Seit sechs Jahren obdachlos

So überlebt er bei Minus 15 Grad auf Frankfurts Straßen

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Mit blauer Mütze, eingewickelt in eine Decke, sitzt der Obdachlose Reiner auf einer Pappe vor der Liebfrauenkirche in Frankfurt und freut sich über eine kleine Geld-Spende in seinem Becher

Frankfurt – Bei Minusgraden beginnt für Reiner der Kampf ums Überleben. Der 43-jährige Frankfurter ist seit sechs Jahren obdachlos. Um ihn und Andere vor dem Erfrieren zu bewahren, ziehen die Caritas-Streetworker auch bei eisigen Temperaturen durch Frankfurts Straßen. Von Angelika Pöppel

Bei Minus sechs Grad sitzt Reiner auf einer Pappe an der Liebfrauenkirche in Frankfurt. Mit einer dünnen Decke um die Beine gewickelten, dicker Jacke, Mütze und Handschuhen hält sich der Obdachlose warm. „Es ist krass“, im Winter auf der Straße, sagt der 43-Jährige. Nachts zieht er um in die B-Ebene der Hauptwache. Ab 22 Uhr erlaubt die Stadt Obdachlosen dort, ihr Schlaflager aufzubauen.

Seit sechs Jahren überlebt Reiner auf der Straße

„Ich komme klar“, sagt Reiner. Seit sechs Jahren lebt er „auf Platte“ – also, auf der Straße. Bereits seit drei Jahren kennt ihn Streetworker Norbert Cichon vom Zentrum für Wohnungslose. Die Mitarbeiter der Caritas-Einrichtung beraten Wohnungslose und geben ihnen eine Postanschrift, damit sie sich beim Sozialamt anmelden können. Allein 52 Obdachlose stehen auf der Liste der Caritas in Frankfurt.

Caritas Streetworker versuchen zu helfen

Ein Schlafplatz eines Obdachlosen verbirgt sich unter einer Treppe an der Hanauer Landstraße.

Der Streetworker Norbert Cichon hält bei Wind und Wetter Ausschau nach Hilfebedürftigen. Er kennt viele Wohnungslose – besser oder schlechter. Er spricht sie ohne Berührungsangst auf der Straße an und fragt, ob es ihnen gut geht. Er bietet ihnen Schlafsäcke und Decken an. Der Sozialarbeiter versucht einen Kontakt aufzubauen und über die Hilfseinrichtungen zu informieren. Oft kennt Norbert Cichon die Wohnungslosen schon viele Jahre und dann kommen sie auf einmal zur Beratung. Doch „viele wollen gar keine Hilfe annehmen“, sagt er. So auch Reiner. Er bleibt an der Liebfrauenkirche sitzen und freut sich über die Spenden in der Adventszeit: „Jetzt geben die Leute mehr.“

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