Astronomie

Forscher finden Wasserdampf auf Jupiter-Mond Europa - gibt es dort auch Leben?

+
Der Jupiter-Mond Europa, aufgenommen von der Nasa-Sonde „Galileo“. Forscher haben auf Europa Wasserdampf entdeckt.

Der Jupiter-Mond Europa gilt als ein Kandidat, den die Nasa auf der Suche nach Leben ins Visier genommen hat. Nun geben Forscher bekannt, dass sie Wasserdampf auf Europa entdeckt haben.

Es sind vierzig Jahre vergangen, seit die Raumsonde „Voyager“ die ersten Nahaufnahmen des Jupiter-Monds Europa zur Erde schickte. Europa ist einer von 79 Jupiter-Monden, Raumfahrt-Missionen haben bisher genug über den Mond herausgefunden, um ihn zu einem wichtigen Ziel in der Suche nach Leben zu machen.

Der Mond Europa interessiert die Forscher besonders, weil die Möglichkeit besteht, dass dort alle nötigen Zutaten für Leben existieren. Eine wichtige Zutat haben die Forscher auf Europa gerade erst entdeckt: Wasser, in Form von Dampf. Bisher hatten Forscher zwar Hinweise darauf, dass flüssiges Wasser unter der eisigen Oberfläche Europas existiert und dass es manchmal in großen Geysiren ausbricht*. Jedoch konnte niemand nachweisen, dass auch an der Oberfläche des Mondes Wassermoleküle vorhanden sind.

Genau das ist nun einem internationalen Forscherteam gelungen. Das Team vom Goddard Space Flight Center der Nasa hat nun erstmals Wasserdampf auf der Oberfläche des Jupiter-Mondes Europa entdeckt. Gelungen ist das mit Hilfe eines der größten Teleskope der Welt: Die Forscher nutzten das Keck-Teleskop, das auf dem Vulkan Mauna Kea auf Hawaii steht.

Jupiter-Mond Europa stößt Wasser aus - gibt es auch Leben?

Wie die Forscher in einem Bericht im Magazin „Nature Astronomy“ schreiben, stößt Europa 2.360 Kilogramm Wasser pro Sekunde aus - genug, um ein olympisches Schwimmbecken innerhalb von Minuten zu füllen. Die Forscher haben jedoch auch herausgefunden, dass das Wasser in unregelmäßigen Abständen auftaucht. In 17 Beobachtungsnächten in den Jahren 2016 und 2017 haben die Forscher um den Nasa-Planetenforscher Lucas Paganini nur ein Mal das Signal des Wasserdampfs entdecken können.

Dazu nutzten sie ein Spektogramm, das das Keck-Teleskop erstellt hat. Gemessen wurde die chemische Zusammensetzung des Mondes Europa anhand des Infrarot-Licht, das der Himmelskörper abgibt. Moleküle wie Wasser geben spezielle Frequenzen infraroten Lichts ab, wenn sie mit der Sonnenstrahlung reagieren.

Jupiter-Mond: NASA will in eisigen Ozeanen nach außerirdischem Leben suchen

Jupiter-Mond Europa: Gibt es einen salzigen Ozean unter der Oberfläche?

Noch bevor die Forscher den Wasserdampf auf Europa entdeckt hatten, gab es zahlreiche spannende Entdeckungen rund um den Himmelskörper: Messungen der Nasa-Mission „Galileo“ deuteten an, dass es einen salzigen Ozean unter der Oberfläche Europas geben muss, der für magnetische Störungen sorgt. 2013 fanden Wissenschaftler mit Hilfe des Weltraumteleskops „Hubble“ die chemischen Elemente Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) - beides Bestandteile von Wasser (H2O) - in der Atmosphäre Europas.

Wasserdampf in fremden Welten zu entdecken, ist kompliziert. Existierende Raumsonden haben nur eingeschränkte Möglichkeiten dafür. Forscher, die erdbasierte Teleskope nutzen, um Wasser in den Tiefen des Weltalls zu finden, müssen eine verzerrende Wirkung des Wassers in der Erdatmosphäre berücksichtigen. „Letztendlich müssen wir näher an Europa herankommen, um zu sehen, was wirklich los ist“, sagt Avi Mandell, der an der Forschung beteiligt war.

Jupiter-Mond Europa ist ein wichtiges Ziel bei der Suche nach Leben

Tatsächlich ist der Mond Europa für die Nasa ein wichtiges Ziel bei der Suche nach Leben im Universum. „Zwei von drei Bausteinen des Lebens wurden überall im Sonnensystem gefunden. Aber die dritte - flüssiges Wasser - ist einigermaßen schwer jenseits der Erde zu finden“, so Studienleiter Paganini. „Während wir noch keine direkte Beobachtung von flüssigem Wasser gemacht haben, haben wir die zweitbeste Sache gefunden: Wasser in Dampfform.“

Bald werden Forscher die Gelegenheit haben, den Jupiter-Mond* Europa aus der Nähe zu erkunden: 2025 soll die Nasa-Mission „Europa Clipper“ zum Jupiter*-Mond aufbrechen und ihn erforschen. Der Plan sieht vor, dass „Europa Clipper“ die Oberfläche, das Innere und die dünne Atmosphäre des Mondes untersuchen soll. Auch der unterirdische Ozean und Moleküle der Atmosphäre sollen von der Raumsonde analysiert werden. Weiterhin soll „Europa Clipper“ eine geeignete Landestelle für künftige Landemissionen suchen. Dann könnte ein Lander Proben nehmen, die dabei helfen sollen, die Geheimnisse des Jupiter-Mondes Europa zu entschlüsseln.

Wasserdampf auf Jupiter-Mond Europa

Was ist los im Universum? Leseempfehlungen bei fr.de*

Das Schwarze Loch Sagittarius A* in unserer Milchstraße wird gefräßig und leuchtet hell auf. Die Forscher rätseln über den Grund. Ein anderes schwarzes Loch ist so massereich, dass es alles anzieht, was ihm zu nahe kommt. Nun haben Forscher erstmals beobachtet, wie ein schwarzes Loch einen Stern zerreißt. Außerdem haben Forscher drei schwarze Löcher gefunden, die im Begriff sind, miteinander zu verschmelzen. Nun hoffen sie, weitere Systeme schwarzer Löcher zu finden.

Auch Asteroiden sind ein großes Thema: Der Asteroid (6478) Gault verhält sich sehr merkwürdig. Forscher, die ihn deshalb beobachten, können in Echtzeit ein noch deutlich mysteriöseres Verhalten beobachten. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein Asteroid, der weit von der Erde entfernt zerbrochen ist, weitreichende Folgen für unseren Planeten hatte. Ein Asteroiden-Einschlag vor 66 Millionen Jahren hat die Dinosaurier ausgelöscht. Nun wissen Forscher mehr darüber, was direkt nach dem Aufprall passiert ist.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare