Internet-Satelliten

SpaceX-Satelliten sind über Deutschland zu sehen und lösen Ufo-Meldungen aus

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Die „Starlink“-Satelliten von SpaceX ziehen ihre Spuren am Himmel über Ungarn. Die Spuren sind so lang, weil es sich um eine Langzeitbelichtung handelt.

Wie an einer Schnur ziehen die Internet-Satelliten von SpaceX über den Himmel und sorgen für erste Ufo-Meldungen. Offenbar haben Kritiker Recht mit ihren Befürchtungen.

Update vom 6. Dezember, 13.00 Uhr: Auch in den vergangenen Tagen konnte man die „Starlink“-Satelliten am Morgenhimmel über Deutschland sehen - und weiterhin löst der ungewöhnliche Anblick Meldungen bei der Ufo-Meldestelle aus. „Sie leuchteten wie Sterne am Himmel und ich war überrascht das sie sich bewegten und dann nahm ich die Formation wahr“, schrieb einer, der die Satelliten von SpaceX gesehen hat, in einer Nachricht an die Meldestelle.

Satelliten von SpaceX morgens über Deutschland zu sehen

Erstmeldung vom 4. Dezember 2019: Lichter, hell wie Sterne, ziehen über den Nachthimmel - eins nach dem anderen, aufgereiht wie an einer Kette: Die Internet-Satelliten von SpaceX sind derzeit am Morgenhimmel über Deutschland zu sehen und sorgen immer wieder für Verwirrung. Es gab bereits einige Meldungen bei der Ufo-Meldestelle. Von einer „Perlenschnur ähnlicher Sternenspur“ ist in den Meldungen die Rede oder von einer „Perlenkette“. Auch in Cornwall gab es kürzlich Sichtungen der Satelliten, die größere Verwirrung stifteten, bis letztendlich aufgelöst werden konnte: Es handelte sich um die Satelliten-Formation „Starlink“ von SpaceX.

Kurz nachdem SpaceX, das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, im Mai 2019 die ersten 60 „Starlink“-Internetsatelliten ins All schickte, kursierten erste Aufnahmen der Satelliten bei Nacht: Sie zogen – wie aufgereiht auf einer Perlenkette – über den Nachthimmel. Während SpaceX-Gründer Musk beschwichtigte, befürchteten Kritiker das Schlimmste: „Starlink“ und andere geplante Konstellationen von Internet-Satelliten würden den Nachthimmel „vermüllen“, die hellen Satelliten würden nicht nur dem Laien-Himmelsbeobachter den Himmel verleiden, sondern auch die professionelle Astronomie massiv beeinträchtigen*.

Wie eine „Perlenkette“: „Starlink“-Satelliten von SpaceX deutlich zu sehen

Die Internationale Astronomische Union (IAU) mahnte* bereits nach dem Start der ersten 60 Satelliten* das „Prinzip eines dunklen und funkstillen Himmels“ an, auch als „Ressource für die gesamte Menschheit und auch zum Schutz nachtaktiver Tiere“. Zwischenzeitlich hat sich die Zahl der „Starlink“-Satelliten von SpaceX, die die Erde umkreisen, verdoppelt: Mitte November hat Elon Musk den zweiten Schwung „Starlink“-Satelliten ins All starten lassen und diese 60 Satelliten sind es hauptsächlich, die man derzeit nachts und am frühen Morgen am Himmel sehen kann.

In den kommenden Tagen kann man die SpaceX-Satelliten von Frankfurt aus morgens im Westen sehen (Uhrzeiten und Himmelsrichtung können für andere Standorte variieren, hier kann man die Überflüge berechnen).

SpaceX-Satelliten: Beobachtungszeiten für die kommenden Tage

  • Sonntag, 8.12.2019: gegen 7:34 Uhr in westlicher Richtung
  • Dienstag, 10.12.2019: gegen 6:51 Uhr in westlicher Richtung
    (Die Werte wurden mit diesem Tool berechnet, die Uhrzeiten können um +/- zehn Minuten variieren)

Offenbar sind die SpaceX-Satelliten am Himmel derzeit deutlich heller zu sehen, als erwartet. Wie Beobachter festgestellt haben, sind 20 der Satelliten nach dem Start kontinuierlich gestiegen und befinden sich in einer Höhe von etwa 400 Kilometern. 40 weitere SpaceX-Satelliten befinden sich dagegen bereits seit einiger Zeit auf einer Höhe von etwa 350 Kilometern. SpaceX äußert sich nicht dazu, wie sich die Satelliten bewegen.

Internet-Satelliten von SpaceX haben Nachthimmel bereits verändert

Unabhängig davon, was SpaceX und Elon Musk zu den „Starlink“-Satelliten sagen oder nicht sagen: Bei vielen Astronomen und Himmelsguckern herrscht mittlerweile das Gefühl, dass sich der Nachthimmel bereits jetzt verändert hat. Er habe das Gefühl, dass sich „sein“ Himmel verändert habe, „dass der Himmel, mit dem ich aufgewachsen bin, nicht mehr ist“, fasst der Amateurastronom und Astronomie-Autor Stuart Atkinson seine Gedanken auf Twitter zusammen. „Früher war der Himmel friedlich, ein Ort von ruhiger Schönheit. Jetzt ist es dort oben so voll mit Satelliten, die wie Einkaufswagen an Heiligabend durch einen Supermarkt huschen. Es fühlt sich... anders an.“

In Zukunft dürfte es noch schlimmer kommen: Bis zu 40.000 Internet-Satelliten will SpaceX ins All schicken* und auch andere Unternehmen haben Pläne für Satelliten-Konstellationen, die zukünftig schnelles Internet auch in den entlegensten Winkeln der Erde möglich machen sollen: OneWeb plant eine Konstellation und auch Amazon hat entsprechende Pläne bereits öffentlich gemacht. SpaceX will 2020 insgesamt 24 „Starlink“-Missionen starten - das wären zwei Raketenstarts mit jeweils 60 Satelliten im Monat und insgesamt 1440 neue Satelliten in einem Jahr.

SpaceX könnte Zahl der aktiven Satelliten schnell deutlich vergrößern

Zum Vergleich: Derzeit umkreisen die Erde 2062 aktive Satelliten (Stand: 03/2019), dazu kommen unzählige ausrangierte Satelliten und Weltraumschrott. Seit dem Start des ersten Satelliten „Sputnik 1“ im Jahr 1957 wurden etwa 8500 Satelliten ins All geschossen. SpaceX könnte diese Zahlen in kürzester Zeit alleine deutlich vergrößern - und könnte gleichzeitig dafür sorgen, dass in Zukunft kurzzeitig mehr Satelliten am Nachthimmel zu sehen sind, als man Sterne mit bloßem Auge erkennen kann. Diese Zahl ist nämlich deutlich geringer, als man denken mag: Bei perfekten Bedingungen - die sehr selten sind - kann man maximal 3000 Sterne sehen. In lichtverschmutzten Städten sind es sogar weniger als 100 Sterne, die mit bloßem Auge sichtbar sind.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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