"Flappy Bird"-Wahnsinn

90.000 Dollar für iPhone mit Gratis-Spiel?

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"Flappy Bird" hatte für seine vielen User hohes Suchtpotenzial.

Berlin - Der Entwickler des Spiels „Flappy Bird“ hat die App-Charts im Sturm erobert - und macht nun einen Rückzieher, weil er vom Erfolg überwältigt worden sei. Das hat ungeahnte Folgen.

Es ist ein außergewöhnlicher Fall: Das zuletzt populärste Smartphone-Spiel „Flappy Bird“ ist von seinem Entwickler vom Markt zurückgezogen worden - weil es zu erfolgreich geworden sei. „Es macht mein einfaches Leben kaputt“, schrieb Dong Nguyen beim Kurznachrichtendienst Twitter. „Also hasse ich es jetzt.“

Am Sonntagabend verschwand das Game - wie einen Tag zuvor angekündigt - aus den Download-Plattformen. Der Entwickler verzichtet damit auf potenzielle zukünftige Einnahmen: „Flappy Bird“ habe zuletzt Werbeerlöse von 50.000 Dollar pro Tag eingebracht, sagte er vergangene Woche dem Technologieblog „The Verge“.

In dem Spiel mit der ungewöhnlich schwierigen Steuerung muss ein Vogel im klobigen 8-Bit-Retro-Look durch Lücken zwischen grünen Rohren durchfliegen.

90.000 Dollar für ein "Flappy Bird"-Handy geboten

Nutzer, die das Spiel bereits bei iTunes oder Google Play heruntergeladen haben, können es weiter spielen. Viele Gamer, die das Spiel jedoch noch nicht besitzen, suchen jetzt auf Auktionsportalen wie eBay fieberhaft nach alten Handys, auf denen das Spiel bereits installiert ist. Dabei starten die Gebote bei etwa 300 US-Dollar (etwa 220 Euro).

Ein Anbieter eines iPhone 5S kann derzeit sogar mit der unglaublichen Summe von 90.000 Dollar (knapp 66.000 Euro) rechnen, nachdem sich 18 Spielefanatiker innerhalb eines Tages immer weiter selbst überboten haben, berichtet der britische Guardian. Zur Erinnerung: Das Spiel war ursprünglich im App-Store von Apple gratis zu erwerben. Ein nagelneues iPhone 5S mit 16 GB kostet derzeit etwa 475 Euro. Die Auktion soll nach 24 Stunden geschlossen werden. Ob sie regulär verlief, wird sich zeigen.

Spekulationen über rechtliche Gründe

Der Weg des Spiels an die Spitze der App-Charts war untypisch: Es erschien bereits im Frühsommer 2013 und fand zunächst so gut wie keine Beachtung. Zum Jahresende wurde es plötzlich immer häufiger heruntergeladen und stieg in den Ranglisten nach oben, danach befeuerten Medienberichte über den Überraschungserfolg die Downloads weiter.

Der steile Aufstieg warf Fragen auf. So vermutete App-Entwickler Carter Thomas in einem Blogeintrag, automatisierte Downloads könnten „Flappy Bird“ nach oben gehievt haben. Der vietnamesische Entwickler Nguyen konterte solche Vorwürfe mit dem Gegenargument, Apple würde Tricks dieser Art nicht durchgehen lassen.

Ebenso gab es Spekulationen über die Gründe für den abrupten Stopp. So will die Website „Apple'N'Apps“ erfahren haben, dass der japanische Spielespezialist Nintendo darauf gedrungen habe. Die Rohre sehen denen aus Nintendos Super-Mario-Spielen sehr ähnlich.

Das Zurückziehen des Spiels habe nichts mit rechtlichen Problemen zu tun, erklärte der Entwickler bei Twitter. Er werde „Flappy Bird“ auch nicht an andere verkaufen. Schon vor einer Woche hatte Nguyen geschrieben, der Erfolg seines Spiels werde überbewertet und darum gebeten, in Ruhe gelassen zu werden. Allerdings sind inzwischen auch zwei weitere seiner Spiele zu Hits geworden: „Super Ball“ stand zuletzt auf Platz 3 in den amerikanischen iTunes-Charts und „Shuriken Block“ auf dem 17. Rang.

Unterdessen versuchen andere Entwickler, als Trittbrettfahrer von dem verschwundenen Hit zu profitieren: In den Download-Plattformen tauchten verschiedene Spiele mit ähnlichen Namen wie „Flappy Plane“, „Flappy Bee“ oder „Flappy Penguin“ auf.

dpa/hn

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