"Second Screen"

TV-Debatte in den USA schlägt hohe Wellen im Netz

+
Barack Obama und Mitt Romney haben nicht allein diskutiert: Das erste TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten wurde von Millionen Menschen mit eigenen Diskussionsbeiträgen begleitet.

Denver - Obama und Romney stellen mit ihrem ersten Fernsehduell einen neuen Twitter-Rekord auf. Das TV-Publikum schaut nicht nur zu, sondern beteiligt sich im Internet an der Debatte.

Barack Obama und Mitt Romney haben nicht allein diskutiert: Das erste TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten wurde von Millionen Menschen mit eigenen Diskussionsbeiträgen begleitet. Innerhalb von 90 Minuten wurden allein im Internet-Dienst Twitter 10,3 Millionen Beiträge dazu veröffentlicht. Kein politisches Ereignis hat bisher so viel Resonanz auf Twitter gefunden wie die Fernsehdebatte in der Nacht zum Donnerstag.

Getwittert hat auch Popstar Lady Gaga, die ihren inzwischen mehr als 30 Millionen auf Twitter versammelten Fans kurz vor Beginn der Debatte schrieb: „Bevor das anfängt, ist der Hinweis wichtig, dass Romney ein Millionär ist, aber mit 13,9 Prozent deutlich weniger als den durchschnittlichen Steuersatz zahlt.“ Das wurde mehr als 3000 Mal weitergetragen, „retweetet“, wie es bei Twitter heißt.

Etwas weniger Resonanz fand die meist beachtete Twitter-Äußerung von Barack Obama: „Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Plan hat, um die Wirtschaft für jeden wachsen zu lassen - aus der Mitte heraus - und das ist Präsident Obama“. Der Kandidat der Demokraten forderte dazu auf, diesen „Tweet“ weiterzusenden. Dem folgten aber bis Donnerstag früh nur 2626 Personen.

Derweil ächzte die Facebook-Seite von Mitt Romney unter der Last von mehr als 8400 Kommentaren - meist von seinen Anhängern, aber auch von Sympathisanten Obamas. Der Herausforderer schrieb dort zur TV-Debatte: „Eine klare Wahl. Amerika kann sich nicht vier weitere Jahre wie diese leisten.“ Der Kandidat der Republikaner verband dies mit der Aufforderung, 15 Dollar zu spenden - in die Schlussphase des Wahlkampfs wollen beide Kandidaten noch einmal sehr viel Geld hineinstecken. „Mitt, du hast das toll gemacht“, lobte eine Anhängerin den TV-Auftritt Romneys.

Die Verbindung von Fernsehen mit gleichzeitiger Internet-Nutzung wird als „Second Screen“ bezeichnet: Der zweite Bildschirm - meist ein Smartphone oder ein Tablet-Computer - wird zur ergänzenden Information oder zum Austausch über das TV-Geschehen genutzt. Jeder fünfte Fernsehzuschauer in Deutschland gab bei der Erhebung für die ARD/ZDF-Onlinestudie an, während des TV-Konsums häufig im Netz unterwegs zu sein. Zwölf Prozent tauschen sich dort zumindest ab und zu über die gerade laufende Sendung aus.

Was bisher schon beim „Tatort“ oder bei der Talkshow von Günther Jauch gängige Praxis ist, könnte im nächsten Jahr auch den Bundestagswahlkampf im Fernsehen begleiten. Die beiden Spitzenkandidaten halten sich zwar bislang zurück, dafür sind etliche Politiker in der zweiten Reihe umso aktiver. „Ganz klar wird Twitter den kommenden Wahlkampf beeinflussen“, sagte Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Es wäre ein schwerer Fehler, den Einfluss von Twitter auf die Debatten im Wahlkampf zu unterschätzen. „Allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass Kandidaten via Twitter natürlich auch negative Schlagzeilen produzieren können.“

Im lauten Rauschen des Twitter-Universums sind diejenigen Stimmen am lautesten, die am häufigsten „retweetet“ werden. Zu ihnen gehörte beim TV-Duell auch Rick Santorum, der sich vergeblich um die Präsidentenkandidatur der Republikaner bemüht hatte und nun dem siegreichen Kontrahenten Respekt zollte: „Romney hat es gerockt!“ Viel Resonanz fand auch ein unter dem Namen von Darth Vader auftretender Science-Fiction-Fan mit der Einschätzung: „Wenn die Debatte zur Präsidentschaftswahl mit einer Laserschwert-Schlacht enden würde, würden noch mehr Leute zuschauen.“

dpa

Kommentare