Dresden soll bald gut vor großem Stromausfall geschützt sein

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Bei Kerzenlicht nur noch Geräte mit Akku oder Batteriebetrieb nutzen – so sieht die Realität beim Stromausfall in Deutschland aus. Moderne Kraftwerke verkürzen die Zeit, die die Anwohner im Dunkeln verbringen müssen.

Die sächsische Hauptstadt Dresden bekommt ein neues Kraftwerk. Dieses soll, dank Gasmotoren anstelle von klassischen Turbinentriebwerken, die Stadt bei einem Stromausfall schnell wieder versorgen können.

Außerdem dient es als Ausgleich für die Anlagen, die mit erneuerbaren Energien arbeiten, da diese beispielsweise nachts weniger Strom produzieren. Die Stadtwerke Dresden arbeiten hierzu mit einer finnischen Firma zusammen, die ein ähnliches System bereits in Ruanda erfolgreich betreibt. Alle Fakten zum neuen Kraftwerk gibt es hier.

Ein Stromausfall in Dresden wäre verheerend

Mehr als 500.000 Menschen könnten gleichzeitig ohne Strom sein. Nicht nur Privathaushalte, auch Firmen, Supermärkte, Krankenhäuser wären von einem Stromausfall betroffen. Die Folgen eines solchen Blackouts sind verheerend: Kühlräume arbeiten nicht mehr, lebenserhaltende Maßnahmen bei Todkranken könnten ausfallen. Das heimische W-LAN, das es nicht mehr ermöglicht, Netflix zu schauen, ist hingegen eine Lappalie. Nicht wenige Haushalte heizen mit Strom, haben viele elektrische Geräte und benötigen somit dringend einen funktionierenden Stromkreislauf. Nicht zuletzt deshalb hat DREWAG nun den Bau eines neuen Kraftwerkes in Gang gebracht. So sollen die Dresdner keinen langfristigen Stromausfall mehr fürchten müssen. Falls es doch zu einem länger andauernden Blackout kommt, hat das Brand- und Katastrophenschutzamt der Stadt Dresden eine Checkliste veröffentlicht, die hilfreiche Tipps zu Vorsorge und Verhalten im Katastrophenfall liefert.

Tipp: Auch Strom soll nicht das ganze Portemonnaie kosten. Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig online Strompreise zu vergleichen. So finden Dresdner den günstigsten Stromanbieter in ihrer Region und können schnell und unkompliziert wechseln.

Wer baut das neue Kraftwerk?

Nach einer üblichen, europaweiten Ausschreibung der Dresdner Stadtwerke im Jahr 2018 erhielt die finnische Firma „Wärtsilä“ den Zuschlag für den Bau des neuen Kraftwerkes. Das Unternehmen arbeitet mit modernster Technik sowie innovativen Gasmotoren, die sonst im Schiffsbau eingesetzt werden. Das Projekt schlägt mit 95 Millionen Euro zu Buche. Am 14. Januar unterschrieben Frau Gefrerer und Dr. Brinkmann, die Geschäftsführer der Dresdner Stadtwerke, die Verträge und somit kann die finnische Firma bald mit dem Bauprojekt starten. Zielsetzung ist, dass das neue Heizkraftwerk im Jahr 2021 in Betrieb genommen werden kann. Zusätzlich zum Bau unterschrieben beide Parteien einen Instandhaltungsvertrag für die Gasmotorenanlagen, der mindestens zehn Jahre laufen soll.

Bevor der Bau im Sommer dieses Jahres beginnen kann, muss die DREWAG Vorbereitungsarbeiten ausführen: Die DREWAG NETZ verlegt derzeit Hochspannungskabelstrecken, um die Energie des Kraftwerks in die Dresdner Ringleitung einspeisen zu können. Diese versorgt die sächsische Landeshauptstadt. Ein neues Umspannwerk in Reick ist ebenfalls bereits im Bau. Es soll den vermehrten Strombedarf für den Innovationsstandort gewährleisten. Zugleich ermöglicht es das Umspannwerk, das neue Heizkraftwerk an das Hochspannungsnetz anzuschließen.

Das finnische Unternehmen baut im Anschluss an diese Vorarbeiten in Dresden Reick die dritte Anlage in Deutschland und international das zweite große Heizkraftwerk, das mit der modernen Gasmotorentechnologie betrieben wird. Das erste dieser Kraftwerke steht in Ruanda und produziert dort bereits mit einer ähnlichen Technologie Energie. Wärtsilä hat seinen Hauptsitz in Helsinki, in Deutschland betreibt das Unternehmen mit weltweit 18.000 Mitarbeitern derzeit sieben Niederlassungen. Dazu zählen sowohl Service Center als auch Vertriebsstellen. Neben den beschriebenen Energielösungen sind die Finnen zudem in der Schifffahrt tätig.

Das Kraftwerk wird von Wärtsilä mit acht Gasmotoren des Typs „W20V31SG“ ausgestattet, die eine Leistung von insgesamt rund 90 Megawatt erreichen. Zudem enthält das neue Kraftwerk moderne Abgasreinigungsanlagen. Zunächst soll es vor allem die bekannte Anlage an der Nossener Brücke unterstützen. Die DREWAG plant allerdings, dass das neue Kraftwerk das alte ab 2035 ablösen kann. Dresden wird mit der neuen Technologie zum deutschen Vorreiter in Sachen Energieeffizienz. Übrigens: Die EU möchte hier nachziehen und die Energieeffizienz in den kommenden Jahren bis 2030 signifikant steigern, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die Vorteile des neuen Heizkraftwerks

Die neue Heizkraftanlage wird der Stadt Dresden verschiedene neue Vorteile bringen, die mit alten Anlagen nicht erreichbar waren. Folgende Punkte machen das Kraftwerk einzigartig für die Region:

  • Der erste große Vorteil liegt bereits im Namen: Neben Strom produziert das Kraftwerk Fernwärme, die zum Heizen genutzt wird. Dabei bleiben die Fernwärmepreise laut Dr. Frank Brinkmann gleich.
  • Das Heizkraftwerk produziert künftig punktuell und minütlich Strom – immer dann, wenn er am dringendsten benötigt ist. Das Heizkraftwerk schafft so einen Ausgleich zu den erneuerbaren Energien. Wenn also Windkraft- oder Solaranlagen aus verschiedenen Gründen keine oder unzureichend Energie liefern, springt das neue Kraftwerk ein und gleicht diesen Ausfall schnell und problemlos aus.
  • Da das Kraftwerk mit Gasmotoren anstatt Turbinentriebwerken ausgestattet ist, ist ein sogenannter Schwarzstart kein Problem. Das bedeutet, dass das Kraftwerk im Falle eines Blackouts innerhalb weniger Minuten wieder voll leistungsfähig arbeiten kann. So werden großflächige Stromausfälle durch das neue Kraftwerk abgefangen. Der Neustart erfolgt innerhalb von 30 Sekunden, nach maximal fünf Minuten ist die volle Leistung wieder da.
  • Dank der modernen Maschinen produziert das neue Kraftwerk ab 2021 besonders sicheren und sauberen Strom, der für die Dresdner Bürger zudem bezahlbar bleibt. Auch die Effizienz der Anlage ist ausnehmend hoch, nicht zuletzt aufgrund der verbauten Motoren.

Als einziger möglicher Nachteil ist wohl das Bauwerk selbst zu nennen. In zwei Jahren werden in Dresden Reick zwei etwa 60 Meter hohe Schornsteine zu sehen sein, die das Heizkraftwerk weithin sichtbar machen. Im Vergleich zu den Vorteilen, die die neue Anlage mit sich bringen, ist dies jedoch zu verschmerzen. Und nicht zuletzt wegen des neuen Kraftwerks wird der Standort schon heute als „Innovationskraftwerk Reick“ bezeichnet. Die Dresdner Stadtwerke haben dort nämlich in der jüngeren Vergangenheit bereits andere moderne und innovative Energietechnologien installiert.

Mehr aus Region: Dresden: Zoll hält tschechischen Transporter an - Horror-Fund an der A44, wie extratipp.com* berichtet.

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