Experten erklären Vorteile

Hundekauf: Züchter vs Tierheim - ein Vergleich 

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Die französische Bulldogge liegt derzeit stark im Trend. Die Nachfrage bei den Züchtern ist groß. Im Tierheim dagegen bekommen Interessierte auch ältere Hunde.

Einen Hund aus dem Tierheim oder lieber vom Züchter? Viele zukünftige Herrchen und Frauchen stehen vor dieser Entscheidung. Der EXTRA TIPP gibt Tipps, wie man die richtige Wahl trifft und was man beim Aussuchen eines Hundes beachten muss. Von Fabienne Seibel 

Vor dem Kauf eines Hundes gibt es vieles zu bedenken. „Zunächst sollte man sich klar darüber werden, welche Hunderasse zu einem passt und ob man wirklich bereit dazu ist, sich für sein Tier im Alltag einzuschränken“, sagt Simone Faust, stellvertretende Leiterin des Frankfurter Tierheims. Sobald die Entscheidung gefallen ist, stehen zukünftige Hundebesitzer vor vielen Fragen: Einen Hund vom Züchter oder aus dem Tierheim? Welcher Hund passt besser zu mir und woran erkennt man, ob das Tierheim oder der Züchter vertrauenswürdig sind? Die Meinungen darüber, ob man sich einen Welpen vom Züchter oder einen Vierbeiner aus dem Tierheim zulegen sollte, gehen auseinander.

Udo Kopernik, Vorstandsmitglied vom Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) rät: „Generell dürfen zukünftige Hundebesitzer nicht den Fehler begehen, die Entscheidung nach dem Aussehen des Hundes zu fällen. Wichtig für ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Hund sind die Eigenarten des Tieres.“ Sobald das geklärt ist, lässt sich Kopernik zufolge schon gut eingrenzen, welche Art Hund infrage kommt. Wie man seinen Wunschhund findet, worauf es beim Kennenlernen mit dem Vierbeiner ankommt und woran man seriöse Tierheime und Züchter erkennt, verrät der EXTRA TIPP.

Vor- und Nachteile beim Züchter

Wie auch bei den Tierheimen gibt es, Kopernik zufolge, bei der Hundezucht viele unseriöse Angebote. „Viele Hundewelpen werden heutzutage an der Autobahnraststätte mit falschen Papieren verkauft. Darauf darf man sich auf keinen Fall einlassen. Auch Massenzuchten sollten nicht unterstützt werden.“ Auch der Dietzenbacher Hundetrainer Oliver Härtel ergänzt: „Auch von Modetrends darf man sich bei der Auswahl eines Hundes nicht leiten lassen, denn damit wiederum wird die Massenzucht unterstützt, in der die Tiere als regelrechte Geburtenmaschinen missbraucht werden.“ Deshalb rät Kopernik: „Auf der Suche nach einem seriösen Züchter wendet man sich am besten an örtliche Hundeverbände. Dort gibt es Listen mit Empfehlungen.“

Udo Kopernik vom VDH und Hundetrainer Oliver Härtel wissen, worauf es beim Gang zum Züchter und der Auswahl eines Hundes ankommt:

1. Vorteil beim Kauf eines Rassehundes vom Züchter: Man kann sich schon im Vorhinein über die typischen Eigenschaften einer bestimmten Rasse informieren und dann prüfen, ob ein solcher Hund in den eigenen Alltag passt.

Charaktereigenschaften sind wichtig

2. Kopernik: "Ein Hundewelpe zeigt schon kurz nach seiner Geburt Charaktereigenschaften, die für den Rest seines Lebens bestehen bleiben. Deshalb ist es wichtig, sich als Käufer auf den Rat vom Züchter einzulassen, welcher der Welpen aus seinem Wurf am besten zu einem passt.“

3. Seriöse und gute Züchter sind meist Mitglied in Verbänden. Damit sind auch Kontrollen durch den zuständigen Verband gewährleistet. Kopernik: „Die örtlichen Begebenheiten der Zucht werden überprüft und es gibt nach jedem Wurf der Mutterhündin sogenannte Wurfbesichtigungen.“ Bei Problemen hat man außerdem einen Ansprechpartner.

4. Beim Besuch beim Züchter sollte ein besonderes Augenmerk auf der Mutterhündin liegen. Härtel: „Die Hündin sollte man sich genau betrachten, denn sie gibt das meiste Erbgut weiter.“ Außerdem sollte man testen, wie die Welpen auf Umweltreize, wie zum Beispiel Autos, reagieren. Zudem sollte ein Ahnennachweis vorliegen. Besonders wichtig: Den ins Auge gefassten Hund mehrmals besuchen, damit sich Hund und Mensch besser kennenlernen können. So vermeidet man böse Überraschungen nach dem Kauf. Kosten für einen Hund vom Züchter: Etwa 1000 bis 1200 Euro.

Vor- und Nachteile beim Tierheim

Hunde aus Tierheimen haben mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen. Simone Faust vom Frankfurter Tierheim kennt das Problem. „Viele Leute sind von vornherein skeptisch, warum ein Hund überhaupt im Tierheim ist, und sind davon abgeschreckt.“ Doch der Abgabegrund liegt oft nicht beim Tier selbst. Udo Kopernik vom Verband für das deutsche Hundewesen: „Die Leute unterschätzen häufig, wie viel Arbeit mit einem Hund auf sie zukommt und geben ihn deshalb wieder im Tierheim ab.“ Auch auftretende Hundehaarallergien bei den Besitzern sind eine häufige Begründung für die Abgabe des Tiers im Heim. Oliver Härtel, Hundetrainer aus Dietzenbach, wendet ein: „In Tierheimen gibt es viele tolle Hunde, trotzdem ist es ein kleiner Nachteil, dass man manchmal nicht viel über die Vorgeschichte der Tiere weiß.“ Sabine Trebicky von der Tierschutzorganisation PETA hält dagegen: „Wer einen Welpen beim Züchter kauft, nimmt den oft bereits erwachsenen Hunden in den Tierheimen jede Chance auf eine neue Familie.“

Um es für Herrchen und Hund einfacher zu machen, weiß Härtel, was zukünftige Hundebesitzer beim Gang ins Tierheim beachten müssen:

1. Härtel: „Im Tierheim zählt meistens der erste Eindruck, also ob der Hund einem optisch gefällt und wie er sich beim Gassi gehen verhält. Doch nur davon darf man sich nicht leiten lassen.“

Tierheim-Hunde nicht alle Problem-Tiere

2. Die Pfleger müssen ausreichend Infos über die einzelnen Hunde parat haben und beratend zur Seite stehen. „Wenn sie erkennen, dass die Eigenschaften des ausgesuchten Tieres nicht mit dem Alltag und den Vorstellungen des Interessenten zusammenpassen, sollte der Hund nicht vermittelt werden“, so Härtel.

3. Härtel warnt: „Ein Hund zeigt erst nach vier bis sechs Wochen im neuen Zuhause sein wahres Gesicht und seine Macken. Deshalb sollte man nicht beim ersten Aufeinandertreffen darauf schließen, dass sich der Hund Zuhause genauso verhält wie im Tierheim.“ Um sich aneinander zu gewöhnen, sind mehrere Besuche bei dem Hund im Tierheim notwendig.

4. Um die Vorurteile über Hunde aus dem Ausland zu entkräften sagt Härtel: „Hunde, die in ihrer Heimat auf der Straße gelebt haben, sind oft sehr sozial verträglich, weil sie mit anderen Straßenhunden zusammengelebt haben.“ Kosten für einen Tierheim-Hund: Etwa 200 bis 400 Euro.

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