erfahrene Trikke-Fahrerin Miriam Mindt lobt ihren Fahrschüler.

90 Minuten zuvor enden die ersten Fahrversuche noch sehr erbärmlich. „Lass uns zunächst bergab fahren. Das ist einfacher“, sagt Mindt und rollt nach einem leichten Abstoßen los. Erst mit kleinen Schlangenlinien Fahrt aufnehmend, dann mit größeren Hüftschwüngen immer schneller werdend. Sieht elegant und einfach aus. Also ich hinterher. Ich lenke schön kurvenreich den Hügel herunter und fühle mich schon wie ein Trikke-Fahrer. Bis ich ins Flache komme, der Abfahrtsschwung weg ist, ich immer langsamer werde und aus dem schwungvollen Lenken ein krampfhaftes Hin- und Herreißen des Lenkers wird. Bis ich zum Stillstand komme und Miriam Mindt mir wieder entgegen gefahren kommt. Zeit für die erste Technik-Einheit.

Mit viel Hüftschwung um die Kurve

Das Geheimnis des Trikkefahrens liegt nicht im Kurvenlenken, sondern im Kurvenkippen und viel Hüftschwung. Denn das Trikke ist kein starres Gefährt. Die beiden Trittbretter sind einzeln aufgehängt, so dass der Fahrer damit richtig in die Kurve gehen kann. „Kipp mal den Lenker nach rechts und drücke mit dem linken Bein das nach oben gehende Trittbrett nach unten“, sagt Mindt. Klingt auch erst einmal wieder einfach, erfordert dann aber doch je mehr ich den Lenker nach rechts neige viel Gleichgewichtssinn. Das Ganze selbstverständlich dann auch auf der anderen Seite.

Also nach rechts kippen, nach links unten drücken, nach links kippen, nach rechts unten drücken. „Und dabei schön in die Hüfte gehen“, ruft Mindt mir hinterher, als ich mich auf die Fahrt begebe. Es wird chaotisch. Am Ende kippe ich nach rechts und drücke auch mit dem rechten Bein, und kippe nach links und drücke mit links. Und in die Hüfte gehe ich schon gar nicht. Bis ich wieder stehen bleibe.

„Es ist wie Carven beim Skifahren“, versucht Mindt mir eine Hilfestellungen zu geben. Aber als Nicht-Skifahrer bringt mir das nichts. Es folgt Abfahrt auf Abfahrt. „Kippen, nicht lenken!“, ruft meine Trikke-Lehrerin immer mal wieder. Und: „Mehr in die Hüfte!“ Spaß macht mir das Funsportgerät zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht. Aber der Ehrgeiz ist groß.

Nach und nach werden die Bewegungen dann auch etwas harmonischer, die Koordination klappt immer besser.

Muskelkater

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Ein großes Erfolgserlebnis: Anfahren auf flacher Strecke. Mit etwas schnelleren Lenkbewegungen nach rechts und links, den Oberkörper ein wenig nach vorne gedrückt und schon nimmt das Trikke Fahrt auf. Dann der Übergang von der Lenk- in die Kippbewegungen. Nahezu harmonisch, wenn auch nach wie vor zu hüftsteif, ziehe ich meine S-Kurvenförmige Bahn, mache eine schwungvolle 180-Grad-Kurve und fahre die selbe Strecke zurück. „Es klappt doch“, freut sich Miriam Mindt. Und ja, mir macht es jetzt Spaß, auch wenn ich mich immer noch sehr auf die Bewegungen konzentrieren muss. Die Hüftsteife bleibt.

Dass ich wirklich Sport gemacht habe, merke ich am nächsten Tag, als ich aufstehe: Ein kleiner Muskelkater in den Oberschenkeln, Oberarmen und am Bauch erinnern mich daran, dass ich nicht nur gerollt bin, sondern auch was für den Körper gemacht habe.

Fazit: Leichte Steigung sind mit dem Trikke machbar, aber doch sehr mühsam. Ganz klar – das Trikke ist für flache, glatt-asphaltierte Strecke ohne Hubbel und Risse gemacht. Da ist es wirklich Ganzkörpertraining.

Gesteigert wird der Spaßfaktor erheblich, wenn es bergab geht. Dann ist es wie Abfahrtsski fahren – nur eben auf Asphalt.

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